Türkei – wie ich lebe

Izmir, 3,5 Millionen Einwohner, die  rittgrößte Stadt der Türkei, an einer Bucht gelegen und bietet deshalb den zweit größten Hafen des Landes. Der alte  Stadtkern zeugt von einiger altertümlicher Schönheit. Der Rest und neuere Teil, eher von der zügigen Urbanisierung.

Nach deutschem Verständnis, nicht wirklich schön, nach türkischen mag ich es (noch nicht) beurteilen. Ich lebe hier in einer relativ reichen und modernen Gegend, die fast ausschließlich aus Hochhäusern besteht und deshalb auf mich mehr den Eindruck eines Brennpunktes machte. Tatsächlich hatte ich weit gefehlt, vielmehr handelt es sich bei solchen Siedlungen um wirklich begehrte Viertel. Jeder, der es sich leisten kann, lebt also in einer Hochhauswohnung, gerne weit oben. Ich wohne in der 18. Etage und wegen der atemberaubenden Aussicht auf die Bucht und den, auf der anderen Seite gelegenen, alten Teil Izmir, vor allem bei Nacht ein wunderschöner Anblick, mag ich jetzt auch Hochhäuser.   Die Familie, die mich aufgenommen hat, ist dreiköpfig, Vater, Mutter, Kind und wirklich  nicht dem türkischen Klischee entsprechend. Das einzige Kind, ein Mädchen, ist erst fünf Jahre alt, während er Anfang 50 und sie um die 40 ist. Außerdem total unreligiös. Er arbeitet als Onkologe von 09.00 bis 24.00 Uhr und sie als Professorin an der Uni, aber nicht ganz solange.

Erhan spricht fließendes Englisch, weil er selber ein Jahr in den USA war, ebenfalls mit AFS, was auch gleichzeitig der Grund ist, warum sie sich entschieden haben jemanden aufzunehmen, etwas wie Dankbarkeit; er ist ein sehr ruhiger Mann und ich unterhalte mich gerne mit ihm, was bei den Arbeitszeiten allerdings schwierig ist.

Seine Frau Nihal ist warmherzig, schnell dabei einen abzuknutschen und Umarmungen zu verteilen und bei näherer Betrachtung, doch so wie man sich ein türkischen Vollweib so vorstellt, schwarzer Lockenkopf und sehr energisch. Dann ist da noch die Nanny, Gül-Şerin, sie entlastet das Ehepaar, kocht (Nıhal mag nicht kochen), putzt (es ist immer sehr Sauber) und kümmert sich um Ella. Gül spricht kein einziges Wort Englisch, unterhält sich aber trotzdem gerne mit mir und stört sich nicht daran, dass mein Wortschatz auf  “Merhaba” und “gülle gülle”begrenzt ist. Außerdem ist sie auch großartig im in die Wange kneifen, küssen, herzen und einen von Zeit zu Zeit an den mütterlichen Busen zu pressen.

Ja und dann bleibt da noch Ella, das Sweet-Heart und die Prinzessin, ein hübsches und charmantes Mädchen, manchmal eine Diva. Und etwas öfter als manchmal wird diesem hübschen Prinzesschen ein kleines, vor Wut schnaubendes Monster, was heult, schreit und haut. wir verstehen uns gut, zumal sie mich an meine kleine Schwester erinnert, eine kleine deutsche Diva.

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