Türkei – Massenkuscheln

In der Türkei hat niemand Platzangst, jedenfalls wird davon ausgegangen. Denn wer welche hat, kann leider nicht am öffentlichen Leben teilnehmen. Ich hatte die Gelegenheit für wenig Geld an einem Schulausflug in „the Human body Exhibition“  teilzunehmen und habe diese auch gleich ergriffen.

Es handelte sich hierbei also um eine Schulveranstaltung. Nur ist der Ausstellungsort etwa eine Stunde von der Schule entfernt, so wurde ein Bus geordert, wobei es sich bei „ein“ um die Stückzahl handelt, denn für alle 120 Schüler war ein normal Bus mit gerade mal zwei Segmenten (eine Platzzahl von ca. 60) vorgesehen.

Das macht dem Türken aber nichts, und ich war schlau genug nicht nach einem zweiten Bus zu fragen, sondern wie alle anderen den Bus zu stürmen. Es brauchte wohl 10 Minuten bis alle irgendwie verstaut waren, und während ich noch darüber nachdachte, ob diese effiziente Art Raum zu nutzen, wohl der Grund dafür war, das ich nur 2 TL für den Transport bezahlt hatte, ließen uns die Lehrer wieder aussteigen. Ich, mit deutscher Naivität gesegnet, glaubte schon man hätte Einsehen gehabt und einen neuen Bus geordert, aber weit gefehlt, die Lehrer wollten nur die Namenslisten durchgehen, um festzustellen ob sich auch wirklich genau 120 Schüler im Bus aneinanderdrängten, oder doch nur 110.

Aber nach der Hälfte gaben sie es auf, es wahr eh zu verwirrend, einige Schüler waren nämlich schon gegangen, um auf öffentliche Verkehrsmittel umzugreifen (so schlau war ich nicht, ich hätte aber auch einiges türkisches life-feeling verpasst) Also alle wieder rein in den Bus. Es gab ein paar Probleme die Türen zu schließen, aber als die letzten Schüler, die im Weg standen, noch gestapelt wurden, ging es dann doch, und dann auch los. Alles applaudierte.

Wie eine Sardine in der Dose bemühte ich mich redlich, nicht über Massenpaniken nachzudenken, aber dann fiel mir ein, das hier keiner hinfallen konnte und es gab auch gar keinen Platz, um die Füße zu heben um jemanden zu zertrampeln, und als ich diese türkische Strategie erkannt habe, entspannte ich mich und fühlte mich sehr türkisch. Meine Freunde versuchten, vielleicht um mich zu beeindrucken, zu beweisen, wie gewöhnt sie an solche Situation waren und fingen an Klatschspielchen zu spielen, wie ihr euch vorstellen könnt, scheiterte dieser Versuch hoffnungslos.

Weil ich aber auch keine Lust hatte, wie eine Deutsche zu wirken, die irritiert ist, über einen überfüllten Buss (war ich aber), fing ich an mir und danach einem langhaarigen Freund die Haare zu flechten. Immerhin, diese Fahrt war mit Würde überstanden. Nach einer Zeit lag der Kopf von einer Türkin auf meiner Schulter, sie war eingeschlafen und nicht die einzige.

Die Besichtigung an sich war nicht besonders spannend, aber vielleicht ging es ja auch tatsächlich um den Weg (als Ziel).

2 Gedanken zu „Türkei – Massenkuscheln

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