One day in Hebron

Am Samstag den 16. November 2013 bin ich mit Marieke, Max und Paul nach Hebron gefahren.
Hebron ist die zweitgrößte Stadt, nach Ostjerusalem, in der Westbank und hat rund 200000 Einwohner. Man fährt erst mit dem Bus 21 nach Bethlehem und steigt da dann in einen Bus um, der einen nach Hebron fährt. Allerdings muss man wissen, wo dieser Bus abfährt, sonst findet man ihn nie. Er ist ungekennzeichnet und hat auch keinen festen Fahrplan. Dafür kann man aber fast umsonst fahren, die Fahrt kostete nur 6 NIS (1,50 Euro) und dauerte eine Stunde. Schon im Bus wurde wir kritisch beäugt, da wir offensichtlich aus der Westlichen Hemisphäre stammen.

Als wir in Hebron aus dem Bus ausstiegen, befanden wir uns in einer völlig anderen Welt: Erstens fällt man in Hebron als Europäer auf, da er im Unterschied zu Bethlehem eine Stadt ist, die nicht vollkommen touristisch erschlossen ist, sondern man der einzige Tourist ist. Zweitens erscheint die Stadt als völliges Chaos. Von außen ist keine Ordnung erkennbar und man muss wissen, wo man hin möchte, sonst findet man es nicht. Es gibt weder Straßennamen noch Hinweisschilder.

Max, der Hebron schon einmal besucht hat, führte uns zum Eingang der Jüdischen Siedlung. Die Grenzstation war ein quer über die Straße gestellter Bauwagen. Im Inneren befanden sich zwei Scanner, die auf Waffen testen. Anschließend wurde der Pass kontrolliert. Besonders für uns war, dass der Pass das erste Mal richtig kontrolliert wurde: Bisher wurde ich immer, wenn erkennbar war, dass ich einen deutschen Pass besitze, durchgewunken und niemand kontrollierte den Pass genauer.

Anschließend gingen wir zu viert durch die Jüdische Siedlung. Komisch war, dass wir plötzlich wieder auf Hebräisch umschalten konnten. Nach dreimaliger Passkontrolle erreichten wir einen Olivenhain. Von dort kann man das Grab Abrahams sehen und es ist auch ein beliebter Treffpunkt für Führungen von Menschenrechtsgruppen.

Während der Pause beobachteten wir ein kleines Stück Palästinenserkonflikt: Zu einem Haus, in welchem zwei palästinensische Familien wohnten, kamen drei jüdische Siedler und fingen an, die Palästinenser zu beschimpfen: Sie riefen, es sei ihr Haus und das die Palästinenser kein Recht dort zu wohnen und sie sollen dort verschwinden. Durch das Geschrei angelockt, kam sofort ein israelischer Soldat, um die Situation zu beobachten. Nach wenigen Minuten war der Konflikt vorbei. Möglicherweise weil sich im Garten, neben den Palästinensern, ein amerikanischer Kameramann aufhielt, der sofort anfing zu filmen. Dazu muss man wissen, dass, sobald aus einem Haus Palästinenser ausziehen, das Haus in Israelischen Besitz übergeht.

Nach weiteren 15 Minuten Weg erreichten wir das Grab Abrahams: Der Sarkophag steht zum einen Teil in einer Moschee und zu einem kleineren Teil in einer Synagoge. Wir gingen in die Moschee, da die Synagoge aufgrund des Schabbat geschlossen hatte. Die Moschee war im Inneren sehr schön gestaltet und wir fühlten uns dort wohl. Im Inneren befand sich eine Stelle, von der auf das eigentliche Grab von Abraham geblickt werden konnte. Dieses soll sich unter der Moschee befinden. Da das dritte Gebet des Tages unmittelbar bevorstand, wurden wir freundlich nach draußen gebeten.

Über die schönen Altstadtgassen mit den Händlern und zwei Falafeln für sieben Schekelim gingen wir zurück zum Busbahnhof. Eigentlich wollten wir wie auf dem Hinweg mit dem Bus fahren, entschieden uns dann aber für ein Sherut, dass uns zum Checkpoint 300 nach Bethlehem fuhr. Sheruts sind Sammeltaxis, bei denen der Fahrer ein Ziel und einen Preis festlegt und man wartet dann bis das Sherut gefüllt ist und fährt los. Meistens sind Sheruts Kleinbusse wie ein VW Bus oder ein Mercedes Viano. In unserem Fall kostete die Fahrt zurück nach Bethlehem zum Checkpoint 300 11 Schkelim (rund 2,20 Euro).
Insgesamt haben wir vier einen tollen Ausflug gehabt, der uns viele Facetten Hebrons gezeigt hat und unser Bild des Nahen Osten nachhaltig verändert hat.

Ein Gedanke zu „One day in Hebron

  1. prilop

    Hallo NIls, ich habe gerade durch Zufall deinen Bericht über den Ausflug nach Hebron gelesen und freue mich darüber, dass ihr zu viert unterwegs wart. Es ist bemerkenswert, dass ihr euch allen Perspektiven stellt und eure Erlebnisse aufschreibt.
    Vielen Dank, Gesa Prilop

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