Weihnachten und Silvester in Ecuador

DSC03058 (FILEminimizer)

So sieht der Weihnachtsbaum meiner Gastfamilie aus.

Eigentlich dachte ich, dass Heiligabend und die Weihnachtstage hier in Ecuador ähnlich verlaufen wie gewohnt. Aber es war doch ziemlich anders.

Der 24. Dezember ist hier noch ein ganz normaler Arbeitstag, und so waren meine Gastgeschwister und meine Gastvater den Tag über unterwegs und sind erst abends nach Hause gekommen. Tatsächlich haben die Ecuadorianer nur am 25. Dezember frei, und so etwas wie die zwei Weihnachtstage gibt es hier gar nicht wirklich.
Anfangs war ich ein bisschen geschockt und traurig darüber, dass diese Tage, so dachte ich, viel weniger gemütlich und in der Familie ablaufen würden, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Zum Beispiel ist das Schmücken unsereres Weihnachtsbaumes in Deutschland immer eines der Dinge an Heiligabend, die wir gemeinsam machen, aber hier in Ecuador steht der Baum schon lange und ist bereits seit Wochen geschmückt. So gab es am Vormittag des Heiligabends gar nichts mit den Vorbereitungen zu tun, und es war alles ganz normal. Aber Weihnachten wird hier nun mal einfach nur anders gefeiert, was es allerdings nicht unbedingt schlecht macht.

Wie sich herausstellte, ist die Bescherung, zumindest in meiner Gastfamilie, nicht so wichtig wie in Deutschland, und es wird viel mehr Wert auf das gemeinsame Essen gelegt, das erst spät abends stattfindet. So sind dann um 10 Uhr abends alle meine Gastgeschwister, außer eine meiner Schwestern, mit ihren Familien eingetrudelt, und wir haben zusammen Truthahn und Schwein mit Reis und Salat gegessen. Nur einer meiner kleinen Gastneffen hat alles verschlafen. Während des Essens wurde die ganze Zeit geredet, und wir haben viel gelacht. Zum Nachtisch haben wir Plätzchen gegessen, die ich gebacken hatte, weil das in Ecuador ziemlich untypisch ist und in Deutschland schließlich zur Weihnachtszeit dazu gehört.

Nach dem Essen gab es eine kleine Bescherung für meine Neffen, meine Nichte und mich. Wir haben jeweils etwas von meinen Gastgeschwistern und meinen Gasteltern bekommen, sie haben sich aber gegenseitig nicht beschenkt. Ich hatte das Gefühl, dass es die Bescherung nur als kleine Freude für die Kinder gab, sie aber nicht die gleiche Bedeutung wie in Deutschland trägt, wo die Geschenkübergabe meistens der Höhepunkt des Abends ist. Der Gedanke hinter diesem Heiligabend hier in Ecuador hat mir immer besser gefallen, auch wenn es am Anfang schon ein bisschen schwer war.

DSC03077 (FILEminimizer)

Ein Teil meiner Gastfamilie und ich an Heiligabend. Eine meiner Gastschwestern und ihre Familie und mein Gastvater sind leider nicht dabei.

Am 25. Dezember hatten meine Gastgeschwister und mein Gastvater frei, und so sind wir auf die Garnelenfarm gefahren und haben dort zusammen den Tag verbracht.

Genau eine Woche später war schon der 31. Dezember und damit Silvester. Dafür sind wir sehr spät abends auf die Garnelenfarm meiner Gastfamilie gefahren, denn das dortige Farmhaus ist extra für große Events gebaut worden, und es gibt neben dem eigentlichen Haus einen großen Platz, viele Pavillons, Bars, einen Fußballplatz und sogar einen Pool mit Whirlpool. Sobald es etwas in meiner riesigen Gastfamilie zu feiern gibt, findet das Fest hier statt. Meine Gastfamilie hatte mir vorher gesagt, dass es diesmal nur ein kleines Fest wird mit Familie und ein paar Freunden. Eigentlich hätte ich wissen müssen, dass es doch ziemlich groß werden würde, denn allein die Familie ist schon riesig. Naja, so war es dann auch mit vielen Gästen, und es gab sogar Catering und einen Sänger, aber mit mehr Leuten ist ja meistens alles lustiger und lebendiger, deshalb habe ich mich darüber gefreut.

Eine besondere Tradition in Ecuador ist das Verbrennen von „año viejo“ (auf Deutsch: altes Jahr) um zwölf Uhr nachts. Ein „año viejo“ ist eine Papp- oder Stofffigur, die man in allen möglichen Gestalten wie berühmten Fußballspielern oder Zeichentrickfiguren aus Filmen auf der Straße zum Verkauf angeboten sehen kann. Im Dezember sind alle Straßen überfüllt von diesen Figuren, und es gibt sogar richtige Kunstwerke, an denen eine Person das ganze Jahr gearbeitet hat. Die Figuren reichen von klein bis riesig und sind oft größer als ein Mensch. Dementsprechend gibt es auch große Preisunterschiede, und besonders reiche Ecuadorianer stellen ihren Reichtum gerne zur Schau, indem sie die größten kaufen und sie in den Vorgarten stellen oder sonst irgendwie öffentlich präsentieren. Wer oder was die Figur ist, hat, obwohl sie verbrannt wird, keine große Bedeutung. Man kauft einfach das, was einem gefällt. Bei dem Verbrennen geht es darum, das alte Jahr hinter sich zu lassen und einen Neustart zu machen.

DSC03081 (FILEminimizer)

Verschiedene „año viejos“ .

Um Mitternacht werden sie dann mit Feuerwerken ausgestattet und verbrannt. Außerdem werden auch Raketen gezündet.

DSC03090 (FILEminimizer)

um Mitternacht…

Um Mitternacht...

Eine andere Tradition ist das Essen von zwölf Weintrauben, ebenfalls um Mitternacht. Die Weintrauben stehen für die zwölf Monate des Jahres, und wer sie isst, soll das ganze nächste Jahr Glück haben.

DSC03083 (FILEminimizer)

Genau zwölf Trauben.

Nach Mitternacht haben wir alle zusammen gegessen. Mein Gastvater hat noch eine kurze Ansprache gehalten und das neue Jahr begrüßt. Danach wurde gesungen und getanzt, denn Ecuadorianer lieben das Tanzen und tun es bei jeder Gelegenheit so lange wie möglich. Die Feier hat bis um acht Uhr morgens am 1. Januar gedauert, aber ganz so lange habe ich dann doch nicht durchgehalten. So habe ich in Ecuador die letzten Wochen erlebt, und ich wünsche Norddeutschland und allen, die das hier lesen, noch einmal: „Feliz año nuevo!“ (Frohes neues Jahr!)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.