Ausflug zur Taufe an den Jordan

Am 19. Januar 2014 besuchte ich mit einer Gruppe eine Taufstelle am Fluss Jordan, an dem die orthodoxen Christen ein Tauffest gefeiert haben. Anschließend fuhren wir weiter zu einem griechisch-orthodoxen Kloster in der Nähe, um zu grillen.

Morgens um halb neun brachen wir als Gruppe, organisiert von der deutsch-evangelischen Gemeinde von Jerusalem, auf zum Jordan. Nach einer Stunde und rund 1200 Höhenmeter erreichten wir das Gelände, wo sich die Taufstelle am Jordan befindet.

Der Jordan liegt sich in der Ebene, in dem auch das Tote Meer liegt und somit rund 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Besonders ist, dass dieses Areal militärisches Sperrgebiet ist, und man nur an einem Tag im Jahr – nämlich dem 6. Januar nach dem Julianischen Kalender, der immer rund 13 Tage hinter dem gregorianischen Kalender „hinterherhinkt“ – das Gelände betreten darf.

Bild von einer Klosterpforte im Sperrgebiet.

Bild von einer Klosterpforte im Sperrgebiet.

Bemerkbar machte sich das Sperrgebiet der IDF (Israel Defense Forces) durch ein Kontrollhäuschen und einen Schlagbaum mitten in der Wüste. Nach Durchfahren dieses Kontrollpunktes konnte man links und rechts von der Straße Zäune mit der Warnung „Danger Mines“ erkennen. Leider hat die IDF bei Errichtung des Sperrgebietes keinerlei Rücksicht auf die Klöster, die sich dort am Jordan befinden, genommen, sodass am Wegesrand nur noch gespenstisch aussehende Ruinen und Reste der Klostermauern erkennbar sind. Auch diese sind immer mit dem Hinweisschild auf Minen versehen.

Zuerst beobachteten wir einen Gottesdienst der syrisch-orthodoxen Christen, die Weihnachten feierten. Unpassend war, dass wir mit vielen anderen Touristen rund um die gläubigen Christen herumstanden und ihren Gottesdienst beobachten. Mit dabei standen rund zehn Männer, die alle ein weißes Gewand trugen. Das weiße Gewand ist ein Taufgewand, welches orthodoxe Christen tragen, wenn sie sich zur Taufe im Jordan untertauchen und bekreuzigen.Zusammen mit drei weiteren Freiwilligen ging ich hinunter zum Jordan und war enttäuscht: Ich hatte einen großen Fluss erwartet, ähnlich der Elbe oder dem Rhein.

Der Jordan ist hingegen ein rund 4 Meter breiter „Fluss“ mit sehr trübem Wasser und Schilf an beiden Ufern. Gleichzeitig stellt er den Grenzfluss zwischen Jordanien und der Westbank dar. Auf beiden Flussseiten sind Taufstellen vorhanden. Beide werden von Soldaten bewacht. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass die Jordanische Regierung erlaubt, in der Nähe des Flusses Klöster und Kirchen zu bauen.Plötzlich fing ein Spielmannszug an zu spielen. Komischerweise spielte die Hälfte von ihnen auf einem Dudelsack, wohl ein Überbleibsel aus der Zeit des Britisches Mandates bis 1947. Besonders stolz waren die Kinder, die zum ersten Mal diesem Zug angehörten und mit Freude ihre fünf Töne spielen.Um 11.30 Uhr begann die eigentliche christliche Prozession: Zuerst kamen Geistliche zum Ufer und begannen Weihrauch in der Luft zu verteilen. Anschließend brachte ein

Priester ein mit Blumen geschmücktes Kreuz, dass nach einem Gebet und einem Segen zu Wasser gelassen wurde.

Leider fand diese Zeremonie statt, nachdem wir schon zwei Stunden am Ufer ausgeharrt hatten, und da wir unsere Sonnendosis bekommen hatten,verließ uns die Lust und wir warteten mit Freiwilligen aus Thalita Kumi auf den Bus, um zum Grillen in ein Griechisches Kloster zu fahren.

Auf dem Weg zum Kloster erzählte der Pastor, dass ein einzelner Mönch über Jahre alle Touristenbusse an der Straße angehalten habe, und um Spenden für das Kloster bat. Nach vielen Jahren des Spendensammelns und mühevoller Wiederaufbauarbeit auf dem Klostergelände war das Kloster, nördlich des Toten Meeres, wieder fertig gestellt. Neben dem Kloster mit Kirchen und Werkstätte und einer wunderschönen Parkanlage, hat er auch Grillplätze gebaut, die zum größten Teil von Christen genutzt werden.

Nach dreistündigen Grillen fuhren wir wieder zurück nach Jerusalem. Merkwürdigerweise habe ich als sehr sonnenempfindlicher Mensch, keinen Sonnenbrand bekommen, obwohl ich den ganzen Tag in der Sonne verbracht habe.

Insgesamt haben wir einen sehr interessanten Tag verlebt, der ein noch facettenreicheres Bild von der Region erzeugt hat. Mir wurde wieder einmal deutlich, wie Christen als Minderheit in einem Land leben, und welche Folgen es für ihren Glauben hat.

 

 

 

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