Eine neue Seite von Peru

Letzte Woche habe ich einen dreitägigen Ausflug mit meinen peruanischen Großeltern gemacht. Dazu ging es in die zwei Stunden entfernte Kleinstadt Morropón, die im Vorgebirge der Anden liegt.

Meine Gastfamilie ist für den ersten Tag mitgekommen, sie sind aber abends wieder zurückgefahren, weil meine Gastschwester am nächsten Tag wieder Unterricht hatte. Wir sind morgens um sieben in einem klapprigen Bus losgefahren, der dazu auch noch weniger Plätze als Mitfahrer hatte. Die Peruaner achten auf so etwas nicht, deswegen muss man sehen, dass man rechtzeitig da ist.
In Morropón angekommen sind wir zum Haus der Schwester meines Großvaters gegangen, denn dort durften wir netterweise die drei Tage übernachten. Es ist ein typisches peruanisches Haus: Groß, nackte Betonböden, Wellblechdach, Möbel irgendwie zusammengewürfelt und hingestellt, Wandfarbe, die an einigen Stellen abplatzt.

Die meisten Peruaner legen nicht viel Wert auf das Einrichten von Häusern… Viele halten sich im hinteren Teil Hühner und Truthähne, so war es auch in diesem Haus. Aber die Peruaner sind super gastfreundlich und bieten einem immer ein Bett an, sodass man sich ums Übernachten nie Sorgen machen muss.

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Morropón

Am Vormittag haben meine Gastmutter und meine Gastschwester mir die Stadt gezeigt. In den Straßen ist es ruhiger, es gibt keine Taxis oder Busse, die meisten besitzen ein Moto als Fahrzeug. Alles ist grüner, denn es ist ein Landwirtschaftsgebiet und die Erde ist viel fruchtbarer.

In der Stadt gibt es Lautsprecher, wo regelmäßig Ansagen gemacht werden, wie z.B. dass der Unterricht der Klasse 5to Secundaria am Montag ausfällt oder es wird Werbung für irgendeinen Laden gemacht. Das kann jeder in der Stadt hören und weiß dann Bescheid.

Außerdem kennt fast jeder jeden. Wenn man aber jemanden mal nicht kennt, tauscht man solange Namen von Bekannten oder Verwandten aus, bis man jemanden gefunden hat, den beide kennen. Das verbindet einen dann und man kann sich vertrauen.

Lustig fand ich auch, dass einem beim Abschied immer ein „Gott gehe mit dir“ oder „Gott beschütze dich“ mitgegeben wurde. In der Provinz spielt Religion noch eine viel größere Rolle, in den Großstädten ist es liberaler.
Die Nudeln fürs Mittagessen wurden über einem offenen Feuer gekocht, das fand ich schon etwas befremdlich, aber da wurde mir klar, dass auf dem Land alles noch nicht sehr fortschrittlich ist. Nach dem Essen wollten wir zu einer Badestelle an einem Fluss fahren und da wurde ich ausdrücklich gebeten, nicht mit Bikini, sondern mit Shorts und Top zu baden, denn zu viel weiße nackte Haut würde bei den MännernAufsehen erregen. Da wurde mir auch noch mal klar, dass ich nicht mehr in der Großstadt bin, sondern in der konservativen Provinz.

Baden im Fluss mit meiner Gastschwester

Baden im Fluss mit meiner Gastschwester

Am nächsten Tag wollten wir einen Tagesausflug in das kleine Bergdorf Santo Domingo machen, denn dort wollte mein Großvater nach entfernten Verwandten suchen. Also ging es morgens mit einem Jeep los. Der Fahrer wollte auf der Fahrt viel Geld verdienen, deswegen saßen wir zu viert auf der Rückbank und im Kofferraum saßen noch vier weitere Personen.

Die ersten drei Kilometer war die Straße noch asphaltiert, aber dann wurde daraus ein Schotterweg der schlimmsten Art, der dazu noch steil den Berg hochging. Zwei Stunden lang sind wir durch riesige Schlammpfützen, Bäche und Gruben gefahren, bis wir endlich unser Ziel erreicht haben. Santo Domingo liegt auf 1800 Meter Höhe und ist umringt von Bergen. Die Luft ist frisch und klar, was ich nicht mehr gewohnt bin, denn normalerweise atme ich nur noch Abgase ein.

Santo Domingo

Santo Domingo

Zuerst mussten wir alle auf die Toilette gehen, was aber schwierig war, denn dort gab es keine öffentlichen Toiletten. Also sind wir einfach zum nächstbesten Haus gegangen und haben gefragt. In Peru ist das kein Problem, die Leute sind ja sehr offen, ich dagegen fand es eher merkwürdig.

Danach sind wir herumspaziert und haben alles erkundet, wobei ich die ganze Zeit angestarrt wurde, als wäre ich ein Alien. Ich glaube, dass einige noch nie in ihrem Leben eine Weiße gesehen haben. Ich habe mich gefühlt, als hätte ich eine Zeitreise 50 Jahre zurück gemacht.

Alles war dort so rückschrittlich, die Lehmbauten, die Leute, die auf Eseln vorbeigeritten und selbst genähte Kleidung trugen. Deren niedriger Lebensstandard hat mich einfach fasziniert. Nach drei Stunden mussten wir schon wieder zurückfahren, weil es bald anfangen sollte zu regnen und die Straße dann unpassierbar wäre. Aber mein Großvater hat trotzdem noch durch vieles Fragen einige entfernte Verwandte gefunden.

Mit meinen Großeltern und Dona (Schwester des Großvaters)

Mit meinen Großeltern und Dona (Schwester des Großvaters)

Nach der zweistündigen Abenteuerfahrt sind wir schließlich heil wieder in Morropón angekommen. Von den vielen neuen Eindrücken war ich ziemlich geschafft, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Am darauffolgenden Tag sind Verwandte aus Lima gekommen und wir haben eine kleine Tour zur Fruchtplantage der Familie gemacht, wo Mangos, Pflaumen, Bananen, Kakao, Papaya und Kokos angebaut wird. Wir durften alle Früchte frisch probieren, was super lecker war! Das war ein schöner Abschluss unserer kleinen Reise, denn danach sind wir direkt mit dem Bus zurück nach Piura gefahren.
Es war eine richtig schöne Reise und ich war sehr dankbar darüber, denn so konnte ich mal eine andere Seite von Peru kennenlernen.