Auf einer peruanischen Totenwache

Ich dachte eigentlich, dass es Totenwachen schon lange nicht mehr gibt, aber da lag ich wohl falsch… Vor einiger Zeit ist eine Tante meiner Gastmutter verstorben. Als meine Gastmutter dann sagte, dass wir zu ihrer „belorio“ gehen, dachte ich logischerweise an eine Beerdigung. Da ich das Wort aber nicht kannte, habe ich es sicherheitshalber noch einmal nachgeschlagen, und herauskam „Totenwache“. Ich war ziemlich irritiert, weil ich keine Ahnung hatte, was man da macht oder wie man sich verhält.


Die Totenwache findet immer am selben Tag statt, an dem jemand verstorben ist. Also sind wir zu dem Haus gefahren, wo die Tante gewohnt hat. Dort war im Wohnzimmer ein Stuhlkreis entlang der Wände aufgebaut und in der Mitte des Raumes der Sarg aufgebahrt, welcher mit Blumen geschmückt wurde. Zuerst hat man den engsten Familienmitgliedern sein Beileid ausgesprochen, dann hat man sich hingesetzt und so mehrere Stunden ausgeharrt. Einige sprachen leise über die Verstorbene, andere weinten oder starrten nur vor sich hin. Der vordere Teil des Sarges war geöffnet, sodass man zwischendurch mal an den Sarg treten und Abschied nehmen konnte. Ich habe mich davon aber ferngehalten, weil mir das etwas unheimlich war. Nach zwei Stunden haben wir alle gemeinsam gebetet und gesungen. Insgesamt haben meine Familie und ich zwei Stunden dort ausgeharrt, aber die engsten Angehörigen bleiben meistens die ganze Nacht dort sitzen.

Der Gang zum Friedhof

Der Gang zum Friedhof

Am nächsten Tag findet dann die richtige Beerdigung statt. Zu der Beerdigung sind wir nicht gegangen, aber ich habe meine Gastmutter gefragt, wie so etwas denn abläuft.
Nach einem Gottesdienst mit allen Bekannten und Verwandten wird der Sarg von der Kirche bis zum Friedhof, wo der Verstorbene begraben werden soll, durch die Straßen getragen. Dass somit die Straße blockiert wird, interessiert keinen, denn dem Verstorbenen soll Respekt erwiesen werden. So müssen sich die Autos, Motos und Busse einen anderen Weg suchen. Auf dem Friedhof angekommen, wird nochmal ein kleiner Gottesdienst in der Kapelle vor Ort abgehalten, bevor der Verstorbene beerdigt wird.
Die peruanischen Friedhöfe sind ziemlich anders gestaltet als in Deutschland, es gibt riesige Wände, in denen Nischen eingebaut wurden, worin der Sarg dann hineingeschoben wird. Ich finde es eine gute Idee, um Platz zu sparen, aber leider kann man kein schönes Beet mit Blumen anpflanzen.

Peruanischer Friedhof

Peruanischer Friedhof

Wenn dann das erste Jahr um ist, wird eine Feier zum Andenken organisiert. Zuerst gehen alle gemeinsam in einen Gottesdienst, anschließend wird in dem Haus eines Angehörigen gefeiert. Es wird mit Fotos und Andenken (z.B. Schlüsselanhänger oder Ketten mit den Initialen) an den Verstorbenen erinnert, und alle essen und trinken miteinander. Ich finde diese Tradition sehr schön, allerdings endet jedes dieser Feste mit einem Trinkgelage. Das wiederum finde ich etwas respektlos, aber so sind die Peruaner: Bei jeder sich bietenden Gelegenheit fangen sie an zu trinken.