Zeigefinger in der Torte

IMG_0908

Foto: Laura Christoph

 

Nach ca. zwei Wochen in Brasilien habe ich mich bisher ganz gut eingelebt. Genauer gesagt bin ich in der Stadt Recife im Bundesstaat Pernambuco. Diese befindet sich im Nordosten des Landes oder auch dem „Nordeste“ auf Portugiesisch. Die ersten paar Tage habe ich bei meinem Cousin und seiner Familie gewohnt. Jedoch nur vorübergehend. Aber dadurch hatte ich erstmal genug Zeit, um anzukommen und eine kleine Wohnung für mich zu suchen. Das Angebot ist groß, aber nicht gerade zufriedenstellend.

Viele Wohnungen sind in einem schlechten Zustand und werden zudem noch zu Wucherpreisen angeboten. Kurz vor der Fußballweltmeisterschaft sind die Preise hier in Recife in die Höhe geschossen. Mir wurde gesagt, dass viele Wohnungen in Boa Viagem, einem etwas besseren Wohnviertel, während der WM 3500 Real kosten werden. Das sind umgerechnet ca. 1115 Euro für eine Einzimmerwohnung im Monat. Dazu muss ich aber auch sagen, dass Boa Viagem einer der sichersten und zentralsten Stadtteile ist. Letztendlich habe ich eine kleine Einzimmerwohnung gefunden, mit einem Gemeinschaftspool und nah zum Strand.

Jetzt denken sich bestimmt einige, wieso ich mich so über den Pool freue, wenn ich doch ganz nah am Strand wohne?! Leider kann man hier in Recife nicht wirklich im Meer schwimmen, da es nur so vor Haien wimmelt. Man kann zwar bis zur Hüfte im Wasser stehen, aber so richtig sicher fühlt man sich nie. Deswegen bin ich sehr glücklich, einen Pool im Wohnhaus zu haben. Da kann ich wenigstens ausgelassen planschen und sogar schwimmen! Bei der momentanen Hitze ist eine Abkühlung auch unbedingt nötig. Selbst die Brasilianer beschweren sich darüber. In der Sonne lässt es sich eigentlich gar nicht aushalten.

Einen Tag direkt nach meiner Ankunft bin ich dann auch gleich sofort zur Universität gefahren. Es ist die UFPE: Universidade Federal de Pernambuco.  Die Matrikulation und Erstellung des Stundenplans war auch nicht gerade unkompliziert. Die UFPE ist die staatliche Universität und somit kostenlos. Sie genießt hier in Recife einen sehr guten Ruf mit guten Professoren und hat daher einen sehr hohen Stellenwert, weil die Aufnahmeprüfungen sehr schwer sein sollen. Jedoch gibt es auch Negatives. Seit ein paar Jahren gibt es immer mal wieder Bereiche, die streiken. Jedoch ist das dann nicht nur für einen Tag, sondern für Wochen oder sogar Monate. Dadurch gerät alles etwas aus den Fugen. Aber mittlerweile habe ich mich an das System hier gewöhnt und es auch ein bisschen Verstanden. Und wie es aussieht, sind die Brasilianer wirklich sehr fußballverrückt, sodass wir während der gesamten Fußballweltmeisterschaft Ferien haben werden.

DSCN6220

Foto: Laura Christoph

 

Aber ich muss sagen, dass mir mein Alltag bisher wirklich gut gefällt. Ich sehe sehr häufig meine Familie und bin eigentlich fast jedes Wochenende mit meinem Cousin unterwegs. Ich war bisher auch schon auf mehreren Geburtstagen von Klein und Groß. Letztes Wochenende war ich auf dem Geburtstag einer Freundin meines Cousins. Die Feier fand im Strandhaus ihrer Eltern in Maria Farinha statt. Maria Farinha liegt nördlich von Recife. Dieses Haus befindet sich dort in einer geschützten Anlage direkt am Strand, die man hier „Condomínio Fechado“ nennt.

DSCN6224

Foto: Laura Christoph

 

Dort gab es dann ein typisches brasilianisches „Churrasco“: Das ist eine typische Art und Weise, wie das Fleisch zubereitet und wie die Beilagen serviert werden mit verschiedenen Salaten und sehr viel Fleisch. Das Fleisch wird dann in kleine Stücke geschnitten, und alle nehmen sich davon, so viel sie wollen. Diese Anlage hatte zudem einen sehr großen Pool und ein Fußballfeld und ein Volleyballfeld. Also für jeden etwas dabei. Es war ein toller Tag.

So wie wir in Deutschland haben die Brasilianer natürlich auch Traditionen und Bräuche an Geburtstagen. Einen Brauch davon kennt man in Deutschland auch, und zwar das Kerzen auspusten, um sich etwas zu wünschen. Jedoch wird hier auch noch zusätzlich danach der Zeigefinger in die Geburtstagstorte gebohrt und sich noch einmal etwas gewünscht. Doppelt hält nun mal besser…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.