Man verfällt langsam, aber sicher innnerlich in Stress

Es sind noch zwei Monate bis es wieder nach Deutschland geht, ein Tag weniger um mich von meiner Gastfamilie zu verabschieden. Regelmäßig Schule habe ich (wenn ich „Lectio“ da richtig verstanden habe) nur noch bis Anfang Juni und danach sind „Lernferien“ und Examen. Ergo nur noch einen Monat Schule.

Das ist beängstigend, wenn man bedenkt wie schnell der erste Monat/die letzten zwei Monate vor der Abreise vergangen ist/sind. Und nicht zu vergessen: in 21 Tagen muss die „Årsopgave“ (wörtlich übersetzt: Jahresaufgabe. Film/Vortrag/Zeichnung/.. über dein Auslandsjahr mit YFU) vorgelegt werden. Und ich habe nicht einmal angefangen, geschweige denn eine Idee.
Man denkt sich jetzt „Ach zwei Monate das ist noch viel Zeit. Aber wenn man bedenkt, dass das nur neun Wochen sind, wird es plötzlich weniger. Neun Wochen bedeuten neun Wochenenden, die fast alle verplant sind. Mir geht langsam die Zeit aus. Ich bin ein Mensch, der er erst bei Zeitdruck motiviert ist. Diese Motivation kommt langsam auf. Die To-Do-Liste ist geschrieben und wird hoffentlich noch abgearbeitet.
Ich möchte Reisen, so oft wie möglich noch einmal ans Meer, und noch etwas von diesem kleinen Land, dass nur ca. dreimal so groß ist wie Schleswig-Holstein, sehen.
Obwohl Dänemark ca. 7000 km Küste hat kann ich die Male, die ich am Strand war in meinem Auslandsjahr an einer Hand abzählen. Ich habe ein Buch über mein Auslandsjahr gemacht und am Anfang hatte ich eine Seite auf der stand „273 km Fernweh nach ..“ und einer der Punkte war „.. Inselleben“. Über diesen Punkt muss ich jetzt im Nachhinein etwas schmunzeln, weil obwohl ich es nur 10 min dem Auto zum Strand habe, ich hier genauso viel Meer und Strand hatte wie in Deutschland.
Es fühlt sich ein bisschen an wie vor einem Jahr als die Abreise ins Auslandsjahr noch bevor stand. Bei jedem Gedanken an zu Hause bekommt man so ein leichtes Kribbeln im Bauch wie damals bei dem Gedanken an Dänemark. Damals interessierte es mich unheimlich, in wie weit ich mich verändern werde und an welche Grenzen ich stoßen und scheitern, aber welche ich vielleicht auch überschreiten werde. Mich interessierte, wie sich die Leute und die Umgebung in Deutschland verändert hat und ob ich Dinge anders aufnehmen werde.
Ich kann nicht genau sagen wie sehr ich mich verändert habe, aber verändert das habe ich mich auf jeden Fall – sowohl äußerlich als auch innerlich. Fangen wir bei äußerlich an: Auch wenn Dänemark nicht sehr weit von Deutschland weg liegt, gibt es Aussehens-technisch einige Unterschiede, die ich mehr oder weniger unterbewusst auch auf mich übertragen habe. Die Klamotten der dänischen Menschen kann man insgesamt ohne schlechtes Gewissen als farblos bezeichnen. Schwarz, weiß, dunkelblau und grau sind die Grundfarben.

Andere gedeckte Farben wird man auch noch finden, aber zum Beispiel nach einem knalligem rot oder jeglicher Variation von gelb wird man vergeblich Ausschau halten. Aber ansonsten kann man so ziemlich alles tragen ohne schief angeguckt zu werden – habe ich zumindest manchmal das Gefühl.
Die Haare sind bei den Mädchen in „unsortiert-und-grade-aufgestanden“, was sich von selbst erklärt und „ursortiert-und-grade-aufgestanden-aber-noch-kurz-versucht-das-Frisur-mäßig-aussehen-zulassen“, womit ich einen Messie-Dutt oder (was ich in Deutschland noch nie vorher gesehen habe. Aber vielleicht macht man das ja jetzt auch in Deutschland.) einen Halbdutt (Also die obere Hälfte der Haare in einem Dutt und die untere Hälfte einfach offen, aufzuteilen.
All diese Sachen kann ich mittlerweile auch auf mein Äußeres beziehen, wobei ich glaube, dass an einige der Sachen in meiner Kleinstadt in Deutschland so nicht anziehen könnte.
Kommen wir zu innerlich (der Teil, der viel bedeutender ist): Ich bin selbstbewusster, geduldiger und selbstständiger geworden und habe viel für das Leben gelernt.
Man wird automatisch selbstbewusster würde ich sagen, weil man z. B. am Anfang in der Schule ganz auf sich alleine gestellt ist, da man nichts versteht, niemanden kennt und nicht richtig weiß wo man überhaupt mit was anfangen soll. Das Sprechen auf einer fremden Sprache erfordert Mut, da man (vielleicht bin es auch nur ich) immer im Hinterkopf hat, dass man vielleicht gleich einen Fehler macht, der für Verwirrung oder Belustigung sorgt oder einen einfach keiner versteht, weil dein Akzent zu groß ist oder einem die Wörter ausgehen.
Ich habe (verglichen zu dem Zeitpunkt in meiner Gastfamilie) lange gebraucht, bis ich mich getraut habe, Dänisch auch in der Schule oder wildfremden Leuten zu sprechen, aber mittlerweile ziehe ich sogar Dänisch dem Englischen vor.