Kontrastreiches Israel

Eine Woche bevor in Berlin die Parade zum Christopher Street Day startete, war in Tel Aviv ein ähnliches Event: die Tel Aviv Pride Parade. Mit rund 100 000 Besuchern eines der größten Events neben Berlin – und wichtigstes Ereignis der Tel Aviv Pride Week.

Wir fuhren am frühen Morgen gemeinsam mit weiteren Freiwilligen nach Tel Aviv, um uns dieses Event anzuschauen und wurden überwältigt: Überall auf den Straßen tanzten Menschen, feierten, genossen die Stimmung und liefen in der Parade mit. Die geplante Route führte erst durch die Innenstadt und dann weiter am Strand. Am Strand begleiteten wir noch große Trucks, auf denen mobile Bühnen aufgebaut waren und es entstand eine Stimmung wie früher auf der Loveparade.

Nach der Parade fanden noch überall am Strand große Parties statt und wir verbrachten die Zeit noch am Strand. Überrascht war ich, wie voll die Straßen der Stadt waren, alle Geschäfte offen hatten und sich keiner darüber Gedanken zu machen schien, dass der Shabbat in wenigen Stunden beginnen würde. Dieser Kontrast zwischen Jerusalem und Tel Aviv ist beeindruckend.

In Jerusalem beginnt um circa 15 Uhr die Vorbereitungen zum Shabbat. Alle Geschäfte schließen, kein israelischer Bus fährt mehr, über die Stadt legt sich langsam eine beängstigende Stille, als ob keiner mehr in der Stadt lebt. Zu Beginn der Dunkelheit ist fast alles still, nur vereinzelt fahren noch Autos oder Taxen auf den Straßen, und der einzige Ort, der nun vor Menschen fast überquillt, ist die Klagemauer.

Diese beängstigende Stille überkam uns, als wir nach einem langen schönen Tag in Tel Aviv in Jerusalem aus dem Sherut ( Sammeltaxi, das von einer bestimmten Stelle an einer vorher festgelegten Ort fährt, aber erst wenn es voll ist) stiegen. Plötzlich war ich doch wieder überrascht, wie religiös Jerusalem ist und verstand, warum jedes Jahr rund 15 000 Menschen von Jerusalem nach Tel Aviv übersiedeln. Als säkularer Jude in Jerusalem hat man es schwer seinen eigenen Glauben und die damit verbundene Lebensweise zu leben, während jeder in Tel Aviv selbst entscheiden kann, ob und wie er seinen Shabbat, seinen Ruhetag in der Woche, begehen möchte.

Insgesamt war ein sehr toller Tag, der mir auch als mittlerweile länger in Israel Lebender gezeigt hat, wie vielfältig dieses Land ist und wie groß die Kontraste in der Gesellschaft sind.

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