Das Gefühl, nach Hause zu kommen

Inzwischen bin ich schon seit ein paar Wochen wieder und Deutschland und damit auch zu Hause. Ich habe lange darauf gewartet und mich immer darauf gefreut. Meine Zeit in Ecuador war sehr interessant, oft wunderschön und hat mich und meine Sicht auf die Welt verändert, aber ich hatte nur selten Momente in denen ich mir das Jahr länger gewünscht habe, sondern habe mich schon seit langer Zeit darauf gefreut meine Familie endlich wieder in die Arme schließen zu können.

In Ecuador habe ich Freunde, eine Gastfamilie und somit auch ein kleines Zuhause gefunden, doch ich war fast nie so frei und konnte selten so ich selbst sein wie mit meiner richtigen Familie und es fühlt sich jetzt gut an, nicht immer lächeln zu müssen, auch wenn man gerade traurig ist und so unkompliziert wie möglich zu sein, um bloß keine Probleme zu machen.

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Alle Austauschschüler im letzten Camp in Quito.

Zum Ende meines Auslandsaufenthaltes hatten wir noch ein letztes AFS Camp in Quito mit allen Austauschschülern, um unsere Erfahrungen zu reflektieren und zu besprechen. Es war super, alle zum Ende noch einmal wiederzusehen, denn nur sie verstehen wirklich, wie man sich in dem Moment fühlt und können helfen, mit dem Gefühlswirrwarr klarzukommen, mit dem fast jeder, denke ich, zu kämpfen hatte.

Wir waren alle hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch noch ein kleines bisschen länger in Ecuador zu bleiben und so noch ein bisschen länger in einer Seifenblase zu leben, die so weit entfernt von unserem alten Leben war – und der Freude endlich nach Hause zu kommen. Denn natürlich ist es einzigartig ein Auslandsjahr zu erleben, jeder erlebt es anders und jeder hat somit seinen kleinen Schatz aus Erinnerungen, die man manchmal miteinander teilt, die aber nur man selbst wirklich erlebt hat und das ist etwas Wunderbares.

Das Jahr war unser Jahr und das wird es immer bleiben! Wir haben uns alle verändert und ich denke, dies ist bei allen positiv. Austauschschüler zu sein ist nicht immer leicht und oft sehr belastend und ich habe gelernt was Heimweh wirklich bedeutet, aber ich werde meine Entscheidung, nach Ecuador zu gehen, niemals bereuen, denn ich habe das Jahr auf eine besondere Weise geliebt.

Es ist seltsam, wieder in dem Bett zu schlafen, in dem man schon so viele Jahr geschlafen hat und durch das Haus zu laufen, von dem man jeden noch so kleinen Winkel kennt. Aber ich genieße es aus vollen Zügen und bin glücklich darüber, dass ich so vieles nun viel mehr wertschätze. Natürlich vermisse ich Ecuador, ich vermisse meine Gastfamilie, meine Freunde, das Land und die Kultur, aber ich weiß jetzt, dass ich dort nicht so gerne für immer leben würde und das wir es in Deutschland ziemlich gut haben.

Ich bin so vielen Menschen so unglaublich dankbar dafür, dass sie mir all diese Erfahrungen ermöglicht haben, sie einzigartig und wundervoll gemacht haben. Meine Gastfamilie hat mir gezeigt, wie wichtig die Familie ist und wie Familienzusammenhalt in Südamerika aussieht, sie hat mir gezeigt, wie eine Farm funktioniert und dass man Reis morgens, mittags und abends ohne Probleme essen kann und noch tausend Dinge mehr. Für all das bin ich ihnen sehr dankbar. Aber auch meine Schulfreunde und die Austauschschüler und noch viele mehr sind Menschen, die mir so unglaublich viel geholfen und gezeigt haben und zu denen ich großes Vertrauen habe. Vor allem die Austauschschüler werde ich niemals vergessen.

Natürlich wusste ich schon immer, wie sehr ich meine deutsche Familie liebe, aber durch die zehn Monate, die ich ohne sie verbracht habe, habe ich erst richtig gemerkt, wie sehr ich sie brauche! Über die 10.000 km hinweg haben sie mir immer geholfen, mich aufgemuntert, mich verstanden und mich ermutigt. Ich habe ihnen bestimmt oft Sorgen bereitet und das tut mir leid, aber ich habe mich ihnen immer anvertraut und das hat mir sehr geholfen. I

ch war der glücklichste Mensch auf der Welt, als ich sie am Flughafen endlich wieder richtig umarmen konnte und bin immer noch jeden Tag glücklich darüber. Meine besten Freunde habe ich schon an dem Tag wiedergesehen, an dem ich nach Plön kam und es war so schön und ich freue mich jedes mal, wenn ich sie sehe, darüber, dass es sie gibt.

Die meisten Leute fragen mich, wenn sie mich das erste Mal wiedersehen: „Wie war’s?“ Die Frage ist ziemlich doof, denn ich kann sie nicht richtig beantworten und sage meistens so etwas wie: „Es war interessant und eindrucksvoll.“ Das Problem ist, dass das Jahr aus viel zu vielen Eindrücken bestand, um sie in einem Satz vernünftig auszudrücken. Aber die, die sich wirklich für mein Jahr interessieren, fragen so nach, dass ich nach und nach erzählen kann und so ausführlicher werde.

Am Einfachsten ist es mit anderen Austauschschülern, denn sie wissen ja wie es ist zurückzukommen und interssieren sich mit meiner Famililie am meisten für meine Erlebnisse. So ganz bin ich immer noch nicht wieder in Deutschland angekommen, aber das ist normal und ich brauche wohl einfach noch ein bisschen Zeit. Ecuador wird mich immer begleiten und ich werde mit den Gedanken immer ein bisschen dort bleiben, denke ich. Das ist gut so, denn es ist nun mal ein Teil von mir.

Ich hoffe, dass meine Blogeinträge, dem einen oder anderen gefallen haben und dass ich eindrucksvoll beschreiben konnte, wie ich mein Auslandsjahr in Ecuador erlebt und empfunden habe. Vielleicht hilft es ja einigen, die auch ins Ausland gehen wollen. Ich habe sehr gerne für den Blog geschrieben, denn oft hat es mir geholfen meine Gedanken und Gefühle noch einmal zu strukturieren und klar zu sehen, um sie besser vermitteln zu können.

Denn ich finde es schön, dass so jeder ein bisschen miterleben konnte, was ich erlebt habe. Und ich freue mich immer, wenn ich von Leuten höre, die meine Erfahrungen so über den Blog verfolgt haben. Ich bin mir sicher, dass ich noch viel mehr von der Welt sehen werde und möchte noch viel mehr Kulturen, Leute, Sprachen und Länder kennenlernen.
Vielleicht schreibe ich ja dann mal wieder, aber jetzt bin ich erst einmal zuhause.

¡Ama la vida! – Liebe das Leben! Ecuador 2013/14

Catinka

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Wir Austauschschüler des Kurzzeitaustausches. Ecuador – ama la vida

 

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Catinka Schäfer

Über Catinka Schäfer

Catinka Schäfer (16) geht aufs Gymnasium Schloss Plön. Sie lebt mit Hilfe der Austauschorganisation AFS ein Jahr in Ecuador in der Millionenmetropole Guayaquil – der größten Stadt des Landes mit dem wichtigsten Hafen – bei einer Gastfamilie mit drei Geschwistern. Zu Hause in Plön trifft sie gern Freunde, spielt Volleyball und sitzt am Klavier. Ecuador: „Ein kleines Land ganz groß“, sagt sie: „verschiedene Klimazonen, Lebensfreude und Wärme das ganze Jahr – herrlich!“

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