Farvel und Danke

Dieser Post hier wird der Letzte von mir sein, da mein Auslandsjahr jetzt vorbei ist.
Ungefähr sechs Mal habe ich diesen Blogpost schon angefangen, aber irgendwie habe ich ihn nie fertig bekommen, es übers Herz gebracht den wirklich letzten Post zu schreiben, weil es dann wirklich und endgültig vorbei wäre. Dazu kommt einfach eine unterbewussten Abneigung gegen ein Ende von allem.


Ich bin seit ca. einem Monat wieder zu Hause und war davor noch 5 Tage auf dem YES.
Der letzte Monat in Dänemark ist wie im Flug vergangen. Gerade war ich noch Anfang Juni in Aarhus bei Ronja zu Besuch und dann war auch schon der letzte Abend (der zwar chaotisch, aber doch wundervoll war) in Dänemark gekommen.
Ich hatte den gesamten letzten Monat Læseferie (Lernferien: Bei uns hatten wir vier Prüfungen über diesen Zeitraum verteilt) – und damit quasi frei und konnten meinen letzten Monat genießen.
Das Gefühlschaos in dieser letzten Zeit ist unglaublich. Auf der einen Seite freut man sich auf das Zuhause in Deutschland, auf der anderen Seite will man nicht weg von seinem Zuhause in Dänemark.
Am 26. Juni abends haben sich alle europäischen Austauschschüler in Tommerup (eine kleine Stadt auf Fünen, in der das YFU-Haus steht) getroffen, uns dort von unseren Gastfamilien verabschiedet und dann zusammen unseren letzten Abend in Dänemark gemeinsam verbracht, um am nächsten Morgen in aller Frühe zum YES aufzubrechen. Als wir wenig später die Brücke über den Lillebælt überquert haben und ich die Insel, die ein Jahr mein zu Hause war, verlassen habe, wurde mir und sicher auch den anderen „Fynbo“ ganz anders.
Neun Stunden Busfahrt und einem Zwischenstopp an einer Raststätte – welcher für uns Deutsche der erste richtige Zusammenstoß mit Deutschland, der deutschen Sprache und dem Euro war – später waren wir am Werbellinsee angekommen.
Das YES war ein tolles Erlebnis, besonders schön war es die Leute von der VBT wiederzutreffen und die Nächte waren lang und länger und viel Schlaf haben die wenigsten bekommen, aber schlafen konnte man ja auch noch zu Hause.
Am 1. Juli sind wir dann mit dem Bus Richtung Heimat, in meinem Fall Hamburg, gefahren. Ich glaube, dass dieser einer der merkwürdigsten Momente meines gesamten Jahres war. Der nur zweistündige Schlaf machte sich bemerkbar und ich hätte gerne noch geschlafen, aber die Aufregung war zu groß. Ich hatte das Bedürfnis alleine zu sein, aber gleichzeitig auch mich auszusprechen. Und das Ganze wurde einer riesigen Aufregung überschattet und spätestens als wir in Hamburg waren, war’s um mich geschehen, weil es alles so bekannt war und wir dem ZOB immer näher gekommen sind.
Nachdem ich mir schon seit Monaten Gedanken gemacht hatte, wen ich als erstes umarmen sollte, hatte sich diese Frage auch erledigt, als ich meine Mutter noch vom Bus aus suchend über den ZOB laufen sah. Mit meinem Rucksack mit der angesteckten Fahne auf dem Rücken und meinen Kissen im Arm bin ich als Erste aus dem Bus gerannt und meiner Mutti, von den Kissen etwas behindert, in die Arme gefallen. Und dann kam auch schon der Rest meiner Familie und hat mich begrüßt.
Am Abend sind einige Freundinnen von mir überraschend mit Kuchen, Luftballons und einem Plan zur „Regermanisierung“ vorbeigekommen und in den nächsten zwei Wochen hatte ich, glaube ich, kaum einen ruhigen Tag.
Jetzt einen Monat später ist es alles wie immer, als ob ich nie weggewesen wäre – mal von einigen offensichtlichen Umdekorationen abgesehen: Meine über zwei Meter große Flagge mit Unterschriften hängt an der Wand, die Flaggengirlande hängt am Regal und sogar im Blumentopf im Wohnzimmer steht jetzt eine kleine Flagge.
Ob ich mich verändert habe weiß ich nicht. Einige sagen total, andere wiederum nicht und ich selbst weiß es nicht. Aber man merkt schon, dass ich mich etwas anders entwickelt habe, weil ich öfter mal Sätze beginne mit „In Dänemark ..“ und dann stelle ich Vergleiche auf und wundere mich über Deutschland und die deutsche Kultur.
Ich möchte „Danke“ an meine dänische und meine deutsche Familie, Freunde und YFU sagen, dass es mir überhaupt möglich war diese Erfahrung zu machen und das sie so schön geworden ist.
Farvel og har det godt, Jasmina

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