Merhaba Istanbul!

Nach meiner vierten Woche in Istanbul, muss ich meine diversen Eindrücke erst einmal verarbeiten. In einem Land, in dem es unterschiedlicher nicht hätte sein können.


Mein Apartment, das ich mir mit 4 anderen Studentinnen teile, liegt in Atasehir, einer von den wohlhaberenden Ortsteilen von Istanbul auf der asiatischen Seite. Unterschiede zu den zentralen Stadtteilen, vor allem zu denen auf der europäischen Seite, machen sich dadurch bemerkbar, dass Ausländer hier zu einer besonderen Spezies gehören.

Neugierige Blicke türkischer Eingesessener, die sich, um besser sehen zu können, auch gerne mal aus dem Fenster strecken, gehören hier zum Alltag. Jedoch kann ich mir im Moment keinen Ortsteil vorstellen, der mir besser die Kultur wiederspiegeln kann. Mittlerweile kann ich mir hier keinen Tag mehr ohne den schreienden Obstmann, den spielenden Kindern auf den Straßen, den Straßenhunden als treue Wegbegleiter und den mehrmals täglichen, lauten und zum Beten animierenden türkischen Gesang aus den Moscheen vorstellen.10415688_797834793572742_4088187877585259108_n

Die beste Vorbereitung für den ersten Tag an meiner privaten türkischen Hochschule war nicht, mir einen Collegeblock zu kaufen, sondern mit die vierte Staffel von „Gossip Girl“ anzuschauen, die mir einen ersten Eindruck einer Elite Uni verschaffte. Nach einem kleinen aber dennoch anstrengenden Fußmarsch über zahlreiche Hügel, schaute ich auf den von praller Natur umgebenen Campus mit architektonisch schönen und herausragenden Hochhäusern und Studentinnen in eleganten Kleidern, High Heels und Taschen aus der neuesten Gucci Kollektion. Was mich jedoch vollends begeisterte, war die Vollausstattung eines Swimming Pools, einer Schwimmhalle, einem Tennisplatz und Arzt bis hin zu Supermärkten und Geschäften. Eine moderne und eigene Welt, in der man fast vergisst, wo sie wirklich liegt.

10405253_805073639515524_5912768317239428470_nx

Da ich einen deutschen Studiengang besuche, bestehen die Klassen aus einer Mischung aus deutschen Erasmus-Studenten und Türken. Viele haben deutsche Familienmitglieder und möchten deshalb die Sprache erlernen, andere sehen dies als Möglichkeit, eine zweite Fremdsprache zu erlernen. Während ich meinen türkischen Sitznachbar Ahmet beobachtete, der trotz seiner Schwierigkeit mit der komplett unterschiedlichen und schweren deutschen Sprache eine solche positive Gelassenheit ausstrahlte, merkte ich, wie bewundernd und mutig ich diesen Schritt finde. Zum einen trägt diese kulturelle Mischung zu einer gänzlich anderen und interessanten Atmosphäre als in Deutschland bei. Zum anderen hätte es nicht mehr Spaß machen können, in Fächern wie „Interkulturelles Management“ zusammen mit den türkischen Studenten die kulturellen Unterschiede festzustellen.

Neben dem Kennenlernen der neuen Kultur, werde ich mir jetzt erst der eigenen besonders bewusst. Beispielsweise konnte ich es mir immer noch nicht abgewöhnen, pünktlich zum Unterrichtsbeginn hektisch zum Klassenraum zu laufen, um doch festzustellen, dass der Raum immer noch leer ist.
Die Gelassenheit spiegelt sich auch in den Professoren wieder. Der freundschaftliche und lockere Umgang mit den Studenten trägt nicht nur zu einer tollen Atmosphäre bei, sondern verbessert unweigerlich meine Laune nach jeder Vorlesung. Nach Ende eines Kurses sagte mein türkischer Professor zu mir: „In Deutschland sind alle wie Roboter, alle müssen pünktlich sein und alles muss nach Plan ablaufen. Hier ist alles ganz anders, aber vielleicht auch nicht gut. Jetzt liegt es an euch Erasmus-Studenten, die perfekte Mitte zu finden“, während er schmunzelte und locker den Arm auf meine Schulter legte.

 

Dieser Beitrag wurde am von in Lebensgefühl veröffentlicht. Schlagworte: , , , , , .
Julia Lages

Über Julia Lages

Mein Name ist Julia Lages, ich bin 22 Jahre alt, studiere in Kiel BWL und reise unheimlich gerne. Die Chance auf ein Auslandssemester wollte ich mir auf keinen Fall nehmen lassen. Da ich noch nie zuvor in der Türkei war, ist es zwar ein mutiger Schritt mehrere Monate in Istanbul zu verbringen, allerdings auch umso reizvoller für mich. Ich kann es kaum erwarten, meine Eindrücke mit euch zu teilen. Über Anregungen und Feedbacks zu meinen Einträgen würde ich mich sehr freuen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.