Neues Land, neues Leben in Australien

Australien – mein Ziel für zwei Semester Studium. Kängurus, Sonne, Strand, no worries. Das dachte ich mir, als ich beschloss, meinen Traum vom Ausland wahr zu machen. Das ist jetzt ungefähr ein Jahr her.

Die Planung lief langsam an, es gab so viel, um das man sich kümmern musste, dass ich fast den Überblick verloren habe. Bewerbungen, Anträge, Bewerbungen, Anträge. Flug buchen, Visum besorgen, Unikurse wählen, Unterkunft für die ersten Tage organisieren. Und immer wieder die Suche nach Förderungsmöglichkeiten. Beratungstermine, bei denen man gesagt kriegt, die Chance für ein Vollstipendium wäre so gering, dass man sich lieber schon was Anderes überlegen sollte. Ich habe mich dann hingesetzt und gesagt: Komm schon, auch wenn anscheinend alles gegen dich ist, du schaffst das, weil du es willst. Das ist es wert.

War es auch. Ich habe mich im Endeffekt für drei Stipendien beworben. Die Zusage für die ersten beiden kam schon relativ früh. Zwei Wochen vor der Abreise und einem Vorstellungsgespräch, für das ich extra durch halb Deutschland an einem Tag gefahren war, kam dann das Vollstipendium hereingeflattert. An dem Tag dachte ich mir nur: Jetzt kann dich nichts mehr aufhalten. Abgesehen davon, dass sich meine Geldsorgen innerhalb von ein paar Minuten in Luft aufgelöst hatten, ich hatte auch nicht mehr den Druck, mir im Ausland unbedingt einen Job suchen zu müssen.

Von da an rannte die Zeit nur so an mir vorbei. Ich ging parallel noch zur Uni und hatte meine Professoren überredet, mich die Klausuren zum vierten Semester früher schreiben zu lassen – ich hätte ansonsten die gesamte Prüfungsphase verpasst. Also schrieb ich am Tag vor meinem Abflug, und nachdem ich am Wochenende Abschied gefeiert hatte, noch zwei Klausuren. Stress pur. Glücklicherweise war das Packen keine große Anstrengung, da meine Mitbewohnerin (und beste Freundin) unbedingt wollte, dass ich bei Rückkehr wieder einziehe. So verstaute sich dann alles ganz leicht auf dem Dachboden, und mit vielen helfenden Händen war das überhaupt kein Problem. Ich lache jetzt noch darüber, wie wir um Mitternacht meinen Schreibtisch vier Etagen bis unter das Dach hochbrachten.

Am nächsten Tag hieß es dann: Tschüss Deutschland, hallo Flugzeug. Die Kabine in der Luft und Wartesäle in riesigen internationalen Flughäfen waren dann mein Aufenthaltsort für die nächsten drei Tage. Verspätete Flüge und unvorhergesehene Zwischenfälle sorgten dafür, dass meine Reise ein Albtraum wurde. Genauer gesagt lief es so ab: Erster Flug eine Stunde zu spät in Dubai. Zweiter Flug flog in Dubai eine Stunde zu spät los und kam in Sydney vier Stunden zu spät an. Also Anschluss verpasst. Emirates: Nö, geht uns nichts an, weil seperates Flugticket mit anderer Airline. Andere Airline = Virgin Australia: Okay, wir buchen Sie um über Brisbane, Ausnahme! Flug nach Brisbane: Zweieinhalb Stunden Verspätung. Letzten Anschlussflug nach Townsville also um zehn Minuten verpasst. Tja. Eine Nacht im Motel in Brisbane und am Mittag erst weiter. PLUS: Es ging was aus meinen Gepäck verloren.

Nachdem ich das überstanden hatte, war mein Geduldsfaden eindeutig überspannt. Aber das Gefühl, endlich an dem Ort angekommen zu sein, der das nächste Jahr zum neuen Zuhause werden würde, beruhigte mich wieder, und ich fing an, das Positive zu sehen. Zum Beispiel, dass ich durch den nächtlichen Zwischenstopp in Brisbane den leidlichen Jetlag vermeiden konnte, weil ich dort meine erste Mütze Schlaf schon wunderbar auf australischer Nachtzeit holen konnte, und den wunderschönen Sonnenuntergang über dem Sydney Airport.

Meine ersten Tage in Townsville gingen drunter und drüber. Ständig passierte irgendwas – und Ruhe war ein selten vorkommendes Geschenk. Die Überwältigung von diesem neuen, ungewohnten Land nahm von Tag zu Tag zu. Nehmen wir die Freundlichkeit der Australier, davon können sich manche Deutsche echt noch ein paar Scheiben abschneiden. Aber trotzdem fanden wir Deutsche uns überall, im Hostel zum Beispiel traf ich gleich zu Ankunft ein Mädchen, mit dem ich schon In Deutschland über Facebook Kontakt gehabt hatte.

Die Erleichterung, eine Ansprechperson zu haben, die genau das Gleiche durchlebte wie man selber, war sofort bemerkbar. Die nächsten Stunden wurden auch gleich verplant, wir gingen sofort auf Zimmersuche und fuhren noch zu einer andern Deutschen auf einen Kochabend. Am nächsten Tag besuchten wir den Strand. Es war so warm, dass man fast nicht glauben konnte, dass in Australien zu dieser Jahreszeit noch Winter ist und die Einheimischen es als kalt empfinden, nur 25 Grad Außentemperatur zu haben.

Ich hatte außerdem das unglaubliche Glück, bei meiner ersten Wohnungsbesichtigung gleich ein sehr modernes Zimmer zu einem guten Preis zu bekommen. Die Vermieterin war ebenfalls supernett, alles in allem also ein guter Fang. Ungewohnt ist jedoch, dass hier die Miete jede Woche meistens bar bezahlt wird. An diesem Tag hatte ich auch mein erstes Erlebnis mit einer Aborigine-Frau. Es war leider kein positives. Sie tauchte plötzlich vor dem Hostel auf und fing an, unverständlich rumzuschreien und Theater zu machen. Später fand ich heraus, dass sie generell alle beschimpfte und sagte, dass wir aus dem Land verschwinden sollten.

Nach diesem Schock verging die Zeit etwas angenehmer, wir veranstalteten unser erstes Barbeque, ein absolutes Muss in Australien. Oder soll ich lieber ‚Straya‘ sagen, das ist der Aussie-Slang für die Landesbezeichung. Zusätzlich fing noch die Orientierungswoche an der Uni an, man bekam die Infos nur so um die Ohren geschmissen.

Das offizielle Willkommen im neuen Land war sehr herzlich. Man lernte ununterbrochen Leute aus aller Welt kennen und wurde sofort überall eingeladen. So fügte es sich, dass wir auch schon relativ früh das erste Mal in Downtown feiern waren. Von der Student Association wurden dann noch Ausflüge angeboten. Dadurch besuchte ich das örtliche Aquarium – es hat das größte Korallenriffschaubecken der ganzen Welt und eine Schildkrötenhilfsstation. Der Himmel für alle Meeresbiologen, mich inklusive. Das Billabong Sanctuary war auch unglaublich, dort sah ich dann erstmals die typisch australischen Tiere. Eine Schlange um den Hals zu haben, ein Minikrokodil auf dem Arm zu halten und Kängurus zu füttern, das erlebt man wirklich nicht jeden Tag.

Nebenbei ist der Pool in unserem Garten auch nicht zu verachten, das Urlaubsgefühl kommt immer, wenn man in der heißen Mittagssonne ins kühle Wasser platscht. Ein riesengroßes Shoppingcenter ist auch in der Nähe, ich glaube, das ist extra dafür gebaut, dass man sich darin verlaufen kann. Und im Supermarkt gibt es alles nur in XXL-Größen, das ist wirklich eine Umgewöhung. Mit Problemen kann man jederzeit jemanden fragen, Helfen ist hier eine Selbstverständlichkeit. Und die No-worries-Mentalität der Aussies färbt langsam ab, ich merke, dass ich immer entspannter werde und anfange, das Leben hier zu genießen.  Ich bin sehr froh, hier zu sein und hoffe, es gibt noch einiges mehr zu berichten.

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