Essen in Norwegen: Alles schmeckt weihnachtlich

Die Zeit rennt…nun bin ich seit ziemlich genau drei Wochen hier in Bergen. Und was beschäftigt einen in der Anfangszeit am meisten? Na klar: Wie man über die Runden kommt. Was kann man hier essen und trinken, was essen die Norweger, wo ist der nächste Supermarkt und natürlich das Wichtigste: Was kann man sich leisten? Eine Frage, die man leider nicht außen vor lassen kann.

Grillen bei schönem Wetter

Grillen bei schönem Wetter

Wo man in Deutschland lediglich bei frischem Fleisch oder Fisch oder richtigen Bioprodukten die Preise vergleicht, können einem hier schonmal bei Keksen, Äpfeln oder Scheibenkäse die Tränen kommen. Aber irgendwas ist ja immer. Bei Rema 1000, unserem Supermarkt des Vertrauens direkt neben dem Wohnheim, gibt es fast jede Woche eine andere Obstsorte im Angebot (Klassiker: „Möchtest Du eine Banane?“ – „Nein, danke, ich habe selber noch drei, die auch weg müssen. Möchtest DU eine Banane?“ – „Nein, danke…“ usw.) und wenn man sich wie jeder andere Student auch von Nudeln mit Pesto oder wahlweise einfach nur Nudeln ernährt, kommt man sich gar nicht mehr so fremd vor.

Als Deutscher muss man sich allerdings an die Milchprodukte gewöhnen. Nicht, dass es keine gibt, oh nein. Hier ein wahres Überangebot: Milch in etlichen verschieden Abstufungen des Fettgehalts (0,1 % Fett – das kann man doch nicht mehr Milch nennen!), Sahne, Rahm, Kefir, Joghurt, Butter uvm. – aber kein Quark, keine Vollmilch. Bei dem Versuch, die billigste Butter zu ergattern, greifen wir aus Versehen daneben und kaufen Prim, einen süßen Schmelzkäse ähnlich der norwegischen Spezialität brunost (zu deutsch, brauner Käse‘), den norwegische Kinder anscheinend lieben. Wir halten ihn der Verpackung wegen für Margarine – das Wort ost, ‚Käse‘, ist auf der Verpackung nirgends zu finden, weshalb ich mich nur ein bisschen schäme, unseren Irrtum nicht erkannt zu haben. Naja mit Banane drauf zum Frühstück ist er ganz ok. Auch ein Produkt namens kulturmelk, das ich kaufe, weil ich es für 3,5-%ige Vollmilch halte, entpuppt sich als eher saurer Joghurt – also ein Fehlkauf. Gut, nun weiß ich das auch.

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Einweggrills und andere Überbleibsel

Aber was essen eigentlich die Norweger? Wenn man bedenkt, über wie viele kleine Unterschiede ich mich gerade beschwert habe, befinde ich mich doch in einem westeuropäisch geprägtem Land mit Essgewohnheiten, die sich von den unseren nicht wesentlich unterschieden. Es gibt viel Brot, viel Obst und Gemüse, Nudeln und Tiefkühlpizza und vor allem Fisch.

Essen in Tuben

In vielen Supermärkten gibt es Kühltruhen mit Krabben zum Selbstabfüllen und fangfrischem Fisch. Als Tourist kann man sich auf dem fisketorget – dem Fischmarkt – für 30 € einen Teller frischgefangenes Meeresallerlei gönnen. Muss man aber nicht. Es gibt Kaviar in Tuben, Streichkäse in allen Geschmacksrichtungen in Tuben, natürlich auch Remoulade und Senf in Tuben (Zitat französischer Mitbewohner: „Evrising is on tübe“). Es gibt verhältnismäßig wenig Fleisch, dafür aber Elch. Karamellkäse (wie bereits erwähnt: brunost. Gibt’s auch in verschiedenen Süßeabstufungen) und köstliche Zimtschnecken finden sich häufiger.

Sowieso ist in allem, was auch nur annähernd süß ist, irgendwie Zimt drin. Alles schmeckt immer ein bisschen weihnachtlich. Vielleicht wegen des Wetters. Achja, das Wetter. Sobald in Bergen einmal die Sonne scheint, greifen die Städter zu ihren schalenförmigen Einweggrills, Würstchen und wahlweise Hot Dog- oder Hamburgerbrötchen und machen sich auf in den Park. Hier kann man sich vor lauter Menschengruppen nicht mehr bewegen, aber das macht gar nichts, weil alle des guten Wetters wegen auch gute Laune haben und jeder weiß, dass es morgen schon wieder wie aus Eimern gießen könnte.

Kaum ein Norweger besitzt einen der in Deutschland so beliebten kleinen Kugelgrills und bringt nebst Grill auch Kohle Anzünder und aufwendiges Grillgut mit. Nein, das lohnt sich hier einfach nicht. Fertige Aluschalen mit einer Schicht Kohle reichen aus, um ein paar Würstchen und Burger zu bräunen. Sie können postwendend in dem dafür vorgesehenen Gitterkorb im Park entsorgt werden.

Frühstück bei IKEA

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Frühstück bei Ikea

Zum Schluss bleibt mir noch, meine bisher beste, wenn auch nicht sehr norwegische kulinarische Erfahrung mit Euch zu teilen: Frühstück bei Ikea. Für nur 39 norwegische Kronen (etwa 4,30 €) kann man sich hier tagtäglich am All-you-can-eat-Frühstücksbuffet gütlich tun und von Omelette und Würstchen über Brötchen bis hin zu frischen Zimtschnecken alles genießen, was einem schmeckt. Der Traum eines jeden ansonsten sehr Portemonnaie-bewusst lebenden Austauschstudenten. Was man nicht schafft, kann man ja mitnehmen und zu Mittag essen. Achnee… Zur Mittagszeit ist man noch zu satt vom Frühstück. Also Zimtschnecken zum Abendbrot. Immerhin mal was anderes als Nudeln mit Pesto!

Ein Gedanke zu „Essen in Norwegen: Alles schmeckt weihnachtlich

  1. Elke og Matias

    Herlig – hva vi lo :-)) Und mit ähnlichen Problemen wie wir sie hatten in unserer ersten norwegischen Zeit. H-melk (Hel- eller i Bergen Heilmelk) ist Vollmilch. Wir dachten in der ersten Zeit, es wäre H-Milch (holdbar, wie in Deutschland halt… 😉 Und Quark gibt es seit einigen Jahren auch, heißt in Norwegen Kesam und schmeckt nicht schlecht. Ja, Kulturmelk ist mehr Buttermilch oder sogar eher fast Sauermilch. Es gibt wunderbare Milchprodukte in Norwegen, aber oft leider sehr süß. Vielleicht kommt das Kind in uns durch, aber Prim fanden wir immer herrlich, vor allem eingerollt in potetlabber. Margarine ist Brelett, aber du mußt aufpassen: ist oft salzig, gibt es aber auch ungesalzen. Unser Tip: Versuch mal Rømmegrøt oder Gamalost. Unsere ersten Versuche sind in der Mülltonne gelandet, danach wars nur noch superlecker! Viel Spaß in Nordnorwegen und guten Appetit weiterhin in Noreg von Elke und Matias, die gerade Heimweh nach Norwegen bekommen… Wir freuen uns, wieder von dir zu lesen 🙂
    PS: skillingsboller er nydelig, men skoleboller er best 😀

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