Wie man sich so einlebt

So – jetzt bin ich also schon anderthalb Monate in Australien. Die Zeit vergeht wie im Sturm. An der James-Cook-University belege ich momentan drei Kurse. Klingt garnicht so viel, oder? Tja, Pustekuchen. Gefühlt alle zwei Wochen muss man hier Leistungsnachweise erbringen, in Form von Tests wie den Midterm-Exams oder, noch beliebter, Assignments zu Kursthemen. Da muss man schon mal locker in einer Woche dreitausend Wörter für einen Essay schreiben, natürlich alles mit Referenzen. Willkommen in der Welt der Bachelorarbeit!

Die Arbeit, die ich hier in die Uni lege, hat Positives und Negatives. Einerseits habe ich das Gefühl, hier viel besser auf die Forschungswelt vorbereitet zu werden, andererseits hat sich mein Leben in den letzten Tagen in die Unibibliothek verlagert. Trotzdem erlebt man hier immer noch einiges! In der ersten Uniwoche ist bei uns Mädels eine Mandelentzündung rumgegangen, die so schlimm wurde, dass ich sogar ins Krankenhaus musste. Aber mit Antibiotika geht wieder alles seinen Gang. Auf dem Rückweg an der Bushaltestelle habe ich dann eine supernette, alte Dame getroffen, die auf Magnetic Island lebt, das ist eine Insel direkt vor der Stadt, die ich unbedingt noch besuchen muss. Tipps von Einheimischen sind auf jeden Fall Gold wert!

Der Strom an interessanten Leuten reißt nie ab. Häufig lernt man Gruppen beim Feiern in Downtown kennen – erst neulich habe ich festgestellt, dass wir anscheinend zum Ende der Nacht immer in einem bestimmten Club landen. Oder man schließt sich Personen in den Kursen an, das ist hilfreich, wenn man Fragen rund um die Uni hat. Da ist bezüglich Nationalitäten auch alles bunt gemischt – ich glaube, ich kenne inzwischen mehr Norweger als Australier! Und immer wieder passiert einem auch was Merkwürdiges: Eines Morgens bin ich zur Bushaltestelle gegangen und mir wurden von einem Aussie halb vertrocknete Blumen angeboten. Die waren wahrscheinlich gerade um die Ecke kostenlos verschenkt worden und er wollte sie wohl loswerden. Ich musste dann aber in den Bus.

Überlebenstipps von Soldaten

Da Townsville eine Army-Base ist, begegnet man hier ziemlich oft Soldaten auf Freigang. Das kann ganz lustig werden. Neulich bin ich mit einem ins Gespräch gekommen und habe allerlei Wildnis-Überlebenstipps bekommen. Zum Beispiel, wie man sich einer aggressiven Schlange gegenüber verhalten soll oder wenn man im Outback übernachtet, man um Himmels Willen nicht die Erde aufwühlen soll, sonst kommt das ganze giftige Getier hochgekrochen.

Ein paar Worte zur Mobilität hier kann ich auch noch sagen – ich bin heilfroh, dass ich endlich wieder ein funktionsfähiges Fahrrad habe. Mein erstes hatte ich von meiner Vermieterin gekriegt. Das wurde allerdings schon eine Woche später geklaut, direkt vor der Shopping-Mall bei uns um die Ecke. Über Gumtree, das ist eine australische Internetplattform zum Verkaufen von allem Möglichen, habe ich mir dann gleich am nächsten Tag ein neues gekauft. Die Gangschaltung hat nicht richtig funktioniert und dann ist auch noch das Schaltkabel vorne am Lenker gebrochen. Aber der Fahhradservice von der Uni hat gottseidank alles wieder hinbekommen. Die Busse sind eine Katastrophe. Wenn man von der Uni in die Stadt oder zurück möchte, klappt alles gut, aber sobald man nach außerhalb fährt, sollte man sich besser nicht auf die Busse verlassen.

Warm ist einem hier so ziemlich immer – ich habe noch keinen einzigen Regenguss miterlebt. Nur ab und zu einmal ein paar Tropfen. Dementsprechend vertrocknet sieht auch das Gras aus, wenn es nicht gewässert wird. Jedenfalls bin ich sehr froh, eine Klimaanlage und einen Deckenventilator zu haben. Der Pool ist auch immer für eine Abkühlung gut (und für Partys!).

Und Vorsicht bei Hunden! Viele Hausbesitzer haben welche und besonders nachts wird hier gut aufgepasst – man erschreckt sich dann doch ziemlich, wenn plötzlich neben einem ein ausgewachsener Kampfhund am Zaun hochspringt und wie wild anfängt zu bellen. Vor allem, weil das dann von den anderen Hunden weitergetragen wird. Ich wage aber zu behaupten, dass ich inzwischen daran gewöhnt bin.

Kleinigkeiten, die sich von Deutschland unterscheiden, bemerkt man auch ab und zu. Zum Beispiel wird in den meisten Vierteln eine Nachbarschaftswache gebildet. Ist vielleicht auch nötig, wenn man bedenkt, dass hier die Häuser nie abgeschlossen werden. Lieber wird im ganzen Haus das Licht angelassen. Am Anfang war das schon unheimlich, meine Zimmertür schließe ich immer ab. Neulich wurde bei Freundinnen nachts eingebrochen – es ist aber nichts Schlimmes passiert, weil der Mitbewohner wach war und die Eindringlinge verscheucht hat. Ganz schön krass.

Ich habe jetzt bestimmt einiges ausgelassen – aber wenn mir die Tage wieder was einfällt, was ich erzählen sollte, melde ich mich. Bis dahin – See ya!

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