Raus aus Bergen, rein nach Norwegen: ein Reisebericht

Ein nasser Herbst und ein noch nasserer Winter stehen in Norwegens zweitgrößter Stad bevort. Da heißt es: schnell nochmal raus und im Spätsommer/Frühherbst so viel vom Land zu sehen bekommen wie möglich. Insgesamt hat es mich in den vergangenen Wochen an drei verschiedene Orte verschlagen: den Lysefjord in der südlicher gelegen Stavangerregion, die Lofoten und Trondheim im Norden. Seht Euch vor: dies wird ein langer Eintrag.

Die Reisen zu organisieren bzw. jemanden zu finden, der Lust hat, mit einem auf Reisen zu gehen, ist in einem Wohnheim voller ausländischer Studenten, die etwas von dem Land sehen wollen, in dem sie leben, gar kein Problem. Tatsächlich war ich in den wenigsten Fällen selbst die treibende Kraft, sondern habe mich anderen angeschlossen. So auf jeden Fall auf dem ersten Trip nach Stavanger, der das erst Septemberwochenende stattgefunden hat.

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Blick von oben auf den Peikestolen. Foto: Andrew J. Bosworth

Mit zehn Leuten in zwei gemieteten Autos ging es am Freitag Nachmittag los über die Bergstraßen Richtung Süden, um zwei von Norwegens beliebstesten Touristenzielen zu besichtigen: Kjeragbolten und Preikestolen, zwei eindrucksvolle Naturattraktionen am Lysefjord. Wer schonmal einen norwegischen Reiseführer in der Hand hatte, hat beide schon gesehen. Dementsprechend überlaufen sind beide Ziele allerdings auch. Daher unser Plan: Spät am Abend vorher ankommen, im Dunkeln und Regen Zelt aufbauen, frieren, wenig schlafen, morgens um sechs aufstehen und vor allen anderen oben sein, um die Schönheit der Natur ohne Selfiesticks und hüpfende Profilbildjäger genießen zu können. Vor allem das mit dem Frieren und wenig Schlafen hat gut geklappt. Dennoch haben wir es einigermaßen früh nach oben geschafft und konnten einiges an eindrucksvoller Natur genießen. Und ein bisschen hüpfen musste der ein oder andere von uns irgendwie auch. Scheinen diese Orte so an sich zu haben.

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Ein perfekter Abend auf den Lofoten. Foto: Niklas Schaaf

Von wesentlich mehr Norwegen und Abenteuer kann man bei meiner zweiten Reise sprechen: zehn Tage Lofoten. Mehr als 1000 km nach Norden. Ende September mit dem Fahrrad. Kurzerhand schließe ich mich einem Freund an, der die Reise zwei Tage vor mir gebucht hat. Von Bergen geht es mit vollbepackten Satteltaschen mit dem Zug zunächst nach Oslo, dann weiter nach Trondheim und schließlich nach Bodø, von wo aus uns eine Fähre nach Stamsund auf den Inseln bringt. Die Anreise hat uns über einen Tag gekostet und die erste Nacht verbringen wir im strömenden Regen auf dem Vorplatz einer Kirche, da wir im Dunkeln angekommen sind, aber schon als wir am nächsten Morgen aus dem Zelt kriechen, wissen wir, dass es sich gelohnt hat! Vor uns liegt eine Woche nördlich des Polarkreises, es hat aufgehört zu regnen und die Schönheit der Inselgruppe zeichnet sich am Horizont ab.

Wir radeln los. Zunächst ein bisschen Richtung Norden. Einen festen Plan haben wir nicht, nur ein-zwei Orte, die wir gerne sehen wollen. Und wir sehen. Wir sehen wunderschöne schroffe Berge, die sich aus dem Meer erheben. Südseeblaue Strände, Surfer, auenlandgrüne Hänge und schneebedeckte Gipfel. Im Schnitt fahren wir 40 km am Tag. Der Rest besteht aus Angeln, Wandern und Lagerfeuer machen und Nordlichter gucken. Einfach traumhaft! Nach der Hälfte der Zeit besuchen wir eine Gruppe Hamburger Studenten, die wir auf der Fähre kennengelernt haben, in ihrem Ferienhaus und genießen Gesellschaft und Zivilisation. Heiße Dusche, heißer Tee, Spieleabend. Vielen Dank an dieser Stelle für die wunderbare Gastfreundschaft! Danach geht es zurück auf die Straße und ins Zelt. Insgesamt fahren wir um die 200 km auf unserer Reise. Kein Meter davon ist verschwendet (von ein bis zwei nicht fahrradgeeigneten Tunnels mal abgesehen) und auch wenn wir am Ende erschöpft sind und eine Pause brauchen könnten, wollen wir doch nicht so richtig wieder weg. Aber hilft ja nichts, irgendwann muss man ja auch mal wieder in die Uni.

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Hier ist noch alles gut. Bis auf das Wetter halt.

Das heißt natürlich aber nicht, dass man nicht schnell nochmal für ein Wochenende nach Trondheim fahren könnte. Bisher kenne ich von der Stadt ja nur den Bahnhof. Bei Nacht. Eigentlich bin ich hier mit zwei Freunden aus Deutschland, von denen eine ihr Auslandsjahr in der Stadt verbracht hat, zu einer norwegischen Hüttentour verabredet, aber es kommt alles ein bisschen anders als geplant. Woran das liegt? Am Wetter natürlich! Als wir uns auf den Weg machen, gießt es wie aus Kübeln und dazu stürmt es ungeheuerlich. Davon lassen wir uns zunächst nicht abschrecken und wagen uns in Regenzeug und mit vollbepackten Rucksäcken ins Moor. Der Weg ist nicht leicht, aber zu finden. Erst, als wir an einem reißenden Strom stehen, der laut Karte ein einfach zu überquerendes Bächlein sein sollte, dämmert uns der Ernst der Lage. Zur Hütte müsste man ja auch mit einem kleinen Bötchen übersetzen. Ob das wohl noch da ist? Und ob wir wohl, falls wir es über den „Bach“ schaffen, im Boot mit der Strömung aufnehmen können? Eher nicht.

Wir machen kehrt und erkennen spätestens am Auto, dass diese Entscheidung die einzig richtige war. Die Straße steht zu so großen Teilen unter Wasser, dass wir bis zur Hüfte baden gehen müssen, um den befahrbaren Teil zu erreichen. Zurück also in die Stadt. Noch eine Nacht in die Jugendherberge. Der nächste Tag ist wettertechnisch ähnlich angesagt. Wir setzen uns in Bibliotheken und Kafés und genießen die gemütliche Seite Trondheims. Wenigstens können wir mit unseren Fotos die Hüttenverwaltung davor bewahren, mehr Wanderer hinauf zu schicken. Der letzte Tag gibt dann wenigstens noch eine Tagestour in der Bymarka her, die wir entspannt angehen. Es kommt sogar ein bisschen die Sonne heraus. Ende gut, alles gut.

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Kvalvik. Foto: Niklas Schaaf

Am Ende ist auch dieser Eintrag. Fast. Abschließend bleibt mir zu sagen, dass ich noch an keinem schöneren Ort gewesen bin als in Kvalvik auf den Lofoten, dass aber egal wo man in diesem Land hinkommt, einem immer erst einmal die Kinnlade herunterfällt angesichts der puren Natur. Das in Norwegen geltende Allmansrett (Jedermansrecht) verbietet es, gewerblichen Nutzen aus der Natur zu ziehen. Sprich: man kann und darf nahezu überall zelten, ohne, dass es etwas kostet, was einen Urlaub um einiges erschwinglicher macht. Wer nicht viel braucht, findet hier also ein wahres Eldorado! Das nur am Rande…

Wer sich übrigens fragt, ob ich nicht auch mal zur Uni muss, wird noch ein bisschen warten müssen, aber es sei schonmal verraten: Einer der nächsten Blogeinträge wird sich wohl um das Studieren drehen. Bis dahin genießt die Fotos 🙂

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