On the road – das Backpackerleben Downunder

Während das Semester an der Uni langsam für mich zur Gewöhnung wurde, konnten endlich mal ein paar Ausflüge geplant werden. Wenn ich keine Aufsätze schreiben musste, war das Wochenende frei zur Verfügung und außerdem war da noch der ‚lecture recess‘, eine Art Studienpause zur Halbzeit des Semesters, eine ganze Woche frei.

Zum ersten Mal los, um Australien zu erforschen. Es ging dann über ein Wochenende zu den Whitsundays. Das ist eine Inselgruppe vor Airlie Beach, einer Kleinstadt ein paar Stunden südlich von Townsville. Hin kommt man als Backpacker ohne Auto am besten mit Buslinien, die kreuz und quer durch Australien fahren. Ich bin mit Greyhound gefahren.

Dort hatten wir schon ein Hostel reserviert, allerdings mussten wir sehr lange beim Einchecken warten, weil die Rezeption total überfüllt war. Unser Gruppenschlafraum hatte acht Betten, und wir waren sieben Mädels. Trotzdem hatten wir uns nicht für uns alleine, es war noch ein Mann drin. Er machte ziemlich große Augen als wir alle nach und nach ins Zimmer kamen! Später fanden wir heraus, dass er auch reiste und seit ein paar Monaten in Airlie Beach gestrandet war und als Koch arbeitete.

Nach dem Einrichten im Hostel war es auch schon spät, wir kochten noch was und gingen dann ins Bett. Wobei wir dann merkten, dass wir in einem ziemlichen Partyhostel gelandet waren. Der Club und die Outdoorbar waren sehr laut und ich würde jedem empfehlen, der einen empfindlichen Schlaf hat, immer Ohropax mitzunehmen. Ich war jedenfalls sehr froh über meine.
Am nächsten Morgen standen wir früh auf, denn wir hatten eine eintägige Tour zu den Whitsundays gebucht. Um sieben ging die Fähre los und wir fuhren über Hamilton Island zum Whitehaven Beach. Der ist übrigens laut Hörensagen der schönste Strand Australiens und auch unter den Top Zehn Stränden weltweit. Und war einer der Drehorte für Fluch der Karibik! Es war dort wirklich traumhaft schön. Weißer Pulversand und klares, türkisgrünes Wasser. Außer uns ankerten dort noch einige millionenschwere Yachten, wie man sie um die Inselgruppe herum häufig sieht.

Mittags ging es mit einem Schlauchboot weiter zu einer kleineren Insel, wo wir am Strand schnorchelten. Ein Korallenriff war in vielleicht zwei Metern unter der Wasseroberfläche zu bestaunen. Die Farbenvielfalt der Fische und Korallen war unglaublich. Getrübt wurde das Ganze nur dadurch, dass meine Actionkamera den Geist aufgab. Danach fuhren wir weiter und machten einen kleinen Bushwalk hoch zu einigen Aussichtspunkten. Von dort oben sahen das Wasser und die dazwischen liegenden Sandbänke so strahlend türkisgrün und weiß aus, dass man es fast nicht glauben konnte – fast wie Zahnpastastreifen. Hier wurde natürlich fleißig fotografiert.

Auf dem Rückweg zeigte uns unser Guide noch das teuerste Klohaus der Welt. Angeblich hatte der Bau wegen der Lage im Naturschutzgebiet und mitten im Wald eine Million Dollar gekostet. Bis heute weiß ich nicht, ob ich ihm das wirklich glauben soll.
Nach erneutem kurzem Zwischenstopp am Whitehaven Beach und einem erfrischenden Bad im Ozean ging es dann zurück. Dem Sonnenschein zollten wir alle Tribut – niemand kam ohne Sonnenbrand davon. Gott sei Dank gibt es Aloe Vera. Am nächsten Tag teilten wir uns auf, einige wollten Skydiven, wir andere buchten eine Paddeltour. Letzteres wurde leider abgesagt, sodass wir nur kurz durch den Ort bummelten und uns etwas am öffentlichen Pool sonnten. Der Ort bot leider nicht sonderlich viel – Airlie Beach ist leider wirklich nur das Drehkreuz für Backpacker zu den Whitsundays.
Der nächste Trip war dann wirklich ein ‚Roadtrip‘ im eigentlichen Sinne. Ein Freund hatte kürzlich ein Auto gekauft, das wir nutzen konnten. Zusätzlich mieteten wir uns noch eins. Mit einer großen bunten Truppe ging es dann hoch nach Mission Beach, wo wir eine Nacht blieben. Mission Beach ist eine Ansammlung von vier Dörfern entlang der Küste und sehr ruhig. Berühmt ist es für seine Kasuare, eine bedrohte Vogelart, die nah mit Dinosauriern verwandt ist. Wir sahen aber leider keinen. Dafür machten wir einen Trail durch den Regenwald und gingen ein bisschen an den Strand. Der ist übrigens der Landepunkt für Skydiver – die landeten direkt vor uns. Mission Beach soll einer der schönsten Spots in Australien zum Skydiven sein.

Der nächste Tag brachte uns nach Cairns, der Touristenhochburg Queenslands. Hier kann man sehr gut seinen Tauchschein machen und einfach so zum Great Barrier Reef rausfahren, die ganze Stadt lebt vom Tourismus. Der Daintree Rainforest ist auch sehr berühmt, wir besuchten einen Teil davon, Mossman Gorge, und liefen dort durch den Regenwald. Das war ein sehr schönes Erlebnis – es ist da drin sehr ruhig und friedlich und die Luft ist sehr klar. Die Bäume sind super hoch! Deshalb kam auch nur wenig Licht durch die Baumkrone.

Zum Cape Tribulation schafften wir es wegen Benzinmangels an dem Tag leider nicht mehr. Die anderen fuhren während unseres Aufenthaltes in Cairns nach in die Tablelands, ich hingegen wollte unbedingt Bungee-Jumping ausprobieren. Ich wurde vom Hostel abgeholt und zu der Location gebracht.

Der Tower, von dem man springt, ist 50 Meter hoch und hat einen schönen Blick über die ganze Stadt. Ich sprang gleich zweimal – einmal den Anfängersprung und dann noch einmal ganz speziell mit Anlauf vom Dach. Adrenalinrausch pur. Ich würde das immer wieder wiederholen wollen – wenn das Ganze nur nicht so teuer wäre. Allerdings ist es nichts für jeden, viele zögern vor dem Sprung und müssen überredet werden. Einige Asiaten vor mir waren als Gruppe dort, bei einer war die Angst extrem. Sie brach regelrecht in einen Heulkrampf aus, da war nichts mehr zu machen. Wieder in der Stadt gönnte ich mir dann eine wohltuende chinesische Massage auf den Night Markets. Später fuhren wir nach Port Douglas und am nächsten Tag wieder nach Cairns. Dann ging es auch schon wieder zurück nach Townsville.
Einige Wochen darauf buchte ich mit dem Tauchclub meiner Uni einen Tauchtrip übers Wochenende zum Great Barrier Reef. Ich werde leicht seekrank, von daher musste ich mir vorher Tabletten holen. Ich fing schon am Abend vorher an, welche zu nehmen, und musste auf dem Boot teilweise stündlich welche einschmeißen. Der Seegang war schon sehr hoch. Ich machte auf dem Boot mit drei anderen Mädels meinen Advanced Open Water Diver Kurs. Wir machten spezielle Thementauchgänge am Loadstone und Keeper Reef.

Meine spektakulärste Entdeckung war ein Bullrochen, aber das absolut gefährlichste war, als wir in eine Riffhöhle hineintauchten und den kleinen Tunnel hinausnehmen mussten. Der Sand war schon relativ aufgewühlt, deshalb sah man wenig, und ich blieb mittendrin stecken. Ich bekam fast einen Herzinfarkt – denn auch mein Regulator hatte sich verfangen und ich war also kurz davor, meine Sauerstoffzufuhr zu verlieren. Mit ein bisschen Ellenbogenaktion kam ich aber wieder frei und wurde mit einem wunderschönen Blick in einen Fischschwarm am Tunnelausgang belohnt. Eigentlich wollten wir auch noch an einem Wrack tauchen, der SS Yongala, aber der Wellengang war zu hoch, deshalb mussten wir das abblasen. Das hole ich aber noch nach, denn die SS Yongala gehört zu einem der schönste Wracks weltweit und man sollte die Gelegenheit, dort zu tauchen, nicht verpassen.

Mein erster Bootstrip mit Übernachtung war also mit Höhen und Tiefen verbunden. Das Einschlafen war eine echte Herausforderung – das Schaukeln schlug total auf den Magen. Alles in allem aber eine super Erfahrung – vom Tauchen kann ich gar nicht genug haben.
Magnetic Island besuchte ich vor kurzem auch noch mal mit zwei Freundinnen aus Deutschland. Ist immer einen Besuch wert, die ‚Hausinsel‘ von Townsville ist gut mit der Fähre zu erreichen und die Buchten und vor allem der Forts Trail sind landschaftlich absolut der Hammer. Auf dem Forts Trail, der ungefähr zwei Stunden dauert, hat man zwischendurch atemberaubende Aussichtspunkte und beinahe garantierte Koalabegegnungen. Dort sahen wir eine Mutter mit Baby und, unser persönliches Highlight, einen schlafenden Koala direkt neben dem Weg in einer Astgabel. Er war so nah, dass wir ihn streicheln konnten. Das Fell ist unglaublich weich.
Das Rumreisen werde ich so schnell nicht aufgeben – es macht einfach viel zu viel Spaß. Da das Semester jetzt vorbei ist und alle Prüfungen geschrieben, geht es Ende der Woche mit einem Campervan die Ostküste runter bis nach Sydney und dann zwei Monate nach Neuseeland.
Meine Vorfreude steigt – nicht nur auf Whalewatching, Sightseeing und Skydiven, auch darauf, dass man unweigerlich so viele interessante, neue Leute trifft. Es wird einfach nicht langweilig!

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