Schottland: Aller Anfang ist…

… gar nicht so schwer. Zumindest kann ich es mir nur so erklären, dass nun schon die Hälfte meines Aufenthaltees um ist, seit ich hier in Schottland angekommen bin. Anfang dieses Jahres habe ich relativ spontan beschlossen, dass meine fixe Idee eines Auslandsaufenthaltes nun doch etwas Handfestes werden sollte. Und nun bin ich schon längst mittendrin.

Dabei kommen mir zwei Gedanken in den Sinn: Bald kann ich wieder zurück in die Sicherheit meines gewohnten Umfeldes. Jeder Tag hier ist anstrengend, weil alles neu ist und es immer etwas zu entdecken gibt. Einfach zu wissen, woran man ist, ist manchmal auch ganz schön. Außerdem fängt man nun doch an, Familie und Freunde zu vermissen. Zum Beispiel zwischen den Vorlesungen oder abends, wenn man dieser Tage dann tatsächlich doch mal Zuhause bleibt. Immer wenn man freie Zeit hat eben.

Der zweite Gedanke ist das Bewusstsein, wie wenig Zeit man doch eigentlich hier hat. Zwei Monate sind schon rum, das heißt nur noch zwei weitere Monate bis alles wieder „normal“ ist. Das momentane Leben hier ist so überhaupt nicht mit dem von Zuhause zu vergleichen. Man ist irgendwie freier, hat gleichzeitig weniger und mehr Verantwortung, ist immer auf Achse und demensprechend aber auch gefordert. Zu Hause lese ich gerne und viel, hier bin ich seit der ersten Woche nicht mehr dazu gekommen.

Außer dem relevanten Material für die Vorlesungen natürlich, davon gibt es nämlich nicht zu knapp in dem einen oder anderen Modul. Aber da man die Kurse selber wählen kann, ist zumindest jedes Fach interessant. Wenn es nach der ersten Vorlesung aber heißt: „Sie können jetzt mit Ihren Essays anfangen“, wird man doch etwas nervös.

Dann sind da noch die ganzen Unterlagen für den Austausch. Formulare ohne Ende, gefühlt schreibt man mindestens fünf E-Mails am Tag an irgendwelche Verantwortlichen, weil man irgendein Formular braucht, das dann bitte schnellstmöglich an den nächsten Verantwortlichen gehen soll. Aber wenn man bedenkt, was es einem ermöglicht, nimmt man das gerne in Kauf. Denn jetzt sehen wir unsere Möglichkeiten, wir erleben sie jeden Tag und sie sind so zahlreich, dass sie die Formulare hundertprozentig aufwiegen. Also an alle, die sich gerade bewerben, oder darüber nachdenken: Nicht aufgeben, irgendwann ist wirklich alles ausgefüllt! (Hoffe ich…)

Das Motto „nicht aufgeben“ gilt hier auch für das Wetter. Wir hatten riesiges Glück bisher. Es ist mild, manchmal sogar warm und von Regen war bisher noch nicht so allzu viel zu sehen. Das macht uns Angst. Wir haben das Gefühl, dass es uns nicht auf das vorbereitet, was in den nächsten Monaten kommen wird, dass wir uns falsche Hoffnungen auf Sommer, Sonne, Sonnenschien machen. Und dann kam der erste Tagesausflug. Es ging nach „Luss“ eine winzig kleine Stadt direkt am „Loch Lomond“. Einem der vielen „Lochs“ hier, um unseren Tour-Guide zu zitieren: Im Endeffekt ist es egal was genau es ist, hier heißt alles „Loch“. Und natürlich hat es geregnet. Die ganze Zeit kam es nicht drauf an und als wir stundenlang durchs Freie rennen regnet es. In Strömen. Waagerecht. Gut, dass man das von Deutschland gar nicht anders gewohnt ist, da fühlt man sich doch gleich ein bisschen heimischer!

Das kleine Städtchen „Luss“ im strömenden Regen. Irgendeinen Grund für die Blumenpracht muss es ja geben…

Das kleine Städtchen „Luss“ im strömenden Regen. Irgendeinen Grund für die Blumenpracht muss es ja geben…/The small town „Luss“ in the pouring rain. There must be some reason for those beautiful flowers after all…

Was allerdings nicht ganz so gewohnt, aber überaus positiv ist, sind die Leute. Alle sind so hilfsbereit und freundlich, dass man sich manchmal schon fragt, ob man irgendwie… bedürftig aussieht. Aber in neun von zehn Fällen tun wir das wohl auch, einfach hoffnungslos verloren und irritiert. Vor ein paar Tagen standen wir in der U-Bahn und wussten nicht, in welche Richtung wir fahren müssen. Unsere Deutsch-Spanische Gruppe ist wild am Argumentieren, wir sind spät dran und laut Display kommt die U-Bahn in einer Minute.

Nicht genug Zeit, um auf freies Wi-Fi in Reichweite zu hoffen. Da spricht uns ein junger Mann an, wohl ungefähr unser Alter, dem Akzent nach ganz eindeutig aus Glasgow. Er fragt uns, wo wir hin müssen. Mit Händen und Füßen, alle durcheinander, sagt jeder etwas anderes, dass unser Ziel beschreibt. Der junge Mann erklärt uns lachend in welche Richtung wir müssen, und wie wir beim nächsten Mal selber herausfinden können, wo es denn hingehen muss. Heilfroh steigen wir ein und werden gleich vom nächsten Erlebnis eingenommen: Die erste U-Bahn Fahrt…

 

English Version

 

Every beginning is…

… not as hard as thought. At least that might be a reason, that already one month passed since I came to Scotland. At the beginning of this year, I decided quite spontaneously, that my idea of a semester abroad should now become something sturdy. And now I am already right in the middle of it.

When I think about that, there are two thoughts in my mind: Soon I can go back in the security of my usual environment. Each day here is exhausting, because everything is new and there is always something to explore. Simply knowing where you stand can sometimes be quite nice. Besides, one slowly starts missing family and friends. For example between the lectures or in the evening, if one actually stays home these days. Just always when you have free time. The second thought is knowing how little time we have here. One month is already gone, which means there are only three more left until everything is back to “normal”. The life here is barely comparable with the one from home. You are more free, it is at the same time more and less responsibility, you are always on the move and accordingly challenged. At home I love reading a lot, here I did not have time for it since the first week. Except for the relevant material for the lectures, of course, because there is plenty of that for some modules. But since you could chose the courses, at least every module is interesting. But if after the lecture they say: “You could start with your essays today”, you will get nervous after all.

Then there are all the documents you need for the exchange. Numerous forms, at least five emails per day to responsible persons, because you need a document, which should be passed to the next responsible person as soon as possible. But if you think about what all these things offer to you in the end, you will take it with pleasure. And now we can see our possibilities even better, we experience them every day and they are so numerous, that they make up for the documents. So to everyone, who is applying at the moment, or is thinking about it: Do not give up, someday everything is filled in! (At least that is what I still hope for…)

The motto “don’t give up” is also applicable to the weather here. We have been so lucky until now. It is mild, sometimes even warm und we did not have a lot of rain until now. That is scaring us. We have the feeling, that it is not preparing us for what is coming in the next months, that we will have false hopes in summer, sun and sunshine. And then we had our first day trip. We went to “Luss”, a really small village at the “Loch Lomond”. One of many “Loch’s” here. And of course it was raining. The whole time it did not matter and when we had to walk through the nature for hours, it was raining. Heavily. Horizontally. Great that we at least are used to that from Germany, almost feeling like home here.

What did not feel like home, but in a positive way, are the people. Everyone is so friendly and helpful that sometimes you might ask yourself if you look like you are in need. However, I guess in nine out of ten situations we do so, just appearing lost and irritated. A few days ago, we were waiting in the subway, not knowing which direction we had to take. Our German-Spanish group was arguing, we were running late and the display announced the subway for the next minute. Not enough time to hope for free Wi-Fi nearby. Then we are approached by a young guy, approximately our age, according to his accent clearly from Glasgow. He asks where we have to go. With gestures, everyone at the same time, everyone saying a different thing, we try to describe our destination. The young man laughs and tells us which direction we have to go and how we can figure it out on our own the next time. Relieved we get into the subway and are taken with the next situation: The first ride in the Glaswegian subway…

2 Gedanken zu „Schottland: Aller Anfang ist…

  1. Axel

    You’re really good at writing in English, I wish I could understand the German version 🙂
    Paperwork is really a mess ! But as you mentioned that 200% worth it ! And you can feel lucky, you don’t have to have a visa (this is worse than everything :D).
    Keep writing, that’s really great ! /thumbs up/

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