Rückblick und Sirdal Huskyfarm: alles mal anders

Mal wieder ist seit meinem letzten Eintrag viel Zeit vergangen und dementsprechend viel passiert, über das ich nicht berichtet habe. Mein Semester in Bergen ist mittlerweile zuende gegangen – mein Aufenthalt in Norwegen sollte jedoch noch etwas andauern.

Das hatte ich mir schon vor einiger Zeit überlegt, als mir klar wurde, dass ich drei Monate nichts zu tun haben würde, wenn ich schon Ende Dezember nach Deutschland zurükkehren sollte, da die Semesterzeiten ja verschoben sind und das Sommersemester in Deutschland erst im April beginnt. Ich wollte also einen Monat dranhängen und fragte deshalb auf einer Huskyfarm im südnorwegischen Sirdal an, ob meine Hilfe gebraucht würde (dazu muss man sagen, dass der Kontakt zur Farm schon vorher bestand). Da im Januar dort die Hauptsaison beginnt, wurde mein Angebot dankbar angenommen und ich konnte mich auf einen weiteren Monat in Norwegen freuen.

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Picknickplatz mit super Aussicht: Holmenkollen

Doch zunächst ein kleiner Rückblick: Die Prüfungsphase in Bergen habe ich überlebt und tatsächlich alle meine Prüfungen bestanden (woran ich zumindest bei einer nicht wirklich geglaubt hatte), sodass ich ab Mitte Dezember meine letzten Wochen in der Stadt in Freizeit genießen konnte. Für die meisten meiner Freunde waren es die letzten Tage in Bergen. Die allermeisten sind natürlich vor Weihnachten abgereist, um die Feiertage mit ihren Familien verbringen zu können. Deshalb musste noch einmal viel unternommen werden und so schloss ich mich zwei Freunden zu einem Wochenendetrip nach Oslo an. Die Hauptstadt muss man natürlich auch einmal gesehen haben. In Oslo war das erste Mal richtig Winterwetter angesagt. Bei Minusgraden und wolkenlosem Himmel haben wir versucht, möglichst viel auf eigene Faust zu erkunden und haben neben dem Besuch des Wikingermuseums auf der Skisprungschanze (Holmenkollen) hauptsächlich lange Spaziergänge unternommen; immer ausgerüstet mit einer Thermoskanne Tee und reichlich Butterbroten.

Im Wohnheim herrschte derweil eine eher melancholische Stimmung. Immer mehr Zimmer standen leer und in den Fluren hallte es ganz unangenehm. Zum Glück war ich nicht ganz alleine: Außer mir blieben vor allem Studenten aus ferneren Teilen der Welt, für die die Heimreise über Weihnachten schlicht zu teuer war oder keine Bedeutung hatte. Trotz all der Melancholie und Nostalgie war mein Weihnachtsfest noch einmal ein keines Highlight: zusammen mit zwei Australierinnen und zwei Niederländern haben wir in Hallingskeid (einer Hochebene in der Nähe von Bergen) eine kleine Hütte gemietet, was uns über die Feiertage in ein wirkliches Winterwonderland versetzte. Hallingskeid liegt in 1200 m Höhe und war von mindestens einem halben Meter Schnee bedeckt. In der Hütte gab es einen Gasherd und einen kleinen Ofen, sodass wir es uns richtig gemütlich machen konnten, wenn wir nicht gerade mit Schlitten fahren oder Iglu bauen beschäftigt waren. Einzig der Weg zum Toilettenhäuschen war beschwerlich: Man musste ihn jedes Mal aufs Neue freigraben.

Unsere kleine Hütte in Hallingskeid

Unsere kleine Hütte in Hallingskeid

Kurz vor Silvester bin ich dann aus Bergen ab- und im Sirdal angereist. Die Fahrt hat fast 12 Stunden gedauert und während die Transportmittel immer kleiner wurden, wurde mein Gepäck gefühlt immer schwerer. Zeug für ein halbes Jahr in einen Koffer und zwei kleinere Taschen zu bekommen, ist gar nicht so einfach – zumal das im Laufe des Jahres auch eher mehr als weniger wird.

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Die Farm

Das Sirdal selbst ist eine sehr ländliche Gegend mit nur knapp 2000 Einwohnern insgesamt. Die Leute hier leben vom Tourismus, der Landwirtschaft oder der Arbeit in den zahlreichen Wasserkraftwerken (das Sirdal ist eine der wasserreichsten Gegenden Norwegens). Auf der Huskyfarm werden Hundeschlittentouren und andere Outdooraktivitäten für Touristen angeboten. Mit mir wohnen hier neben dem Farmbesitzer und seiner Familie (die mich im übrigen sehr herzlich empfangen haben) noch der sog. Doghandler und 42 Alaskan Huskies, außerdem drei Pferde und ein paar Schafe.

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Terje und ich erkunden die Schneebedingungen

Was genau meine Aufgabe sein soll – jaaa, darüber hatte hier auch noch keiner so genau nachgedacht (alle sehen das hier eher entspannt) und deshalb mache ich hauptsächlich das, was mir Spaß macht und halte mich im Hundegarten auf. Ich gehe dem Doghandler Lukas beim Füttern und Rauslassen der Tiere zur Hand, helfe in der Küche, wenn Gäste kommen und mache Besorgungen. Immer das, was gerade ansteht, halt. Für meine Arbeit erhalte ich zwar kein Geld, kann aber umsonst hier wohnen und werde mitversorgt, was ich für einen guten Deal halte. Normalerweise ist um diese Jahreszeit mehr los auf der Farm, aber das Wetter mag dieses Jahr nicht mitspielen und beschert uns statt Schnee nur eisige Temperaturen im Wechsel mit viel zu milden, sodass der erhoffte Schnee lange ausbleibt. Das ist schlecht fürs Geschäft und damit auch schlecht für die Hunde, da sie wenig Auslauf und wenig Training bekommen. Selbst oben in den Bergen gibt es nur wenige Orte, an denen es Gelände und Schneeverhältnisse hergeben, kurze Touren zu fahren, was wir so viel wie möglich ausnutzen.

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Endlich Schnee!

Hundeschlittenfahren ist ein wunderbares Erlebnis. In unserem Fall werden sechs Hunde vor einen Schlitten gespannt – die kräftigen nach hinten, die cleveren nach vorne – und auf eine vom Schneescooter präparierte Loipe gesetzt. Sie sind darauf trainiert, den Spuren des Scooters zu folgen. Hinten auf dem Schlitten steht der sog. Musher und kontrolliert Geschwindigkeit und gegebenfalls die Richtung (falls mehrer Spuren im Schnee verlaufen, kann es schonmal zu Verwirrung kommen). Außerdem hilft er den Hunden beim Ziehen, indem er bei schwierigen Passagen mit anschiebt oder Schwung holt. Bei guten Schneeverhältnissen lassen sich so weite Teile des Fjells erkunden. In unseren Fall war es leider „nur“ auf Wegen und zugefrorenen Seen möglich, zu fahren, da die Schneedecke nicht dick genug war, um die Fahrt querfeldein zu wagen.

Der richtige Schnee kam dann natürlich erst, als meine Zeit im Sirdal schon wieder vorbei war und ich längst auf der Fähre nach Dänemark saß, weswegen eines schonmal sicher ist: Das war auf jeden Fall nicht mein letzter Besuch auf der Farm!

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