Als Souvenir einen Sonnenbrand

Semester zuende! Juchhu! Endlich waren die Klausuren vorbei und man musste sich keine Gedanken mehr über Noten, Abgabedaten und Verpflichtungen machen. Gleich nach der letzten Klausur kam das Gefühl von Freiheit auf – und von Schadenfreude, denn die meisten meiner Freunde mussten noch länger die Bank drücken als ich.

Meine letzte Woche in Townsville verging mit Faulenzen, im Pool schwimmen, lesen und relaxen. Am Freitag kam dann endlich der große Tag – ich hatte mit drei Freunden einen Campervan gemietet und wir konnten ihn in Cairns abholen fahren. Angekommen staunten wir nicht schlecht – das gute Gefährt war dreieinhalb Meter hoch, bestimmt sieben Meter lang, und echt luxuriös ausgestattet – wir hatten Küche, Fernseher, Kühlschrank und allerhand anderes Zeug mit drin, was den ganzen Trip echt komfortabel machen würde.

Das Grinsen in unseren Gesichtern behielten wir den ganzen Tag – die Vorfreude, dass wir uns am nächsten Tag auf den Weg die Ostküste runter machen würden, war uns sehr deutlich anzusehen! Es ging dann auch morgens los – nach den allerletzten Verabschiedungen wurden alle eingesammelt und wir fuhren auf dem Bruce Highway Richtung Süden. Der geht fast die gesamte Ostküste runter bis Sydney.

Unser erster Stopp führte uns zu einem Holiday Park in Airlie Beach, bei den Whitsundays. In Australien darf man leider nicht frei campen, das ist gesetzlich verboten und wird bei Zuwiderhandeln wohl mit Geldstrafen geahndet. Ich war hier schon einmal gewesen – aber meine Mitfahrer noch nicht, deshalb buchten wir noch am selben Tag eine Rundfahrt mit der Fähre über die beliebtesten Spots dort. Wir hatten leider nicht so viel Sonne wie beim letzten Mal – aber trotzdem war es wieder wunderschön. Wir waren schnorchelten und sahen unglaublich viele Rifffische – einige davon fast einen Meter lang.

Am Tag darauf buchten wir noch einen Kajaktrip – das hat auch super Spaß gemacht, war aber echt anstrengend. Wir bekamen Zweierkajaks – der Trick ist, unterwegs den Mann die meiste Arbeit machen zu lassen!
Nächste Station waren die Capricorn Caves in der Nähe von Rockhampton. Die Akustik in den Höhlen ist unglaublich – einmal im Jahr werden dort auch Opern aufgeführt. Ein paar kleine Fledermäuse flogen gelegentlich über uns hinweg – Microbats heißen sie in Englisch. Und das Lustigste war, wie der Guide uns erzählte, der ganze Boden bestand aus Guano – Fledermausausscheidungen! Hatte sich über Jahrhunderte hinweg angesammelt.
Das nächste Highlight war Fraser Island – wir mieteten uns für zwei Tagen einen Jeep und setzten gleich mit der Fähre über. Auf der Insel darf man nur mit 4WD fahren, weil sie komplett aus Sand ist. Der Hauptverkehrsweg ist also der Strand. Dort gelten ganz normale Straßenregeln und man wird auch mal von der Polizei angehalten.

Zelten am Strand, unberührte Seen, mit Teebaumöl getränkt, Frischwasserquellen, ein Schiffswrack und unglaubliche Aussichten am Strand – Fraser Island hat wirklich alles was man sich wünschen kann. Viel zu schnell mussten wir wieder weg – als Souvenir einen Sonnenbrand.
Die nächsten Tage fuhren wir durch Brisbane, Byron Bay und South West Rocks. Zur Abwechslung mal Großstadt! Aber auch das erste Surfen bleibt im Gedächtnis – vor allem, wenn man einfach unglaublich tollpatschig Mal um Mal vom Brett fällt. Getaucht wurde auch – das erste Mal mit Haien. Ein unbeschreibliches Erlebnis. Wir kamen bis auf zwei Meter heran. Auch meine erste Meeresschildkröte sah ich.
Unsere letzten Tage im Camper verbrachten wir in den Blue Mountains in der Nähe von Sydney. Wandern den ganzen Tag. Aber man wird immer mit wunderschönen Ausblicken belohnt. Auch unser Wetterglück verließ uns nicht.
Dann hieß es eine Woche Sydney für mich. Den Camper musste wir gleich abgeben und es hieß wieder: Hallo Hostelbett! Das Feuerwerk am Darling Harbour kann ich nur empfehlen! Man fühlt förmlich, wie diese Stadt vor Leben nur so vibriert. Im Laufe der Woche gingen wir jedoch alle unterschiedliche Wege. Die anderen reisten ab, während ich nach Neuseeland weiterfahren würde.

Ich hatte online einen Travelmate gefunden, ein Mädchen aus Deutschland, und wir sahen uns das erste Mal am Tag vor dem Flug.
Acht Wochen Neuseeland – der Himmel! Wir starteten in Auckland (unbedingt den Sky Tower besuchen!), wo wir bereits ein Auto gemietet hatten, ließen eine Menge Geld für Campingequipment springen und los gings Richtung Norden. An den Linksverkehr muss man sich allerdings erstmal gewöhnen…
Beinahe sofort stellte sich ein wunderbares Gefühl von Freiheit ein. Wir wachten morgens im Zelt auf, immer an einem anderen Ort, und wussten oft nicht, wo wir am Abend sein würden. Das klingt zwar ungewiss, war aber fast das Schönste. So ungebunden zu sein ist einfach toll. Wir konnten frei Schnauze entscheiden wo wir hinwollten.

Trotzdem nahmen wir auf dem Weg alles an Erfahrungen mit was wir kriegen konnten. Ob historische Bildung bei den Waitangi Treaty Grounds oder entspannende Bäder in thermischen Pools (die ziemlich nach Schwefel stanken und meinen weißen Bikini ergrauen ließen), es war alles dabei.

Man konnte unsere Abenteuerlust als verrückt bezeichnen. So fühlten wir uns auch meist. Zum Beispiel, morgens direkt nach dem Aufwachen im eiskalten Bach neben dem Zelt die Haare zu waschen, weil weit und breit keine Zivilisation war. Und weil man es eben konnte.
Jetzt aber konkrete Tipps: die Nordspitze der Nordinsel, Cape Reinga, ist superschön. Auch die lange Anfahrt lohnt sich. Dort schwebt Magie in der Luft – Himmel und Wasser verschmelzen am Horizont. Am Ninety Mile Beach konnten wir dann ganz spontan bei einem Besucher Quad fahren ausprobieren. Sehr spaßig! Der Waipoua Forest in der Gegend ist einen Abstecher wert – dort stehen die ältesten Kauribäume Neuseelands. Klettern kam auch dran – meist in der Form vom Berge hochwandern. Im Nachhinein schüttle ich manchmal den Kopf, dass wir auch bei den krassesten Steigungen ohne jegliche Sicherung unterwegs waren.
Hobbiton ist vermutlich vielen bekannt – ich kann nur sagen, es ist niedlich hergerichtet, aber die Tickets sind komplett überteuert. Das Caving lohnte sich hingegen. Auch ein Besuch in den verschiedenen Kiwihouses ist spannend. Kiwis sind nachtaktiv und vom Aussterben bedroht – damit die Gäste auch etwas zu sehen bekommen, ist bei Tieren in Gefangenschaft Tag auf Nacht umgestellt.
Und dann kam Weihnachten in Taupo – sehr weihnachtlich war es aber nicht. Ohne die Eiseskälte und Familie fühlt es sich nicht richtig an. Nächster Stopp war dann Rotorua, vor allem bekannt für die Maori-Villages, wo man einen traditionellen Abend erleben kann. Das Ziplining dort war auch sehr cool. Aber die Gänse verstehen keinen Spaß – einmal auf der Straße, bewegen sie sich kein Stück.
Irgendwo an der Küste konnte man immer anhalten und schwimmen gehen – oft war keine Menschenseele weit und breit in Sicht. Silvester verbrachten wir in Wellington – es gab ein echt gutes Freiluftkonzert am Hafen. Wir gönnten uns dort ein Hostel. Fühlte sich merkwürdig an – ich hatte mich inzwischen an das Zelt gewöhnt. Kurz darauf setzten wir auf der Interislander Fähre auf die Südinsel über. Unsere erste Nacht drüben war die Vollkatastrophe.

Strömender Regen machte es unmöglich zu kochen, aber wir schafften es doch irgendwie. Dabei fanden wir unfreiwillig heraus, dass Regen in den Kochplatten zu spektakulären Stichflammen führte… Die Landschaft versöhnte uns aber etwas. Die Rawhiti Cave und der Abel-Tasman-Nationalpark sind wunderschön. Genau wie der Nelson-Lakes-Nationalpark. Den Aufstieg zu Mount Robert sollte man auf jeden Fall gemacht haben!
Die nächste Nacht bescherte uns unfreiwillige Heiterkeit. Ein Sturm sorgte dafür, dass uns eine Zeltstange zerbrach und ich um vier Uhr morgens die zeltwände abstützen musste, damit die Wände nicht auf uns drauffielen. Janet, meine Mitreisende, bekam bei dem Anblick einen hysterischen Lachanfall. Die Woche darauf verbrachten wir in Franz Josef, ein Ort nahe dem gleichnamigen Gletscher. Wir hofften auf gutes Wetter für einen Heliflug oder Skydive. Die Wettergötter verließen uns jedoch, sodass wir unweigerlich weiterfahren mussten.

Ewig wollten wir nicht warten. Wanaka war unser nächstes Ziel. Ich nahm meine erste Flugstunde und vergnügte mich beim Jetboaten im Mount Aspiring Nationalpark. Queenstown war ebenfalls nicht ohne – unser Adrenalinlevel kam gar nicht mehr runter! Bungee Jumping und Rafting stand dort auf dem Programm. Milford Sound ist ein Must-do! Die Landschaft rief wieder das Gefühl von Magie in der Luft hervor, der Nebel verstärkte das mystische.

Danach fuhren wir durch die Catlins, das ist das südliche Ende der Südinsel. Seelöwen findet man hier überall. Das absolut Beste war, dass in Curio Bay plötzlich eine Delfinschule auftauchte und wir mit ihnen schwimmen konnten. Dunedin wurde ebenfalls besucht – mein persönliches Highlight war das Royal Albatross Center. Dort brütet gerade die einzige festlandsansässige Kolonie. Wir sahen sogar ein Küken! Das windige Wetter trug dazu bei, dass wir diese majestätischen Vögel auch beim Fliegen bestaunen konnten. Und ich verfiel in die typische Biologenbegeisterung, sehr zur Belustigung von Janet.
Der Mount-Cook-Nationalpark wurde als nächstes angefahren. Wir blieben zwei Tage und machten den Hooker Valley Track (super Swingbridges!) und den Mueller Hut Track, an dessen Ende wir einen unglaublichen Ausblick auf die Gletscherkette vor Mount Cook hatten. Das krachende Eis und sogar eine herabstürzenden Lawine in der Ferne machten das ganze Erlebnis zu etwas echt Besonderem.
Tipp: Seid ihr in Christchurch, fahrt auf die Banks-Peninsula. Das ist eine Halbinsel dort in der Nähe. Ziemlich kurvige Straßen, aber wenigstens asphaltiert. Die ellenlangen Schotterstraßen sind das Einzige, was ich an diesem Land nicht vermissen werde. Schöne Buchten und eine niedliche kleine Stadt namens Akaroa. Arthur’s Pass ist auch schön – wir besuchten dort die Limestone Formations (wunderbar zum Verstecken spielen) und den Cave Stream, einen unterirdischen Fluss, den man hochwandern kann. Sehr abenteuerlich.wir beide in wenigen Tagen von Christchurch aus zurück nach Australien. Christchurch ist leider durch die Erdbebenserie 2010 vollig zerstört, aber die Locals sind sehr freundlich.
Ich glaube, ich habe in diesen Semesterferien überproportional oft die Worte „Wow“ und „Wunderschön“ benutzt. Vollkommen gerechtfertigt. Ich vermisse jetzt schon das Reiseleben.

2 Gedanken zu „Als Souvenir einen Sonnenbrand

  1. Salty61

    Der Urlaub hört sich sehr teuer an! Monster-Camper, Mietwagen, Rafting, Heli-Flug, Fallschirmspringen und und und…

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    1. Nadine Ofiera Beitragsautor

      Die Kostenfrage hat sich dadurch gelöst, dass alles geteilt wurde und der Heli-Flug und das Fallschirmspringen wegen schlechtem Wetter gar nicht zustande gekommen sind. Außerdem gibt es sehr günstige Mietwagenagenturen – wenn man lange im Voraus bucht, kann man sehr günstige Preise rausschlagen.

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