Farvel Norge…wieder zurück in Kiel

Irgendwann musste es ja so kommen: Das Ende meines Auslandssemesters war erreicht. Von Bergen habe ich mich zwar schon im Dezember verabschiedet, aber der Abschied von Norwegen stand noch bevor.

Mittlerweile bin ich seit etwa einem Monat wieder zu Hause und stelle fest: Viel verändert hat sich eigentlich nicht. Dieselbe Wohnung, dieselben Leute, derselbe Job wie früher. Natürlich habe ich mich riesig gefreut, meinen Freund, Familie und Freunde wiederzusehen und wieder zu meiner Handballmannschaft zurückzukehren, aber ein merkwürdiges Gefühl ist es irgendwie schon.

Es ist ein wenig so, als wäre man von einer Welt in eine andere katapultiert worden und wieder zurück. Die beiden Leben haben so wenig miteinander zu tun, dass es einem absurd vorkommt. Auf Facebook hört man sporadisch von seinen neuen Freunden, sowie man vorher von den alten gehört hat. Oder auch nicht.

Beim Blick zurück frage ich mich, was mir wohl am meisten Fehlen wird? Das Land, die Leute, die Stadt? Ein bisschen von allem, denke ich. Schon jetzt vermisse ich die Tatsache, dass immer etwas passiert und dieses Feriengefühl, das man trotz allem hat. Ich vermisse die Möglichkeit, im Wohnheim einfach nach nebenan oder ein Stockwerk tiefer zu gehen, wenn mal Langeweile aufkommt, man eine super Idee fürs nächste Wochenende hat oder mal eine Pause braucht. Gesellige Abende, die sich ohne viel Hin und Her ergeben. Ich vermisse es, dass die wirklich freie Natur nur einen Katzensprung entfernt ist und man jederzeit raus kann. Außerdem die Möglichkeit, sein Zelt einfach überall aufschlagen zu können. Mir fehlen Reisen, die Schroffheit und Schönheit der norwegischen Natur und das Abenteuer, was damit verbunden zu sein scheint, und ja: ich vermisse die Berge (und den Ausblick!). Sie machen, dass man irgendwie Lust auf den seit Kindertagen verhassten Sonntagsspaziergang bekommt.

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Das bergenser Umland. Foto: Anna Plum

Aber es gibt auch Dinge, die mir sicher nicht fehlen werden. Sich ein Klo mit sieben Leuten teilen zu müssen zum Beispiel. Kleinere Küchenstreitereien und die Suche nach verschwundenen Küchengeräten und genügend Tellern. Beschwerde-E-Mails und Skype-Dates. Unvorhersehbaren Regen, wenn man sich gerade aufs Rad geschwungen hat und Regenhosen. Einkaufen, Geldnot und ständiges Herumgerechne. Sperrstunde. Insgesamt wohl eher Kleinigkeiten, die auf keinen Fall die positiven Erinnerungen trüben können, die einem aber helfen, erinnerungstechnisch auf dem Teppich zu bleiben.

Und nun? Der Blick nach vorn ist ernüchternd. Mein letztes Semester an der Uni Kiel kommt auf mich zu – ach ja, und die Masterarbeit natürlich. Da ich tatsächlich alle meine Kurse aus Norwegen anerkannt bekomme, werde ich mich damit vielleicht schon etwas eher befassen können, als gedacht. Gruselige Vorstellung.

Das Semester in Norwegen hat keinesfalls dazu beigetragen, dass ich mich nun erwachsener bzw. der Welt gewachsener fühle – obwohl dieser Zustand langsam mal wünschenswert wäre…nicht, dass es mich gar nicht weiter gebracht hätte. Gerade der Monat auf der Huskyfarm hat mich doch darin bestärkt, das Richtige studiert zu haben und auf jeden Fall in dem Bereich arbeiten zu wollen. Nicht ausgeschlossen also, dass ich zurückkomme, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Doch was ich eigentlich erwartet hatte – nämlich, dass ich nach diesem Semester wissen würde, wo ich mal landen will und wie genau mein Leben mal aussehen soll – ist nicht eingetreten. Ich habe Lust, mehr zu reisen und die Kontakte zu nutzen, die ich durch mein Semester in Norwegen gewonnen habe. Ist aber auch keine schlechte Sache, wenn ihr mich fragt!

Letztens habe ich eine Menge Fotos entwickeln lassen, um sie Freunden und Verwandten zeigen zu können und dachte beim Ansehen der Bilder so: Das war schon eine ziemlich gute Zeit! Könnte man wiederholen. In diesem Sinne heißt es dann wohl auf jeden Fall: Tschüss Bergen und auf WIEDERSEHEN, Norwegen!

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Ein Ausblick, der mir fehlen wird. Foto: Corinna Hoops

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