Abschiede zur Halbzeit

Schon fast Halbzeit an der Station! Die letzten drei Wochen sind unglaublich schnell vergangen! Eine meiner beiden Mitbewohnerinnen ist leider schon gefahren, die andere fährt in zwei Wochen. Die Studentengruppen, die immer mal kommen bleiben meistens nur zehn Tage. Man muss sich hier also ständig von Leuten verabschieden.

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Meine beiden Mitbewohnerinnen Sabine und Isabelle.

Aber zum Glück gibt es noch die Leute, die in La Gamba wohnen und nicht weggehen. Es gibt im Dorf eine Bar, die ab und zu mal offen hat. Wenn das so ist, kommt der Besitzer in die Station und sagt Bescheid. Meistens sind nur die Gruppen, die gerade an der Station sind und ein paar Menschen von hier dort. Doch letzte Woche hatte jemand aus La Gamba Geburtstag und so war das ganze Dorf in der Bar versammelt. Es wurde Karaoke gesungen, viel getanzt und aus Kokosnüssen getrunken. In der Nacht sind wir zu einer Dschungelschaukel im Wald gelaufen. Die war so weit oben in den Bäumen befestigt, dass es so aussah als käme sie aus dem Himmel. Man konnte also ziemlich hoch schaukeln!

Am Tag versorge ich hier weiter die Tiere und arbeite im Garten. Inzwischen habe ich mein eigenes Beet angefangen mit Paprika, Gurke, rotem Basilikum, Wassermelone, Zuccini und Rucola. Wahrscheinlich bekomme ich nicht mehr mit wie es sich entwickelt, aber hoffentlich die Anfänge, sonst habe ich irgendwas falsch gemacht.

An den Wochenenden muss ich vormittags auch arbeiten, weil alle anderen Gärtner frei haben und ich so zumindest die Pflanzen gießen und die Tiere füttern muss. Am ersten Wochenende half mir Sabine. Das Ganze verlief erstmal ein bisschen chaotisch. Zuerst habe ich die kleinen Küken gefüttert und dann den Stall offen gelassen, was wir immer gemacht haben, weil die normalerweise nie rausgehen. Als ich nach einiger Zeit wiederkam stand der Hund vor dem Stall und der Stall selber war leer. Ihr könnt euch denken, was ich mir im ersten Moment gedacht habe. Als ich mich dann umsah entdeckte ich alle vier ein paar Meter entfernt unter einem Baum. Anscheinend haben sie gerade an dem Tag das erste Mal entdeckt, dass es auch eine Welt außerhalb des Stalls gibt. Sabine und ich schafften es dann klatschenderweise alle wieder zurückzuscheuchen. Das nächste Tier, was mir entwischte war das Schwein. Ich dachte mir kurz bevor ich gehe fülle ich nochmal das Wasser auf. Doch mit Wasser kann man Schweine nicht locken, wie ich feststellen musste. Da vor dem Stall noch Katzenfutter lag, was ich zuvor für die Katze dort hingelegt hatte, rannte das Schwein in dem Moment in dem ich die Tür öffnete an mir vorbei.

Kleine Küken scheuchen ging vielleicht, aber wie sollte ich jetzt das Schwein wieder einfangen? Ich nahm den Eimer, in dem ich normalerweise immer das Essen für das Schwein transportierte und tat so als ob ich etwas in die Futterschale schüttete. Da kam es tatsächlich angerannt und als es da war, rannte ich zurück in Richtung Gatter. Doch das Schwein folgte mir schon wieder und ich konnte im letzten Moment das Tor zumachen. Nach den beiden Schreckmomenten war ich beim Füttern der Hühner besonders vorsichtig und ließ Sabine ein bisschen Futter ans andere Ende des Stalls kippen, um sie vom Eingang wegzulocken. Hier ging dann auch alles gut!

Danach fuhren Isabelle, Sabine und ich mit Fahrrädern zu Wasserfällen, die eigentlich eine natürliche Therme darstellen. Es gab dort ein größeres Becken mit kristallklarem Wasser, indem man ein bisschen schwimmen konnte, das Sportbecken. Von dort konnte man einen Felsen hochklettern und kam zum 3m-Sprungturm in ein tieferes Becken, was eine Stufe über dem Sportbecken lag.

Hier brauchte es allerdings einiges an Überwindung, da das tiefe Becken nicht sehr groß war, man also gut treffen musste. Kletterte man dann noch ein Stück weiter hoch kam man zum Entspannungsbecken mit klarem, ruhigen Wasser und noch eine Stufe weiter kam der Whirlpool, indem man sich vom herunterstürzendem Wasser massieren lassen konnte. Das Wasser war im Gegensatz zum Meerwasser sogar kühl und zum Aufwärmen konnte man sich dann auf eines der glattgeschliffenen Felsen legen.

Um die „Wasserfalltherme“ herum ist schönster Regenwald und wenn man feste Schuhe dabei hat, kann man von oben immer weiter am Fluss entlanglaufen. Die Wasserfälle gehören einem alten Tico, der ab und zu mal in die Station kommt und uns was auf seiner Gitarre vorspielt und dazu singt. Ein Amerikaner bot ihm zwei Millionen Dollar an, wenn er ihm das Grundstück verkauft, doch er verneinte. Zum Glück!

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Die Wasserfalltherme

Vor ein paar Tagen war noch eine Gruppe aus Marburg hier, die eine Exkursion durch Costa Rica machen und als eine Station die Tropenstation La Gamba hatten. Der Stationsleiter fragte mich, ob ich nicht Lust hätte mit der Gruppe die Mangroventour mitzumachen. Ich sagte natürlich sofort ja und begleitete die Gruppe. Das war ein toller Tag!

Wir starteten gegen halb neun in Golfito mit dem Boot und fuhren etwa eine Stunde an der aus Regenwald bestehenden Küste entlang. Das sieht wirklich so beeindruckend aus und ich habe ständig versucht das mit der Kamera festzuhalten, aber das ist einfach nicht möglich. Dann kamen wir zur Flußmündung und der Bootsführer sagte, hier sollten wir auf Delfine achten. Und tatsächlich tauchte kurze Zeit später immer mal wieder einer auf. Auf dem Boot fuhren fünf Chihuahuas mit, die sich immer wieder neugierig über das Wasser beugten und während wir alle die Delfine bestaunten ging einer davon über Bord. Als wir das bemerkten und anhielten waren wir schon ein paar Meter weiter und der kleine Hund paddelte so schnell er konnte zurück zum Boot. Als er ankam war er völlig erschöpft und musste sich erstmal von dem Schock erholen.

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Der Fluss mit Mangroven links und rechts

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El cocodrilo

Dann ging es in den Fluss und gleich zu Beginn entdeckten wir ein riesiges Krokodil, was schnell ins Wasser floh als wir näher kamen. Hier fingen dann auch die Mangroven an. Mir sind Magroven schon so viel im Studium begegnet und jetzt konnte ich sie das erste Mal richtig vor mir. Wir fuhren in den Flussarmen weiter und links und rechts erstreckten sich Mangrovenwälder. Das sah wirklich toll aus! Viele bunte Vögel, Reptilien und Krebse konnte man entdecken.

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An einer Stelle hielten wir dann an und einige sprangen in den Fluss und lieferte sich eine Schlammschlacht. Auch wenn ich große Lust gehabt hätte, war mir das nicht ganz geheuer, nachdem wir das große Krokodil gesehen hatten und blieb lieber im sicheren Boot. Mittags hielten wir an einem wunderschönen Strand an, badeten dort und aßen Mittag bevor es dann mit dem Boot zurück Richtung Golfito ging. Auf dem Rückweg machten wir dann noch einen Umweg an ein paar Inseln vorbei. An einer Stelle entdeckten wir dann noch einen Affen im Baum. Das war dann sogar schon das zweite Mal, dass ich hier Affen gesehen habe. Das mal davor besuchte uns eine Gruppe von fünf-sechs Kapuzineräffchen in der Station. Die fand ich sehr viel niedlicher als den Affen. Der guckt so grimmig!

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Gegen halb sechs kamen wir dann zurück in die Station, ich natürlich mit einem bösen Sonnenbrand, obwohl ich mich mit 50+ eingecremt habe. Typisch!

4 Gedanken zu „Abschiede zur Halbzeit

  1. Martin

    Hallo Marieke, das sieht ja wunderschön aus . Aber bei dem Anblick von el crocodilo wäre mir schon ein bisschen mulmig .
    Bis bald und lass dich nicht fressen! Martin

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  2. Angelika Laengner

    Tolle Zeit für dich, das Erlebnis kann dir keiner mehr nehmen! Unsere Reise geht an M.’s Geburtstag los, freue mich auch schon! ….und …. Eine tolle zweite Runde!
    O+O

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