Über die Zeit (und ihre Beziehung zu Erasmus)

Erasmus gibt dir eine Menge Dinge. Liebe, Freunde, Zufriedenheit, Tränen, Stärke und Schwäche. Der Mut, jede Möglichkeit wahrzunehmen und die Angst, sich total verloren und orientierungslos zu fühlen. Das Einzige, was du nicht hast in Erasmus? Zeit.

2016.05.11 (6)

Ein halbes Jahr, ein Jahr, es wird niemals genug sein. Viel zu schnell realisierst du, dass dir die Zeit davonläuft. Du fängst an festzustellen, was du noch alles machen wolltest. Dass du nicht genug Zeit hast, um alles davon zu machen. Es lässt dich erkennen, wie wertvoll die Zeit ist und andererseits – wie wenig sie manchmal bedeutet. Du kannst Freunde fürs Leben in einem Tag gewinnen und verlierst alles in der Sekunde, in der du im Flugzeug nach Hause sitzt. Und in derselben Sekunde bist du reicher, als du es jemals in deinem Leben gewesen bist. Allerdings nicht geldtechnisch…

Die Zeit bekommt viele Dimensionen. Sie ist gegen dich, wenn sie abläuft und dich jedem einzelnen Abschied näherbringt, den du schaffen musst. Und es ist das Einzige, dass dich durchhalten lässt, wenn du wieder zu Hause bist, denn du weißt sie wird den Schmerz lindern. Sie bringt dich näher daran, wieder ok zu sein; all die tollen Menschen wiederzusehen. Aber während Erasmus fliegt sie und zu Hause wird sie erstmal kriechen. Und doch auch wieder schnell vergehen. Du wolltest nie zuvor so sehr an etwas festhalten, dass du verloren hast, und du hast niemals so sehr den Drang verspürt weiter zu machen, irgendetwas zu machen.

Erasmus ist wie eine Trennung. Aber nicht mit einer Person, sondern mit einem ganzen Leben. Du erkennst deine Leute in Fremden wieder, du hörst die Sprache überall, die Bilder und Erinnerungen sind überall. Du packst deinen Koffer aus, dein Handgepäck, deinen Rucksack, die erste Box, die du nach Hause geschickt hast, die Zweite. Du tauschst deine Karten im Portemonnaie aus, nimmst all die Aktionskarten der Bars raus, des Waschsalons, siehst deinen Studentenausweis und beschließt, ihn noch ein bisschen länger drin zu behalten, hinter deinem „normalen“ Studentenausweis. All deine Klamotten sind gewaschen und deine Mutter schwört trotzdem, dass du immer noch „nach Glasgow riechst“. Ich muss zugeben, die Nase meiner Mutter ist sehr empfindlich…

Und die ganze Zeit betest du, dass die Zeit anhält, um nicht eine Sekunde der Erinnerungen zu verlieren. Und dass sie schneller läuft, um dich näher an ein Wiedersehen heranzubringen. Zeit ist schon eine komische Sache. Es ist das Einzige, was in Erasmus fehlt. Also bitte, wenn Ihr jemals ein Erasmus in Erwägung zieht, bitte nutzt eure Zeit. Besucht alles in eurer Stadt, nicht nur einmal, sondern viele Male. Triff deine Freunde jeden Tag, zum Mittag, zum Kuchen, zum Abendbrot, auf einen Drink. Gerate jede Nacht außer Rand und Band, du kannst schlafen, wenn du alt bist. Studiert zusammen, zwei Leute, zwei Laptops, zwei Hausarbeiten, mehr braucht ihr dafür gar nicht. Und vielleicht ein bisschen Disziplin.

Und wenn ihr wieder zu Hause seid, macht weiter. Bleibt nicht stehen. Nehmt all die tollen Eigenschaften, die ihr euch angeeignet habt, alle tollen Erinnerungen und macht was draus. Knüpft an die tollen Dinge an und lasst nicht so schönes hinter euch. Versucht nicht zu viel alleine zu sein, denn wenn ihr alleine seid kommen wahrscheinlich all die schönen Erinnerungen, der Schmerz, dass es vorbei ist, das Vermissen. Skyped mit euren Freunden. Schreibt ihnen. Sendet ihnen 10 Snapchats am Tag, egal ob ihr jemanden damit nervt. Und dann macht Pläne, wann ihr sie wiedersehen werdet. Macht die Zeit zu eurem Freund indem ihr sie nutzt!

 

English Version

About time (and its relation with Erasmus)

Erasmus gives you an enormous amount of things. Love, friends, satisfaction, tears, strength and weakness. The courage to take opportunities and the fear of feeling totally lost and disoriented. The only thing you don’t have in your Erasmus? Time. Half a year, a year, its never going to be enough. Way to soon you realise that time is running out. You start realising all the things you still wanted to do. That you

don’t have enough time to do it all. It makes you appreciate how valuable time is and how less it means sometimes. You make friends for life in a day and lose everything the second you get on the plane back. And in the same second you are richer than you have been all of your life. Not money wise, though.

Time starts getting various dimensions. It’s against you when its running out and bringing you closer to every single goodbye you have to face. And its the only thing that gets you through when you are home, because you know it will make the pain fade. It gets you closer to being ok again, to see all those amazing people again. But in Erasmus it flies and at home it first crawls. And flies on the other hand. You never wanted to hold on more to something you lost, and you never felt the urge to move on and to do something that strong.

Erasmus is like a breakup. But not with one person, but with a whole life. You see the people everywhere in strangers, you here the language everywhere, the pictures and memories are everywhere. You unpack your suitcase, your handluggage, your bagpack, the first box you’ve sent home, the second one. You change the cards in your wallet, taking out all the mates rates cards from bars, the laundry card, see the student ID and decide to keep it a bit longer, behind your „normal“ one. All your clothes get washed and still your mother pretends that you smell like „Glasgow“. I have to admit my mum’s nose is VERY sensitive…

And all this time you are praying for time to stand still in order not to lose a second of memory. And to run faster to bring closer reunions. Time is a weird thing. It’s the only thing missing in Erasmus. So please, if you ever fancy am Erasmus, please use your time. Visit everything in your city, not only once but several times. Meet your friends every day, for lunch, coffee, dinner, a drink. Go wild every night, you can sleep when you are old. Wake up early and cure your hangover though visiting the quietest city your area can offer. Study together, two people, two laptops, two coursework, that’s all it takes. And maybe a bit of discipline.

And when you are bake home, move on. Don’t stand still. Take all the nice characteristics you developed, all the nice memories and make something out of it. Take all the nice things and leave the not so nice things behind. Try not to be alone too much, because when you are it’s likely that all the nice memories, the pain that it’s over, the missing. Skype with your friends. Write to them. Sent 10 snapchats a day, no matter if you annoy someone with it. And then make plans when you will see each other again. Make the time your friend by using it!

Ein Gedanke zu „Über die Zeit (und ihre Beziehung zu Erasmus)

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