Brexit, Tropfsteinhöhlen und Ausflüge

Vor etwa einer Woche haben die Engländer für riesiges Entsetzen gesorgt, als sie sich überraschender Weise für ihren Austritt aus der EU entschieden haben. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt habe ich meine letzte Woche in Torquay verbracht und auch einiges von der aufgewühlten Stimmung vor Ort mitbekommen.

Der mögliche „Brexit“ war verständlicher Weise das Topthema, sei es beim gemeinsamen Mittagessen, im Bus oder am Arbeitsort.

Mir sind tatsächlich öfter Menschen am Straßenrand aufgefallen, die mit Plakaten und Schildern geschmückt für den Austritt aus der EU geworben haben. In persönlichen Gesprächen mit Einwohnern hier, habe ich aber doch auch von vielen gehört, dass sie lieber Teil der EU bleiben würden. Von meinen Mitarbeitern, die größtenteils unter dreißig sind, wurde mir beispielsweise ausführlich erklärt, warum die Mitgliedschaft in der EU für England so wichtig ist. Alle waren aber auch fest davon überzeugt, dass die Wahl nicht zum Austritt führen würde.

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„Leave“- Werbende Zwischen Brixham und Torquay

Am Freitag, nachdem das überraschende Ergebnis morgens endlich ausgewertet und im BBC ausgestrahlt wurde, herrschte in unserem alltäglichen Mitarbeitermeeting zum ersten Mal eine recht betrübte Stimmung. Statt, wie üblicherweise, über die anliegende Tagesplanung zu sprechen, wurde über den Brexit gesprochen und das Wahlergebnis wurde von allen eher kritisch betrachtet. Torquay ist Teil der English Rivera namens „Torbay“, welches wiederum zur Region South West England gehört und laut Wahlergebnis haben hier nur 36.84% für „Remain“ und ganze 63,16% „Leave“ gewählt.

Natürlich ist Englands Austritt aus der Europäischen Union kein Weltuntergang, aber ich weiß es doch sehr zu schätzen drei Wochen in Form meines Auslandspraktikums an der Küste Südenglands verbringen zu dürfen und dabei von der EU (Erasmus+) Unterstützungen zu erhalten. Keiner hier ist sich momentan sicher, inwiefern diese Möglichkeit in Zukunft für europäische Schüler/innen und Studenten- innen noch bestehen wird und das finde ich persönlich sehr schade.

Nun aber mal vom Wort der Stunde zu einem anderem Thema; von meinen Arbeitserfahrungen in Torquay habe ich schließlich noch gar nicht berichtet.

Ich hatte das Glück für Kents Cavern arbeiten zu dürfen, der größten Tropfsteinhöhle Südenglands. Täglich sind ganze Busladungen an Touristen bei uns eingetroffen, um sich eine einstündige Führung anzuschauen. Ich selbst durfte sooft ich wollte in die Höhlen und habe diese unterirdische Welt geliebt. Ein dicker Pulli gehörte zu meiner Arbeitskleidung, denn nur dann kann man die tolle Atmosphäre der Tropfsteinhöhle auch genießen.

Ich hatte wirklich eine spannende Zeit hier. Neben dem Ticketverkauf, Gestalten und Übersetzen der Werbebroschüren und anderen Marketingmaßnahmen, welche zu meinen täglichen Aufgaben gehörten, war es vor allem das Arbeitsklima und meine total lieben Mitarbeiter, welche mein Erlebnis hier so großartig gemacht haben. Außerdem bin ich nun dazu in der Lage Stalaktiten und Stalagmiten auseinander zu halten, na wenn das kein Lernerfolg ist.

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Ich bei der Arbeit am Ticketdesk

 

Da mein Arbeitstag von 8-16 Uhr andauerte, blieb unter der Woche nicht wirklich viel Freizeit für Ausflüge. Für etwas Abwechslung haben aber die Wochenenden gesorgt, an denen ich immer so viel wie möglich unterwegs war und die Umgebung erkundet habe.

 

 

Zu meinen persönlichen Highlights der Reise gehörte ein Ausflug nach Totnes, einem kleinen sympathischen Dörfchen mit rund 8000 Einwohnern, in dem jedes Wochenende alternative Märkte mit frischem Obst und Gemüse aus lokalem Anbau und einigen flohmarktähnlichen Ständen stattfinden.

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Hauptstraße in Totnes

Meine Gastmutter hatte mir den Besuch von Totnes ans Herz gelegt, sie sagte es mir dort gut gefallen würde und, dass es dort fast ausschließlich vegane und vegetarische Café’s gäbe.

Ich bin sehr dankbar für ihren Tipp, denn ich war tatsächlich total beeindruckt von der Mentalität der Einwohner. Es gibt in Totnes zahlreiche Initiativen, die sich dafür einsetzen allmählich von fossilen Brennstoffen zu lösen und man ist fest davon überzeugt dieses Ziel bis 2030 komplett zu verwirklichen. Es gibt beispielsweise kostenlos zu benutzende Motor-Rikschas durch die Stadt, die von Abfallöl der örtlichen Restaurants und Fish & Chips-Läden angetrieben werden.

Sogar eine eigene Währung wurde geschaffen, das „Totnes Pound“.Wer Ben Howard kennt wird ihn begeistert auf der 10 Pfund Note wieder finden, denn der englische Musiker ist in Totnes aufgewachsen. Alles in Allem ist Totnes wirklich einen Abstecher wert, so etwas habe ich in Deutschland noch nicht gefunden.

An meinem zweiten Wochenende bin ich mit zwei anderen Teilnehmern des Erasmus+ Programms nach Cornwall gefahren. Cornwall ist der südwestlichste Zipfel Englands und vielleicht Einigen von euch als Kulisse aus den Rosemunde Pilcher Filmen vertraut.

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Newquay in Cornwall

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Frühstücksausblick in Newquay

Wir haben in der Surferstadt Newquay in einem Hostel direkt am Meer übernachtet. Unsere Erwartungen wurden schon beim Frühstück in unserem Hostel, dem „St. Christophers Inn“ am Morgen nach der, doch recht späten Ankunft um Längen übertroffen: wir wurden von einer unglaublich schönen Strandaussicht überrascht. Da schmeckt das Marmeladentoast zum löslichen Kaffee und Orangensaftkonzentrat dann doch auch gleich doppelt so gut.

 

 

Da wir aufs Wandern und Busfahren beschränkt waren, konnten wir leider nur einen kleinen Teil Cornwalls sehen, welcher uns allerdings total begeistert hat.Verträumte Küstendörfer, mit Schafen übersäte Wiesen, alte Burgruinen, die Küsten und Klippen und vor allem das Meer, je nach Sonneneinstrahlung tiefblau oder smaragdgrün leuchtend… Cornwalls Landschaft ist total idyllisch und wirklich zum Verlieben schön. Es ist definitiv ein Fleckchen Erde, welches sich lohnt noch mal wieder zu besuchen, um die Ruhe und die Natur richtig genießen zu können.

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Unsere Wanderung entlang der Küsten, Cornwall

Kommen wir also auch schon zum Ende meiner Reise. Meine drei Wochen in Torquay sind wirklich wie im Flug vergangen. Ich bin sehr froh über die Erfahrungen und neuen Eindrücke, die ich in meiner Zeit hier sammeln konnte. England hat mich mit seinen schönen, wenn auch versteckten Gegenden wirklich überrascht, die ich bei einem Sommerurlaub oder Wochenendtrip höchstwahrscheinlich nie entdeckt hätte.

Ich kann jedem, der die Möglichkeit bekommt ein Auslandspraktikum zu machen, ob nun nach England oder in ein anderes Land, diesen Schritt sehr ans Herz legen. Neben den vielen Eindrücken, die man von Land & Leuten bekommt, schließt man neue Freundschaften und lernt viel Neues, nicht zuletzt über sich selbst.

Nun geht es für mich erstmal wieder zurück nach Deutschland und ich freue mich auf meine Familie und Freunde.

 

Ein Gedanke zu „Brexit, Tropfsteinhöhlen und Ausflüge

  1. christel schramm

    Hallo Lisy! habe deinen tollen Bericht im Internet gelesen. wie immer schreibst du sehr le

    bhaft und begeistert.Ich freue mich ,dass du so schöne Sachen erleben darfst. freue mich schon auf weitere Berichte von dir .gruss oma

    Antworten

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