Fernweh statt Heimweh

„Können wir so tun, als ob Flugzeuge am Nachthimmel wie Sternschnuppen sind? Denn ich könnte gerade wirklich einen Wunsch gebrauchen…“ (Airplanes – B.o.B. ft. Halley Williams)

Es muss eigentlich gar keine Sternschnuppe sein, dass Flugzeug selber würde ja auch schon reichen, um zurückzukommen…

Sechs Wochen ist es jetzt her. Erst? Schon?

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London Birmingham Palace – Eine mÜnte für einen Wunsch

 

Einerseits sind sechs Wochen nichts: 42 Tage sind nicht mal ein Bruchteil eines Jahres und sicher kein großer Teil eines Lebens. Und doch fühlt es sich an wie ein Leben. Es ist ein Leben lang her, dass ich in Glasgow war.

Man macht weiter, ich habe einige Praktikumsbewerbungen geschrieben, gerade angefangen mit einem Sommerferienjob, die Kieler Woche steht auch schon wieder vor der Tür. Letzte Woche war ich in meiner Wohnung, um meinen französischen Zwischenmieter und seine Erasmus Freunde kennen zu lernen. Sie haben auch alle das EPS gemacht, an meiner Hochschule hier in Deutschland. Sie sind allerdings noch nicht fertig, sondern mittendrin, kurz vor der Abschlussprüfung.

Knapp 20 Leute sind in meiner Wohnung gewesen, es wurde zusammen gekocht, Musik gemacht und sich nett unterhalten. Es hatte einen klaren Erasmus-Touch und war schön, aber natürlich kam es für mich nicht an mein Erasmus-Erlebnis heran.

Mein persönliches Highlight war der eine Schotte der Gruppe. Ich gestehe, ihn heimlich aufgenommen und an meine Freunde geschickt zu haben, weil es einfach so ein schönes Gefühl von schottischer Heimat war. Sein Akzent war erstklassig („Vielleicht kannst DU ihn ja verstehen?“) und er fragte mich nach allen möglichen Klubs, Bars, besonderen Orten und Glaswegischen Spezialitäten.

Und ich kannte sie fast alle, ich weiß nicht, wen das mehr begeistert hat, ihn oder mich. Gefühlt bin ich in Glasgow fast genauso Zuhause wie er. Vielleicht sogar ein bisschen leidenschaftlicher, weil es für mich nicht selbstverständlich ist und für ihn nie anders war. Wobei es sehr schwer ist leidenschaftlicher als ein Glasgower zu sein…

Mittlerweile sind auch die letzten Leute nach Hause zurückgekehrt. Was die Frage aufwirft, ob man überhaupt gerade zurück nach Glasgow will. Wenn keiner von den Leuten mehr da ist, die es so besonders gemacht haben, wäre es dann nicht noch viel schlimmer in der gleichen Stadt die gleichen Dinge zu tun wie die letzten neun Monate, ohne das es annähernd das gleiche Gefühl ist? Wie auch bei der ersten Etappe gibt es Kontakte die halten und Leute die leider schon jetzt verblassen.

Aber man lernt, dass das nichts Schlimmes ist, nichts, worüber man sich aufregen muss. Es ist ein Teil des Lebens Abschied zu nehmen und man ist trotzdem einfach dankbar für die tolle gemeinsame Zeit. Und vielleicht ist man bei dem ein oder anderen auch ein bisschen enttäuscht, aber trotzdem steht jetzt schon fest, dass wenn man ihnen begegenet es fast wie früher sein wird. Fast. Denn alle machen weiter. Aber es gibt die, wo man dranbleibt. Gerade ist insbesondere die Fußball-EM DIE Gelegenheit schlechthin, um tonnenweise Snapchats oder Kommentare zu schicken…

Es fühlt sich gut an, weiterzumachen. Nicht in den Erinnerungen zu versinken. Du fängst an dich gut damit zu fühlen, anstatt dich zu fühlen, als würdest du dich selbst der tollen Erinnerungen berauben. Und zu sehen wie andere weitermachen, hilft auch wenn es bei dir genauso ist. Und wenn du noch nicht an dem Punkt bist, wo du dich nach weitermachen fühlst, dann wird es dich motivieren. Erasmus bringt dir bei, dass dich nichts zurücklassen kann. Du bist ein Kämpfer. Mach weiter und nimm all die Weisheit mit dir auf deinen neuen Wegen.

English version:

Can we pretend that airplanes in the nightsky are like shooting stars…? I could really use a wish right now!

It does not actually need to be the shooting star, the airplane itself would also be enough to get back…

Six weeks have passed by. Only six? Already six?

On the one hand, six weeks are nothing: 42 days are not even a fragment of a year and surely no big part of a life. But it feels like one. It feels like a life ago when I was in Glasgow. You are moving on, I have sent some applications for internships, recently started a summer part-time job, the Keel Week (“Kieler Woche”) is just around the corner. Last week I was in my flat to get to know the French tenant of my room and his Erasmus friends. They also participate in the EPS, at my university back in Germany. But they are not finished yet, but rather right in the middle of it, their final presentation is soon. Almost 20 people were in my flat, we cooked together, made some music and talked a lot. It definitely had an Erasmus-feeling and was really nice, but for me it was of course not comparable to my Erasmus experience.

My persona highlight was the Scottish guy of the group. I admit that I secretly recorded him, to send it to all of my friends, because it was such a nice feeling of Scottish home. His accent was amazing (“Maybe YOU can understand him?”) and he asked me about all kinds of clubs, bars, special places and Glaswegian specialties. And I almost knew them all, I do not know who was more enthusiastic about that, he or myself. My feeling is that it is my home almost as much as it is is. Maybe I am even a bit more passionate about it, because I do not take it for granted and for him it was never different. But I admit it is very difficult to be more passionate than a Glaswegian…

By now even the last people returned back home. Which for me raises the question if I would want to be back in Glasgow at all now. If no one of the people, who made everything so special, are there anymore, would it not be even worse to be in the same city, doing the same things like in the last nine months, without it being even close to the same feeling? Just like the first time there are contacts that remain there and people who are already fading. But what you learn is that this is nothing bad and nothing to be angry about. It is a part of life to say goodbye and you are still thankful for the amazing time together. And maybe you might be disappointed with one or the other, but still you already know that if you ever meet again it will be almost like back then. Almost. Because everyone is moving on. But there are the people you stick close to. Especially the European Championship is THE opportunity to send tons of snapchats or comments…

It feels good to move on. To not drown in memories. You start feeling good with doing things, instead of feeling like you rob yourself of the nice memories. And seeing how others move on is helping as well when you do the same. And if you are not at the point of moving on yet it will motivate you. Erasmus teaches you that nothing can leave you behind. You are a fighter. Go on and take all that wisdom with you on your new paths.

 

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