Ein Tag im Leben der „verrückten Hundelady“ des Outdoor College

Wie läuft ein Leben auf dem Outdoor College eigentlich genau ab? Hier einmal ein Tagesablauf im Protokoll. Eins ist sicher: Es fängt auf jeden Fall früh an.

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Zwischen den Bergen hängt noch der Nebel, aber es ist ja noch früh.

5:54 Uhr: Der Wecker klingelt.Frühsport mit Laila? Neee…lieber nochmal umdrehen.

6:45 Uhr: Der Wecker klingelt erneut. Jetzt muss ich wohl doch aufstehen. Das schlechte Gewissen, nicht laufen gegangen zu sein kämpft gegen das gute Gefühl, eine Stunde länger geschlafen zu haben. Na immerhin habe ich keinen Küchendienst und kann mich an den gedeckten Tisch setzen. Im Flur des Mädchenhauses ist schon viel los; die Jogger wollen noch schnell duschen, während andere verschlafen aus ihren Betten gekrochen kommen. Es ist aber auch echt früh!

7:00 Uhr: Frühstück. Der Küchendienst sagt an: „Heute gibt es wie immer Brot und Müsli. Bitte nehmt Euch nicht zu viel Obst; das muss noch bis Ende der Woche reichen. Öh…ja dann…guten Appetit!“. Niemand ist morgens besonders gesprächig. Müsli essen, Lunchpaket schmieren, los geht’s.

7:30 Uhr: Ach nee, doch nicht. Erst ist noch Teamsitzung. Was steht heute an? Wer fährt die Essensbestellung abholen, welche Projekte sollen die Kinder bearbeiten, was ist in der Küche geplant? Ach ja und wer protokolliert eigentlich das Ganze? Ab und zu schaue ich mal aus dem Fenster, ob meine Gruppe schon abmarschbereit ist.

Um 8:00 Uhr ist nämlich Abmarsch zur Huskyfarm. Gemeinsam mit fünf Schülern mache ich mich zu Fuß auf den Weg zu 1,5 km entfernten Farm. Auf dem Weg werde ich mit Fragen bombardiert. Was machen wir heute? Dürfen wir Trainingswagen fahren? Wie oft warst Du schon da? Was gibt es heute Abend zu essen? Was machen wir am Wochenende? Können wir Sonntag ausschlafen? Ich habe keine Ahnung. Mir ist es immer noch zu früh. Wo ist mein Studentenleben???

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Ich freue mich, wieder bei meinen Huskys zu sein!

8:30 Uhr: Hundegeheul begrüßt uns auf der Farm. Die Tiere erwarten uns und damit ihren Auslauf schon ungeduldig. Kurze Teambesprechung: Was machen wir heute? Wer macht was und was muss man dabei nochmal beachten? Für die Schüler ist es erst die zweite Woche. Dafür haben sie die tägliche Routine schon gut drauf. Jeder der 39 Hunde soll morgens in etwa eine halbe Stunde Auslauf bekommen. Damit es kein Chaos gibt, werden sie gruppenweise in den großen Hundegarten gelassen. In der Zwischenzeit säubern wir die Käfige und passen auf, dass keine Unruhe unter den Tieren entsteht. Ich gebe kleine Lektionen in „Hundeverhalten“ und „was sonst noch wichtig ist“. Gekuschelt werden darf natürlich auch ausgiebig!

10:15 Uhr: So, fürs Erste sind die Hunde zufrieden. Zeit, ein bisschen ins Training einzusteigen. Jeder der Schüler hat im Vorfeld einen „Patenhund“ gezogen, mit dem er sich während der Zeit hier eingehend beschäftigen soll. Dazu schnappen wir uns jeder eine Leine und unseren Hund und drehen eine lange Runde ums Farmgelände. Die Hunde sollen sich an den Menschen gewöhnen und lernen, dass sie ihm zu gehorchen haben. Am Geschirr vor dem Schlitten sollen sie natürlich kräftig ziehen, am Halsband jedoch nicht. Ein Unterschied, der mit viel Mühe beigebracht werden muss, da die Hunde nicht in guter Haushund-Manier von Beginn an erzogen werden. Man will das Wilde ja auch nicht ganz abtrainieren. Manche der Schüler hatten noch nie einen Hund und wundern sich über Kraft und Sturheit der Tiere, während andere locker nebem „ihrem“ Hund hergehen und scheinbar keine Mühe haben. Hund ist eben auch nicht gleich Hund.

12:00 Uhr: Mittag! Mitgebrachte Pausenbrote und Äpfel werden wahlweise in der Scheune oder im Garten verzehrt. Nebenher werden die besten Hundekombinationen für die anstehende Trainingseinheit diskutiert. „Nein, DER kann doch nicht ganz vorne laufen! Oder, Rieke?“. Ich halte mich zurück und greife nur ein, wenn wirklich unmögliche Kombinationen geplant werden. Schließlich sollen die Schüler ihre eigenen Erfahrungen machen.

12:45: Ok, los geht’s. Geschirre, Leinen und Helme werden ins Trainingsgehege geschafft. Jetzt im Sommer werden die Hunde statt vor einen Schlitten vor einem Trainingswagen angespannt. Das Fahren ist sowohl für die Kids als auch für die Hunde das Highlight des Tages. Geheul und Gebell bricht los, als die „auserwählten“ Huskys losgelassen werden und zum Trainingsgehege hinübersprinten, wo sie von den Schülern empfangen und in die Geschirre gesteckt werden. Alle Bemühungen, die Hunde still zu bekommen, scheitern und gehen in aufgeregtem Gekläffe unter. Also – Tor auf und los! Nach ein bis zwei Runden tritt wieder etwas Ruhe ein und die Kinder wechseln die Positionen auf dem Trainingswagen in den Pausen, wenn die Huskys Wasser bekommen. Mehr als 12 Runden sind bei der Wahnsinnshitze von 12-15° C nicht drin, dafür haben die Hunde zu dickes Fell. Sie warten auf den Winter und den Schnee. Also alles wieder abbauen und wegräumen.

Denn um 14:30 Uhr wird gefüttert. Die Hunde bekommen eine Mischung aus Wasser und Trockenfutter, unter das bei gutem Benehmen auch mal ein paar Stücke

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Das erste Leinentraining ist von Hund zu Hund und Kind zu Kind verschieden.

Wurst gemischt werden. Wieder schwillt der Geräuschpegel extrem an, doch die Schüler kennen mittlerweile ihre „Pappenheimer“ und wissen, dass die Huskys sich in Aussicht auf das Futter benehmen werden. Zumindest die meisten von ihnen. Auf lautes Gebell folgt sodann gefräßige Stille.

15:00 Uhr: der Tag auf der Farm geht zu Ende und wir treten den Rückweg an. Erschöpft und nach Hund stinkend erreichen wir eine halbe Stunde später die Schule, wo alle sich erstmal unter die Dusche verziehen. Ich gleiche mein schlechtes Gewissen durch eine Runde laufen aus, bevor auch ich den Hundegeruch abdusche und mich im Lehrerzimmer aufs Sofa haue. Das war anstrengend! Jetzt könnte man noch was Sinnvolles tun. Oder Schoki essen und Kaffee trinken und den anderen beim Arbeiten zuschauen.

19:00 Uhr: Ein lautes Klingeln schallt durchs Hauptgebäude, was zur Folge hat, dass überall Schüler und Lehrer aufspringen und in den Speisesaal strömen. Es gibt Abendessen. Heute: Curry. Die Schüler haben selbst geplant und viel zu viel gemacht. Fazit: morgen auch Curry. Aber lecker ist es – von daher halb so wild. Alle außer uns „Huskykindern“ haben schon mittags warm gehabt, weshalb wir unseren eigenen Tisch bekommen und ordentlich zulangen können.

Nach dem Abendessen sind verschiedene Dinge geplant. Es wird nochmal Laufen angeboten oder Fitness in der kleinen Sporthalle. Manchmal gibt es Filmabende oder themenorientierte Gruppentreffen – langweilig wird es nie. Höchstens spät. Um 21:45 Uhr erklingt die Glocke erneut: Bettzeit für die Schüler und Feierabend für die Lehrer. Um 22:00 Uhr sollen alle auf ihren Zimmern sein. Im Lehrerzimmer werden nun Kartenspiele ausgepackt oder Tischtennismatches ausgetragen. Nach und nach verabschieden auch wir uns in unsere Betten – morgen klingelt schließlich wieder der Wecker. Vielleicht schaffe ich es ja dann zum Frühsport…oder so.

 

 

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