Halbzeit bei den Schlittenhunden

Kaum zu fassen, dass die Hälfte derZeit hier im Outdoor College schon rum sein soll. Die Zeit rennt und rennt und man kommt kaum hinterher – und doch ist man irgendwie mittendrin.

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Bereit für den Winter!

Schon habe ich meine zweite (und die Kids ihre vierte) Tour hinter mir und es geht mit raschen Schritten auf die Weihnachtszeit zu, die von vielen hier schon sehnlichst erwartet wird. Der Winter ist eingekehrt und die Hundeschlitten stehen startbereit in der Scheune.

Aber warum geht eigentlicdsc04522h alles so schnell? Vermutlich, weil hier kein Tag wie der andere ist und keine Langeweile aufkommt. Ein kleiner Rückblick über die letzten Monate:

Touren

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Wetterumschwung auf Tour: innerhalb von zwei Tagen werden aus Nieselregen 40 cm Schnee.

Lange Touren gibt es zwar nur einmal im Monat, aber die Tourenvorbereitung zieht sich trotzdem durch die restlichen Wochen und Tage. Von der Kajaktour, die im August stattfand, bis hin zur Trekkingtour mit den Huskys, die vorletzte Woche auf dem Programm stand, haben die Schüler mehr und mehr Verantwortung übertragen bekommen. Nach und nach wurden sie in den unterschiedlichen Bereichen wie Navigation und Streckenplanung, Essensplanung und Materialorganisation immer selbstständiger. Die letzte Tour haben sie komplett selbst geplant, sodass die Outdoortrainer es sich größtenteils als „Touristen“ gutgehen lassen konnten. Neuen Input gibt es natürlich immer. So standen dieses Mal die Themen Lagerbau und Kälte im Vordergrund. Denn während es auf der ersten Tour noch sommerlich war, konnte nun teilweise schon in Iglus übernachtet werden. Und wie man trotz der Kälte im Schlafsack warm bleibt, will auch gelernt sein…

Wochenendtouren

Das Motto lautet: raus, so oft es geht! Dementsprechend werden Wochenenden, die nicht anderweitig verplant sind, häufig mit kleinen Übernachtungstouren gefüllt. Ganz am Anfang stand beispielsweise eine Tour in die unmittelbare Umgebung an, die sowohl zum Material Ausprobieren als auch zum Üben gedacht war. Aber nicht immer stehen die Touren unter einem besonderen Motto. Ein kleines Highlight war beispielsweise eine von den Teamern vorbereitetete Nachtwanderung, bei  der die Schüler einer Spur aus leuchtenden Warnwesten durch die Dunkelheit folgten. Es warteten Lagerfeuer und Stockbrot im bereits aufgebauten Lager.

Aktionen

Die meisten außerschulischen Aktionen sollen den Kontakt zu den umliegenden Orten und Schulen verstärken. So halfen die OC-Schüler beispielsweise Anfang September beim hiesigen Volksfest mit, das im Rahmen des alljährlichen Schafabtriebs stattfindet. Hier konnten sie zum einen sich und ihre Schule präsentieren und zum anderen ein wenig Geld für ihre Expeditionskasse verdienen. Ansonsten standen Treffen mit den (zum Teil sehr kleinen) Schulklassen nahegelegener Schulen, Jugendtreffs, Saunagänge auf der Huskyfarm, Tagestouren, Sportnachmittage und Workshops von Holzarbeiten bis Armbänderbasteln auf dem Plan.

Unter der Woche

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Manchmal muss man sich aber auch mal eine Auszeit gönnen…

Normale Schulwoche? Was ist das nochmal? Jeden Tag von 8.00 – 14.00 Uhr die Schulbank drücken, dann nach Hause gehen und Hausaufgaben machen? Für die Schüler des OC ist mittlerweile ein ganz anderer Ablauf zur Routine geworden. Schulunterricht und andere Aufgaben (Küche/Haushalt, Huskyfarm,…) wechseln sich ab, sodass man eh nur jeden zweiten Tag Schule hat und der Unterricht folgt auch keinem festen Stundenplan, der sich jede Woche wiederholt. Zwei Wochen Geschichtsprojekt werden gefolgt von einer Woche „Outdoor-Unterricht“, bei der das Klassenzimmer an zwei unterschiediche Orte außerhalb der Schule verlegt wurde. Nebenbei und zwischendurch gibt es methodische Abende, Filmabende, einen Besuch vom Chiropraktiker zum Thema „Fuß“, Schwimmstunden, eine Halloweenparty und so weiter und so fort. Eine organisatorische Herausforderung für Schüler und Lehrer, denn Hausaufgaben wollen natürlich trotzdem gemacht und Stundenzahlen eingehalten werden…

Persönliche Highlights

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Bei so vielen Erlebnissen ist es schwierig, das schönste von allen herauszusuchen, aber eines ist schonmal klar: mein Highlight hier in Norwegen ist und bleibt die Natur. Egal, ob undurchsichtiger Nebel zwischen den Bergen hängt oder Frost und Schnee langsam die Herrschaft übernehmen: die norwegische Landschaft ist immer beeindruckend und wunderschön. Die letzte Tour führte uns durch alle Wetterlagen von Nieselregen bis Tiefschnee und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dementsprechend ist mein Highlight auch, dass ich hier lernen kann, mit dieser Natur umzugehen und mich besser in ihr zurechtzufinden.

Weitere Höhepunkte erwarten mich häufig im Alltag: kleine Fortschritte im Training mit den Huskys zu beobachten oder positives Feedback aus dem Team zu bekommen; sie geben mir das Gefühl, hier etwas bewirken zu können und vielleicht wirklich einen Schritt in die richtige Richtung getan zu haben. Vielleicht kann ich dank meiner Arbeit hier ja irgendwann mal die Frage beantworten, was ich mit meinem Studium eigentlich anfangen will?

Bergfest

Halbzeit. Bergfest. Genau die Hälfte der Zeit im OC ereilte uns am Samstag vor der letzten Tour. Einerseits unglaublich, andererseits kommt es mir auch so vor, als sei ich schon ewig hier, da ein Tag dank all der verschiedenen Aktivitäten und Aktionen gefühlt doppelt so viele Stunden hat wie ein Tag zuhause. Grund genug, die Kinder mit lauter Musik aus den Betten zu holen und wirkliches BergFEST zu veranstalten!       dsc04580 Auf der Tour begingen wir das Bergfest dann auch nochmal metaphorisch: auf einem Berg nämlich.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, was die nächsten Monate hier noch so bringen werden. Denn auch, wenn es natürlich einen Plan gibt, bedeutet das in OC-Maßstäben nicht besonders viel!

Ein Gedanke zu „Halbzeit bei den Schlittenhunden

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