Ein neues Leben bei unserem Nachbarn im Norden! Teil 2

Wie schon in meinem letzten Eintrag erwähnt, konnte ich endlich nach Aarhus ziehen. Ich lebe jetzt seit einem Jahr dort und kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich es liebe!

Aber fangen wir erst mal ganz von vorne an, und zwar mit meinem Umzug nach Aarhus, denn dieser war nicht so leicht, wie man sich vielleicht denkt. Eine bezahlbare Wohnung (eher WG-Zimmer, denn eine Wohnung kannst du dir als Student nicht leisten) in Aarhus zu finden ist das Schlimmste (und fast unmöglich). Ein kleines Zimmer in einer 3er bis 4er WG kostet im Monat mehr als 3600 DKK (um die 480 Euro), wenn man nicht genau in der Innenstadt lebt, sondern 3 Kilometer davon entfernt. Wer gerne zentral wohnen möchte, sollte mit Preisen von über 500/600 Euro rechnen.

Die Preise sind aber nicht das einzige Problem. Der Andrang von Interessenten ist immens! Mein Vermieter hatte mir erzählt, dass er über 50 Interessenten in der ersten Stunde hatte. Als meine Mitbewohnerin ihr Zimmer untervermieten wollte und dies dann per Facebook gepostet hatte, erlebte sie dasselbe. In den ersten 20 Minuten hatte sie schon über 20 Interessenten, die sie angeschrieben hatten. Der Ton der Nachrichten war sehr verzweifelt …

Aber so ist es nun mal. Wer im Zeitraum von Mai- August umziehen möchte, wird es sehr schwer haben, da jeder in dieser Zeit eine Wohnung sucht. Mein persönlicher Tipp für Interessenten sind die Seite Boligportal und natürlich diverse Facebook-Gruppen. Bei Facebook-Gruppen ist es wichtig, zu schauen, dass die Einträge keine Scams sind. Dementsprechend schaue dir zunächst das Profil des Verfassers an und bezahle auf gar keinem Fall im Voraus, ohne dir sicher zu sein, dass die Wohnung wirklich existiert! Es sind schon viele internationale Studenten auf Betrüger reingefallen.

Wenn man dann endlich eine Wohnung gefunden hat, ist das eigentliche Leben in Aarhus wunderschön. Das Studentenleben ist einfach viel reichhaltiger als in Herning. Es gibt eine richtige internationale Szene hier mit regulären Treffen und auch die Clubs, Pubs, Geschäfte, Cafés etc. sind für internationale Besucher ausgerichtet und bieten viele Programme auf englisch an.

Die Universität an sich ist auch sehr schön und hat vieles zu bieten. Wir haben einige Campus Bars, wo freitags immer die „Fridaybar“ – sprich eine Studentenparty – stattfindet. Die Getränke sind natürlich viel günstiger als in anderen Bars, da die Campus Bar von Studenten geleitet wird. Ein Geheimtipp ist auch das Essen in der Kantine des Aarhus BSS. Das Essen dort ist viel besser als in den anderen Gebäuden der Universität und hat sehr viele gesunde und vegetarische Optionen.

Was auch erwähnt werden sollte, ist, dass das Leben in Aarhus grundsätzlich nicht günstig ist. Ich habe dies vor allem in der Anfangszeit gemerkt, als ich von Herning nach Aarhus gezogen bin. Klar ist Aarhus die zweitgrößte Stadt Dänemarks und diese Tatsache hätte mich schon etwas darauf vorbereiten sollen, aber trotzdem war dies recht überraschend für mich. Preislich sind die Lebensmittel nicht viel teurer als in Herning. Man merkt den Unterschied erst so richtig (neben den Mietpreisen), wenn man mit Freunden ausgeht. Restaurants, Bars und sogar das Kino sind viel teurer als in Herning. Zum Beispiel kostet ein Kinobesuch ohne Popcorn oder Getränk 12 Euro. 3D-Filme sind noch um einiges teurer. Da ich gerne mir etwas leisten wollte und gerne mit meinen Freunden ausgehen und das Studentenleben genießen wollte, habe ich ganz schnell Bewerbungen für verschiedene Jobs abgeschickt.

Zum Glück hatte ich die Möglichkeit, mich bei Firmen als Werkstudent zu bewerben, weil ich schon einen Bachelor in International Business hatte. Die Bewerbung an sich ist etwas leichter als in Deutschland. Ich musste nur meinen Lebenslauf und einen Motivationsbrief abschicken, ohne Referenzen. Danach ging alles ganz schnell bei mir und in derselben Woche wurde ich schon zu einem Gespräch von einer Firma eingeladen. Ich hatte viel Glück, da ich ohne vorherige Erfahrungen als Werkstudent bei der Firma Trendhim eingestellt wurde.

Das Arbeitsleben in Dänemark ist auch etwas anders als in Deutschland. Die Dänen legen sehr viel Wert auf Freizeit und Familie. Somit arbeiten sie normalerweise von 8-16.30 und wenn der Arbeitstag vorbei ist, nehmen sie auch keine Arbeit mit nach Hause! Sie legen auch viel Wert auf Harmonie. Somit achten sie sehr darauf, dass die Angestellten glücklich mit ihrer Arbeit sind und dass sie alle nötigen Mittel haben, um einen schönen Arbeitstag zu haben. Dementsprechend bestellt meine Firma immer viel frisches Obst bei Händlern und stellt verschiedene Getränke (Kaffee, Tee, Säfte, Energydrinks, Softdrinks etc.) kostenlos den Mitarbeitern zur Verfügung.  Wir haben freitags auch immer eine kleine Feier, wo wir nach der Arbeit Bier trinken und einfach das Wochenende zusammen begrüßen.

Im Großen und Ganzen gefällt es mir sehr, in Dänemark zu leben und zu arbeiten. Ich bin sehr froh, dass ich mich für diesen Schritt entschieden habe, da ich sehr viel lernen und so viel Neues erleben konnte.

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