Vom Master-Absolventen zum Nationalpark-Ranger

Moin,
ich bin Lucas, auch Balu genannt, und ich bin für ein halbes Jahr als Ranger am Mount Saint Helens National Monument tätig. Als Weltenbummler berichte ich regelmäßig an dieser Stelle über meine Erlebnisse!

Es hat viele Vorteile, Geographie-Student zu sein. Einer davon ist bestimmt die einzigartige Möglichkeit, faszinierende Orte auf Exkursionen besuchen zu können. Eine solche Chance bot sich mir im September letzten Jahres. Zusammen mit etwa 30 anderen Studierenden besuchten wir den Nordwesten der USA und fuhren in zweieinhalb Wochen von Seattle in den Yellowstone-Nationalpark und wieder zurück, insgesamt über 3.000 Meilen. Am letzten Tag, mein Tag, denn ich musste diesen vorbereiten, wartete mein persönliches Highlight auf die Exkursionsgruppe: Der Mount Saint Helens im US-Bundesstaat Washington nahe der Stadt Portland. Eigentlich passierte bei unserem Besuch nichts Spektakuläres, worüber ich hier erzählen könnte, außer der Tatsache, dass mir der Ranger, der uns begleitete, von einem Angebot des Mount Saint Helens Institute erzählte, worauf mich fortan der Gedanke daran nicht mehr losließ.

„Wir haben hier ein internationales Praktikum zu vergeben, bewirb dich doch mal drauf!“

Zurück in Deutschland habe ich genau das getan und irgendwie spielten sich in meinem Kopf schon die Vorstellungen ab, wie es sein würde, an einem der berühmtesten Vulkane der Welt Ranger zu spielen. Und besonders die Wartezeit auf die Entscheidung, wer denn nun diesen Praktikumsplatz bekäme, machte die Sache nicht gerade entspannter. Naja, ich hatte meinen Teil getan. Die Bewerbungsunterlagen hatte ich eingereicht, das Vorstellungsvideo per Skype hatte ich absolviert und hin und wieder eine Interessensfrage per Mail gestellt. Und in einer dieser Antwortmails, in der ich eigentlich nur die Antwort auf eine Nebensache erwartet hätte, stand da dieser eine Satz:

„We want it to be you!“

Wahnsinn? Ehrlich? Wirklich? Neeeeeeeee! Ich konnte es kaum fassen. Da stand in einem Nebensatz, dass ich den Job bekommen würde, in einem Nebensatz! Und dank der Zeitverschiebung bekam ich die Mail um halb eins. Nachts. Aber das war mir egal. Ich musste an dieser Stelle meine Familie aus dem Bett klingeln und die Neuigkeiten verbreiten. Mit jedem Telefonat begriff ich auch, was das jetzt bedeuten würde: Ich gehe für ein halbes Jahr in die USA, um an einer der bekanntesten Monumente Amerikas „rumzurangern“. Ich beende mein Studium, ich ziehe fort, ich höre mit meiner Arbeit an der Uni auf, und das alles nur, um in ein Land zu fliegen, welches dank eines als wahnsinnig und verrückt degradierten Präsidenten momentan keinen guten Ruf auf dem Planeten genießt.

Horizonterweiterung mitten im Nichts

Aber genau das macht die ganze Geschichte ja noch zusätzlich interessanter. Natürlich weiß ich, was mich dort erwartet. Ich werde nach Schichtplan im Johnston Ridge Observatory als Ranger eingesetzt, kassiere die Touristen ab, führe Schüler-, Studenten- und Erwachsenengruppen über die Wanderwege und gebe Kurzpräsentationen auf dem Aussichtsbalkon des Observatoriums. Und wenn ich nicht arbeite, verbringe ich die Zeit im Staff House, denn die nächste Ortschaft (und somit auch das nächste Restaurant und der nächste Supermarkt) sind über eine Stunde Fahrt mit dem Auto entfernt. Außerdem wohne ich mit den anderen Mitarbeitern zusammen, lebe im Gemeinschaftsraum und habe keinen Zugang zum Internet. Back to the roots. Nehme ich mir halt was zu Lesen mit. Oder Musik. Oder sonst was. Irgendwie werde ich die Zeit da schon rumkriegen, und sei es mit Wandern oder mit Bootfahren auf dem Coldwater Lake (denn das wurde mir schon in Aussicht gestellt…).

Worauf ich mich freue?

Keine Ahnung. Auf Vieles. Auf Unerwartetes. Auf Neues. Aber besonders auf die anderen Mitarbeiter, die Leute vom State Forest Service. Auf das Leben in der Gemeinschaft im Staff House. Auf das Rangersein am Vulkan. Auf diesen tollen Book Store in Portland. Auf das Bootfahren. Überhaupt die Natur. Irgendwie auch ein bisschen auf die Internetlosigkeit (keine Sorge, den Blog hier werde ich von meinen Besuchen in der Stadt aus führen). Und natürlich auf diesen weltweit einzigartigen Vulkan, der 1980 das letzte Mal verheerend ausbrach, 57 Menschen das Leben kostete und heute das weltweit größte zusammenhängende Freiluft-Forschungsfeld darstellt. Ich liebe Vulkane, ich liebe die Geographie, ich liebe die englische Sprache. Besser hätte ich es wohl nicht treffen können, oder?

 

 

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