Der 4. Juli – Eine Nation im Ausnahmezustand

Der 4. Juli 2017, der Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten von Amerika, liegt hinter mir. Die USA feiert dabei landesweit den Geburtstag der Nation und die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1776. Bereits im ersten Satz dieser Erklärung befinden sich die Worte Life, Liberty and the Pursiut of Happiness, also Leben, Freiheit und das Streben nach Glück. Wenn ich nun im Nachhinein meinen 4. Juli in drei Worten zusammenfassen müsste, würden dabei wahrscheinlich eher folgende drei Worte herauskommen, die dazu noch alle mit demselben Buchstaben beginnen: Baseball, Barbeque und Ballern. Aber der Reihe nach.

Ich hatte glücklicherweise einen Dienstplan erwischt, der mir bereits den Vortag und den Tag danach freigegeben hatte. Ich hatte also ausreichend Zeit, mich auf den Nationalfeiertag vorzubereiten und mich gleichzeitig von der Arbeit am Johnston Ridge Observatory ein wenig zu entspannen. Der Plan war folgender: Am Nachmittag des 4. Juli wollten wir uns in Longview ein Baseballspiel der Cowlitz Black Bears ansehen. Danach sollte es Essen geben und später wollten wir uns dann im Park das große Feuerwerk ansehen (Baseball, Barbeque und Ballern also).

Ein Schläger, ein Ball und viele Jungs mit Kappen

Der erste Punkt auf der Liste hat auch erfolgreich funktioniert. Die Cowlitz Black Bears spielten in der lokalen College-Liga, weswegen das Stadion zwar gut besucht, aber kaum ausgelastet war. Zudem startete das Spiel zwar interessant, aber ausgerechnet nachdem wir uns mit Wimpeln der Black Bears ausgestattet hatten, kamen diese leider nicht mehr zum Einsatz, da es keine Homeruns mehr gab und die Anzeigentafel stetig eine 0 zeigte. Trotzdem gewann das Team am Ende. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob mir Baseball gefällt. Sicherlich ist das Spiel an sich sehr interessant und vielleicht an einigen Stellen auch spannend. Trotzdem kann es langatmig werden, wenn es keine Runs mehr gibt (das sind die Momente, an denen die Spieler von Base zu Base rennen, um „nach Hause“ laufen zu können und dabei zu punkten). Lustig sind dann die Stellen zwischen den einzelnen Innings (also Spielabschnitten), wenn der Stadionsprecher versucht das Publikum zu animieren oder es kleine Aktionen wir Sackhüpfen oder Kegeln gibt. Irgendwie hat mich das wenig animiert. Der Sport war da interessanter. Witzigerweise waren die anderen Zuschauer da anderer Ansicht und stets voll dabei. Besonders, als vor dem Spiel die Nationalhymne der Vereinigten Staaten als stilecht interpretierte und vom Band abgespielte Orgel-Version ertönte, sich alle Teilnehmenden von den Stadionbänken erhoben, die nächstbeste Fahne anpeilten und mit Hand auf der Brust inbrünstig und voller Stolz die Hymne mitträllerten. Andere Länder, andere Sitten… Die Amis sind halt doch von außen her betrachtet etwas stolzer auf ihre Nation, besonders an ihrem Nationalfeiertag. Ich stand natürlich mit auf, auch wenn ich meine Hände gefaltet unten ließ.

4. Juli = Burger und Steaks

Nach dem Spiel wollten wir eigentlich essen gehen. Stilecht gehört es sich, an diesem Tag einen Grill im Vorgarten aufzustellen und mit Familie und Freunden zu grillen. Problematisch war an dieser Stelle bloß, dass unser Vorgarten knappe 100 Kilometer entfernt war, weswegen wir uns auf ein Restaurant einigten. Nur leider waren sämtliche Restaurants, die wir ansteuerten, geschlossen. So landeten wir bei einem Kettenrestaurant, was zwar nicht unser Ziel, aber trotzdem ein guter Ersatz war.

Boom Boom Booooooooooom

Danach ging’s dann in den Park, wo wir lange zusammen saßen, das schöne Wetter genossen und uns später das Feuerwerk ansahen. Natürlich wurde auch hier richtig auf den Pott gehauen. Teilweise explodierten hier Böller oder Raketen, die Silvester bei uns wie einen Kindergeburtstag hätten aussehen lassen können. Das eigentliche Feuerwerk war aber sehr schön, auch wenn es natürlich kein Vergleich zum Kieler-Woche-Abschlussfeuerwerk darstellte. Warum muss eigentlich bei jedem Feuerwerk der gleichnamige englische Titel von Katy Perry als Hintergrundmusik ablaufen („Baby you’re a firework…“ Na, Ohrwurm?).

Die Moral von der Geschicht‘

Mir ging den gesamten Tag über ein Gedanke nicht aus dem Kopf und bis heute bin ich mir unschlüssig darüber, woher dieser Gedanke kommt. Wenn eines am 4. Juli in Amerika richtig zur Geltung kommt, dann ist es der Stolz der Menschen auf ihr Land und ihre Nation. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so viele Fahnen, Flaggen oder zumindest die Farben rot-blau-weiß auf einen Haufen gesehen. Das Land feiert seinen Geburtstag und die Menschen feiern mit. Warum machen wir in Deutschland das eigentlich nicht? Und die Antwort darauf ist meiner Meinung nach wirklich nicht einfach. Bis jetzt, einen Tag danach (und glauben Sie mir, ich stelle mir diese Frage nicht zum ersten Mal), habe ich viele Antwortmöglichkeiten im Kopf und keine davon scheint mir absolut passend. Liegt es an den Geschehnissen der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, warum wir unseren Nationalstolz eher verbergen wollen? Liegt es an unserer Weltoffenheit und der Tatsache, dass wir uns nicht über unsere Nationalität identifizieren müssen? Liegt es an unserer gesellschaftlichen Diversität? Liegt es an einem zu starken Individualdenken? Ist vielleicht die Angst, direkt als Nationalsozialist abgestempelt zu werden, Schuld daran? Oder denkt einfach jeder individuell auf seine eigene Art an seine Identität, was ihn auf seine Art stolz macht? Letzteres klingt irgendwie plausibel und gleichzeitig viel zu schwammig. Sie verstehen, was mir da so Schwierigkeiten bereitet.

Ich für meinen Teil kann bloß sagen, dass ich stolz bin, Deutschland meine Heimat zu nennen, aber ebenso bin ich stolz darauf, Kieler, Lübecker, Schleswig-Holsteiner und Erdianer zu sein.

Hach, das klang jetzt alles so emphatisch und gefühlsduselig, dass ich schon selbst erstaunt bin, was da gerade aus mir raus kam. Aber nehmen Sie sich doch einmal eine Minute und denken Sie nach, wie Ihre Meinung dazu ist.

Ich gehe und hole mir jetzt erst einmal einen Eistee und dann baue ich den Grill auf. Das holen wir nämlich heute nach. In dem Sinne: God Bless The United States Of America (und alles andere bitte auch)!

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