Varanasi – die heiligste Stadt in Indien

Varanasi liegt im Nordosten Indiens am heiligen Fluss Ganges. Varanasi ist die heiligste Stadt des Hinduismus – Das war der Grund für mich, diese Stadt zu besuchen. Ich denke, um diese Religion bzw. Tradition aus Indien besser kennen zu lernen und vielleicht auch zu verstehen, muss man einmal diese Stadt besuchen.

Varanasi ist neben der Religion auch eine mehr oder weniger normale indische Großstadt mit 1,2 Millionen Einwohnern. Als wir angekommen sind, war die Stadt zu nächst sehr laut und chaotisch – eine Großstadt eben. Doch kommt man raus aus dem Zentrum in die Altstadt, hat die Stadt plötzlich ein ganz anderen Flair. Die Straßen sind sehr eng und klein, viele Menschen und vor allem viele Kühe! ( Da diese ja heilig sind im Hinduismus, laufen sie hier überall herum). Noch bevor wir den Ganges überhaupt gesehen haben, fuhr uns eine Rikschaw entgegen, die bunt geschmückt war. Oben auf der Rikschaw sahen wir etwas in bunten Tüchern eingewickelt. Es ging so schnell, dass wir nicht richtig schauen konnten, doch ich bin mir sicher, dass dies eine verstorbene Person war, welche zum Ganges gebracht wurde.

Dort, am Ganges, werden nämlich die Leichen innerhalb von 24 Stunden verbrannt, denn die Menschen glauben, dass der verstorbene Mensch in den Kreislauf der Wiedergeburt gelangt, sobald die Asche in ein fließendes Gewässer gestreut wird – umso besser noch in den Ganges, dem heiligen Fluss.

Die Verbrennung der Leichen geschieht direkt am Fluss, sichtbar für jedermann. Jeder der sich dort verbrennen lassen möchte, muss aber einen bestimmten Preis zahlen, da der Verbrennungsort in Familienbesitz ist. Je nach Kaste gibt es einen bestimmten Platz und Preis. Von dem Geld wird unter anderem das Holz gekauft, auf dem die Leiche gelegt wird. Doch zunächst wird die Leiche samt bunter Tücher und Schmuck, die die Person zuvor von Familienmitgliedern geschenkt bekommen hat, im Ganges gebadet, danach wird sie auf den Holzhaufen gelegt, verschiedene Traditionen, wie zum Beispiel das fünffache Umrunden der Person folgen, und danach wird das Holz vom Ehemann oder Sohn angezündet. Frauen sind weniger an diesem Ort  zu finden. Trauer zu zeigen, ist auch nicht erlaubt, also wird eine Person, die weinen muss, direkt zur Seite gebracht. Das Feuer brennt meist zwischen 2-5 Stunden. Folgende Tradition habe ich nur bei ein paar Verbrennungszeremonien gesehen – und zwar geht der Sohn oder Ehemann mit einem Tonkrog zum Ganges und schöpft Wasser, welches er danach rückwärts auf den Haufen wirft und sich dann abwendet und geht.

Die Asche wird dann von Arbeitern an den Rand des Ganges gebracht, nachdem sie ausgekühlt ist, wird sie gesiebt um nach Gold oder Silber Überresten zu schauen.

Viele Gläubige ziehen daher im hohen Alter nach Varanasi um die Möglichkeit zu haben, nach ihrem Tod dort verbrannt zu werden, da dies innerhalb von 24Stunden geschehen muss.

Jedoch werden nicht alle Menschen verbrannt. Kinder unter 12, schwangere Frauen, Kühe, Büffel und Sadhus (hinduistische Mönche), werden im See versenkt. An sie werden Steine gebunden und sie werden dann zur Mitte des Flusses gebracht. Nach einer Zeit lösen sich wohl die Stränge und die Leiche kommt an die Oberfläche und schwimmt den Ganges runter.

Es gibt außerdem noch eine andere Verbrennungsstätte, dort werden alle verbrannt die nicht eines natürlichen Todes gestorben sind.

Die Verbrennung von Leichen ist in Indien üblich und geschieht auch an anderen Orten, aber nicht so offensichtlich wie in Varanasi, außerdem ist es ein gutes Karma für die Verstorbenen, daher kommen jährlich viele Leute nach Varanasi um ihre Verwandten zu verbrennen.

Diese Tradition war für mich ein Grund nach Varanasi zu kommen, um mehr darüber zu lernen. Ich muss sagen, ich finde diese Tradition eigentlich sehr schön. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, einen Verwandten auf das Holz zu legen und anzuzünden, aber eigentlich ist es eine viel natürlichere Art mit dem Tod um zu gehen, da die Leute keine Berührungsängste haben und den Tod als den Kreislauf des Lebens sehen.

Die restliche Zeit in Varanasi war sehr inspirierend. Varanasi strahlt einfach eine sehr positive Energie aus. Die abendlichen Spaziergänge am Ganges zum Sonnenuntergang, während die Kinder im Wasser Schwimmunterricht haben, Cricket spielen, Sadhus ein Bad nehmen oder Kleidung waschen und das wiederholende Angebot „Boatride Madame?“, zauberte mir doch immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Genau wie die morgendliche Zeremonie, bei der sich die Leute am Ganges treffen, Mantras singen und verschiedene Atem- und Yoga-Übungen machen.

Doch natürlich ist Varanasi auch so eine Touristenattraktion, welcher man sich bewusst sein muss.

Trotzdem war es für mich eine sehr inspirierende sowie sehr interessante Zeit dort.

Mein Wissen zu den Traditionen rund um die Leichenverbrennung habe ich von in Varanasi lebenden Leuten, siesind daher ohne Gewehr.

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