Winterliche Wanderung im September: Schnee oberhalb von Zams, Österreich - die Kinder fangen an Weihnachtslieder zu singen und sie zu Wanderliedern umzudichten, "Oh Wanderung, Oh Wanderung, wie schön ist deine Landschaft..."

Alpenüberquerung mit Nordlichtern

Was für ein Abenteuer: Eine Alpenüberquerung mit Schülerinnen und Schülern aus Großhansdorf – und zwar innerhalb von zwei Wochen.


Justin steckt die Stöcke in den matschigen Almwiesenboden. Die Wanderschuhe hinterlassen tiefe Abdrücke im Schlamm und der gelb leuchtende Regenüberzug des Trekkingrucksacks wippt im Takt seiner Schritte. Justin ist gut gelaunt, heute laufen wir nur drei Stunden. Und das vor allem bergab. Er begrüßt enthusiastisch die uns entgegenkommenden Wanderer. Mal mit „Servus“, mal mit „Griaß di“, dann wieder „Grüß Gott“. Wir haben schon die ein oder andere Begrüßungsfloskel am Berg kennengelernt. Doch am Ende kommt immer nur eins wirklich authentisch aus uns heraus: MOIN!

Wir, das sind dreizehn Schülerinnen und Schüler, zwei Lehrerinnen der Friedrich-Junge Schule in Großhansdorf bei Hamburg und eine Studierende von der CAU zu Kiel. Sechzehn Norddeutsche, die sich Großes vorgenommen hatten. Wir wollten auf dem europäischen Fernwanderweg E5 in knapp zwei Wochen, vom 05. bis 18. September 2017, die Alpen überqueren. Seit fünf Jahren hat die Friedrich Junge Schule in Großhansdorf das My-Challenge Projekt fest im Curriculum der achten Klassen verankert. Die Schülerinnen und Schüler bewerben sich mit einem ausführlichen
Motivationsschreiben für eine von sechs Herausforderungen, auch ‚Challenges‘ genannt.

Es geht dabei um ein Erfahrungslernen außerhalb des Klassenraumes. Lara zum Beispiel hat sich das Alpenprojekt ausgesucht, weil sie lernen wollte, sich durchzubeißen. „Ich wollte lernen nicht immer gleich aufzugeben, sondern eine Entscheidung bis zum Ende durchziehen. Auch wenn es mal ungemütlich wird.“ Viele von uns hatten Angst vor der Anstrengung und die meisten waren unsicher, ob sie die lange Zeit weit weg von zu Hause, ohne Handy und mit wenig Luxus bewältigen würden. Doch nun haben wir es geschafft! Eine unglaubliche Strecke liegt hinter uns, von Oberstorf in Süddeutschland ging es quer durch ganz Österreich bis nach Bozen in Norditalien.

Fast jeden Tag fünf bis acht Stunden auf den Beinen. Wie haben wir das bloß geschafft? Häufig ging es nicht gerade gemütlich zu. Da war dieser verflixte zweite Wandertag an dem es einfach nicht aufhören wollte zu regnen. Das Wasser ergoss sich aus Wasserfällen über unsere Köpfe bis in die Schuhe hinein. Wir erlebten Schnee, wir hatten Blasen und Muskelkater und ab und
zu schlicht keinen Bock mehr. Wir fragten uns, warum man eigentlich ständig hochlaufen muss, wenn es eh wieder runtergeht. Wieso unsere Rucksäcke oder nicht vielleicht sogar wir mit der Materialseilbahn hochgefahren werden können? Aber dann standen wir plötzlich in Meran, Italien. Mit einem Eis in der Hand und der Nase in der Sonne und hatten nur noch eine Etappe bis Bozen vor uns. Alles schien nur noch halb so schlimm.

Es sind diese Höhen und Tiefen, wie die Berge und Täler, die Auf- und Abstiege, die uns begleitet und uns stärker gemacht haben. Marvin sagt am Abschlussabend, dass er gerne noch weiter wandern würde. Justin ist ehrlich, nochmal würde er die Challenge Alpenüberquerung nicht wählen. Und trotzdem ist er stolz diese zwei Wochen durchgehalten zu haben. Wir alle sind stolz und erleichtert. Die Betreuerinnen sind vor allem froh, dass wir heil wiedergekommen sind.
Was uns in Erinnerung bleibt? Sicherlich die stinkenden Socken, die engen Lagerbetten und das lange Laufen. Die Nässe und Kälte und die Schmerzen an Knien, Füßen und Schultern. Das regelmäßige Tagebuchschreiben und die strengen Rucksackkontrollen am Abend. Aber auch die wunderschöne Bergwelt bleibt in unseren Köpfen, die Murmeltiere, Jungkühe und Steinböcke. Der leckere Kaiserschmarrn, die Sommerrodelbahn und die riesige Hängebrücke. Wir haben gemerkt, dass es sich gut anfühlt, jeden Tag draußen und in Bewegung zu sein.

Wir waren ein richtig gutes Team und nicht selten trafen uns neugierige Blicke der anderen Wanderer. „Wo kommts ihr denn her? Von Hamburg? Mei, des is ja doll. Da würd‘ I ja heit a gern noch amol zur Schul‘ geh’n.“ Wir haben gelernt, dass wir viel mehr schaffen können als wir glauben, wenn wir nur ein bisschen die Zähne zusammenbeißen. Viele Sponsoren haben das Projekt auch in diesem Jahr möglich gemacht. Wir haben uns unter anderem beim
Waffelbacken bei Globetrotter, beim Tütenpacken bei EDEKA und beim Müllaufräumen bei der Lungenclinic Großhansdorf Geld verdient. Fielmann hat uns tolle Sonnenbrillen gesponsert und der Outdoor Ausrüster Primaloft hat uns materiell und finanziell im Rahmen des Projekts Its great out there! unter die Arme gegriffen.

Was die gesundheitliche Ausstattung betraf, sind wir von lokalen Apotheken in Großhansdorf und Schmalenbeck gut bestückt worden. Vom Blasenpflaster bis hin zum Traubenzucker fehlte es uns dank der großzügigen Spende an Nichts. Vielen Dank an alle Unterstützer! Am 09. Oktober kommen wir nochmal zusammen, um die diesjährigen Herausforderungen zu präsentieren. Um 18 Uhr werden Bilder und Geschichten aller Challenge Gruppen in der Friedrich-Junge Schule für Sponsoren, Freunde und Familie vorgestellt.

Liebe Grüße von

Ben, Marten, Lara, Justin, Lea, Folke, Marvin, Yannick, Janina, Laszlo, Jannik, Hauke, Lennard, Frau Kilmer, Frau Hilgenböker und Bentje

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