Nach dem Erdbeben wurden Spenden an der UDLAP gesammelt.

Gastbeitrag aus Mexiko: Erdbeben in der Vorlesung

Es war ein ganz normaler Uni-Tag für mich und meine Kommilitonen hier auf dem wunderschönen Campus an der UDLAP in Cholula, einem Vorort von Puebla. Meine Vorlesung in International Marketing hatte gerade begonnen und alles war wie gewohnt. Plötzlich ging der Erdbebenalarm der Universität los und zeitgleich spürten wir, wie der Boden unter uns anfing sich zu bewegen.

Glücklicherweise war unser Vorlesungsraum im Erdgeschoss, sodass wir alle sehr schnell draußen im Innenhof waren und von dort die Gebäude beobachten konnten. Die Gebäude an der UDLAP sind sehr stabil gebaut und haben auch nur ein Stockwerk, sodass wir uns relativ sicher fühlten. Das Erdbeben an sich dauert nur ca. zwei Minuten und man muss sagen, dass es hier in Cholula zum Glück nicht so stark war wie an anderen Orten. Es sind zum Beispiel keine Gegenstände von der Wucht des Erdbebens von den Tischen gefallen oder ähnliches.

Nach dem ersten Schreck wurden natürlich sofort die Sozialen Netzwerke gecheckt und da wir gehört hatten, dass das Epizentrum des Bebens nur ca. 70 km von Puebla entfernt war, dachten wir, dass wir hier schon am Schlimmsten betroffen seien.

Doch als uns dann die ersten Nachrichten aus Mexico City erreichten waren wir alle schockiert – und auch das Umland von Puebla ist stark vom Erdbeben getroffen worden. Da Mexico City auf einem trockengelegten See gebaut wurde, ist der Untergrund dort sehr Erdbeben-anfällig. Wir wurden dann nach einiger Zeit nach Hause geschickt und die Vorlesungen wurden für den Rest der Woche ausgesetzt.

Nach diesen schrecklichen Ereignissen war es aber umso bemerkenswerter wie die Mexikaner sich hier gegenseitig geholfen haben und unterstützen. Schon am gleichen Tag wurde dazu aufgerufen, Lebensmittel und andere lebensnotwendige Sachen zu spenden. In der ganzen Stadt wurden Sammelplätze errichtet und der Zusammenhalt der Menschen war sehr stark zu spüren. Jeder der selbst wenig oder kaum betroffen war half mit Spenden zu sammeln und diese in die umliegenden Dörfer zu verteilen. Auch die UDLAP und wir als Studenten haben alle mit angepackt, sodass in wenigen Tagen eine ganze Halle auf dem Campus voll mit notwendigen Sachen und Lebensmitteln bereitstand. In einer anderen Stadt konnte ich, als nur eines von vielen Beispielen, sogar beobachten wie Friseure an ihrem freien Abend gratis Haarschnitte auf einem Marktplatz gegen ein paar Sachspenden für die Erdbebenopfer anboten.

Die UDLAP hat auch nach dem Erdbeben sofort alle Gebäude auf ihre Standfestigkeit überprüft und es gibt – wie schon erwähnt – auch einen Erdbebenalarm. Da der Campus sehr weiträumig ist und alle Gebäude einen Innenhof haben, sowie viele Zugänge nach draußen, fühle ich mich hier in der UDLAP sehr sicher. Im Allgemeinen ist auch zu sagen, dass hier im Umkreis der Uni und im Großteil von Puebla die meisten Häuser unversehrt geblieben sind. Es sind wenn vor allem alte Gebäude die eingestürzt sind oder beschädigt wurden. Außerhalb der Stadt in ärmeren Dörfern bedarf es jedoch viel Hilfe, da hier, wie auch in Mexico City, sehr viele Häuser eingestürzt sind und viele Menschen jetzt keine Bleibe haben.

Nach jetzt fast zwei Wochen ist größtenteils wieder Alltag eingekehrt und hier in der Stadt erinnern nur noch die beschädigten Türme des Wahrzeichens von Cholula, einer Kirche gebaut auf der nach dem Volumen größten Pyramide der Welt, an das Erdbeben. Wir sind dankbar dafür hier einigermaßen glimpflich davon gekommen zu sein, sind aber in Gedanken immer noch bei den Opfern dieser Katastrophe und bei den Menschen die hier in der Umgebung weiterhin auf Hilfe angewiesen sind.

Ein Gast-Beitrag von Marc Jürgensen

Austauschstudent Marc Jürgensen.

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