Das australische Outback – Kings Canyon

Ich kam mit einer langen Liste von Orten und Dingen, die ich gerne während meines Jahres sehen und tun würde, nach Australien. Einige dieser Punkte waren einfach abzuhaken und vieles habe ich tatsächlich bereits in meinen ersten Monaten geschafft. Mein großer Traum war aber das Outback.

Ich habe bisher zum Beispiel die Great Ocean Road befahren und war in Brisbane, Sydney und Adelaid. Anderes wiederum erschien mir eher schwieriger und ich weiß bis jetzt noch nicht, ob ich am Ende des Jahres wirklich alle Punkte abhaken kann. Einer dieser Punkte war eine Reise in’s australische Outback um den Uluru und die umliegenden National Parks zu sehen. Ich habe hin und wieder nach Touren und Flügen geschaut, doch leider schien alles entweder unpassend oder war schlichtweg zu teuer.

Ich hatte mich bereits damit abgefunden, dass ich es wohl dieses Jahr nicht mehr schaffen würde, als mein Freund mich vor ein paar Monaten erneut darauf ansprach. Er wusste, dass das Outback auf meiner „Bucketlist“ stand und schlug vor, dass wir bald die Flüge buchen, da Jetstar gerade ein gutes Angebot hatte. Wir suchten uns ein langes Wochenende im Juli aus, um dem Winter in Victoria für eine Weile zu entfliehen. Ich freute mich unglaublich und konnte es kaum erwarten, bis wir endlich in’s Flugzeug stiegen und das kalte Melbourne hinter uns ließen.

Roter Sand und endlos lange Straßen

Als das Flugzeug zur Landung ansetzte, konnte ich durch das Fenster einen ersten Blick auf den roten Sand erhaschen, der sich über den gesamten Untergrund zog und nur von vereinzelten grünen Punkten unterbrochen wurde.

Wir saßen auf der rechten Seite im Flugzeug, weshalb wir leider keinen Blick auf den Uluru aus der Luft hatten. Allerdings dauerte es nicht lange, bis wir ihn nach der Landung in der Ferne erblicken konnten.

Der Flughafen in Yulara ist wohl der kleinste Flughafen an dem ich je gewesen bin. Es gibt nur zwei Gates, eine kleine Wartehalle und eine winzig erscheinende Landebahn. Wir hatten im voraus ein „Mystery Car“ bei Hertz gemietet, da es die günstigste Variante war. Uns war es zwar relativ egal was für ein Auto wir bekamen, allerdings staunten wir nicht schlecht, als wir in den nagelneuen SV6 Commodore einstiegen (ich habe zwar absolut keine Ahnung von Autos, aber das war schon ziemlich cool). Man könnte also sagen, dass unser Trip schon mal ganz gut anfing!

Zwischen Yulara und dem Kings Canyon verläuft nur eine einzige endlos lang erscheinende Straße. Man weiß also jedesmal genau, woher die Leute kommen die an einem vorbeifahren und wo sie hin wollen.
Am späten Nachmittag erreichten wir dann endlich das Kings Canyon Resort in dem wir die erste Nacht verbrachten. Es gibt dort tatsächlich nur diese eine Möglichkeit zu übernachten, was sich natürlich auch auf die Preise auswirkt. Man hat die Wahl zwischen einem Zimmer, einer sogenannten „Lodge“ (ein eher sporadisches Zimmer ohne Bad) oder dem Campingplatz. Wir hatten uns für die Lodge entschieden, was für eine Nacht definitiv in Ordnung war.
Nachdem wir eingecheckt hatten, blieb gerade noch genug Zeit, um uns den Kathleen Creek in der Nähe anzuschauen bevor die Sonne unterging. Es sah ein wenig wie eine Miniversion des Canyons aus und es dauerte nur etwa eine Stunde um alles anzuschauen.

Der Sonnenaufgang am Canyon

Am nächsten Morgen sind wir sehr früh aufgestanden, um bei Sonnenaufgang am Kings Canyon zu sein. Als wir den Parkplatz erreichten, war es noch stockdunkel und außer uns war nur ein einziges anderes Auto dort. Ein Mann bereitete sich gerade mit einer Lampe auf dem Kopf vor und startete seine Wanderung direkt in der Dunkelheit.

Wir warteten lieber noch ein wenig, bis wir zumindest etwas vom Weg erkennen konnten.
Leider fuhr zur gleichen Zeit ein Bus auf dem Parkplatz vor und wir fanden uns inmitten einer Touristengruppe wieder. Zum Glück waren wir aber schneller und haben sie recht bald hinter uns gelassen – zumindest für eine Weile…
Wir hatten uns vorgenommen den sogenannten Rim Walk zu laufen, welcher in etwa 6 km über den gesamten Canyon verlief und atemberaubende Ausblicke versprach.
Der Anfang war der anstrengenste Teil, da man zuerst einmal über etwa 500 Stufen den Canyon erklimmen musste. Auf der Hälfte des Weges nach oben holten uns die ersten der Touristengruppe ein.
Das Ganze war definitiv kein Zuckerschlecken und ich war absolut außer Atem als wir endlich oben ankamen. Zur gleichen Zeit fielen auch die ersten Sonnenstrahlen über die hohen Klippen und der Anblick der aufgehenden Sonne ließ mich die Anstrengung schnell vergessen. Wärend die Tourgruppe erstmal eine Frühstückspause einlegte, liefen wir weiter und beobachteten dabei, wie die Sonne langsam höher über die Felsen stieg.
Es schien beinahe, als hätten wir den gesamten Canyon für uns alleine. Alles war still als wir über die rot und orange gefärbten Felsen liefen. Nur vereinzelt begegneten wir anderen Wanderern auf dem Weg und die Touristengruppe hatten wir weit hinter uns gelassen.
Als die Sonne über den Felsen stand wurde es so herrlich warm, dass ich meinen dicken Pullover ausziehen konnte. Es fühlte sich beinahe an wie der erste Frühlingstag nach einem langen Winter, wenn die Sonne endlich stark genug ist, sodass man keine Jacke mehr braucht um rauszugehen. Ich liebe dieses Gefühl.

Der Rim Walk dauerte etwa drei bis vier Stunden und ich war ziemlich stolz als ich bemerkte, dass ich meine angestrebten 10.000 Schritte bereits vor 10 Uhr morgens gemeistert hatte.
Der Kings Canyon war mein persönliches Highlight der gesamten Reise. Ich war noch nie zuvor an einem vergleichbaren Ort und war einfach absolut beeindruck von allem (außer vielleicht den 500 Stufen am Anfang).
Am liebsten wollte ich alle paar Sekunden ein Foto machen, allerdings habe ich schnell gemerkt, dass diese nicht mit dem wirklichen Anblick zu vergleichen sind. Es ist einfach nicht möglich all die Farben und Dimensionen der verschiedenen Felsen mit der Kamera einzufangen.
Ich habe daher versucht den Anblick einfach zu genießen und in meiner Erinnering einzufangen. Die Fotos sind nur dazu da um mich daran zu erinnern, wie atemberaubend es in Wirklichkeit aussah.

Nachdem wir den Rim Walk beendet hatten, machten wir uns erschöpft auf den Weg zu unserem Auto um zu unserem nächsten Ziel zu fahren – nach Alice Springs…

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