Darum fasziniert uns die Landschaft der Toskana

Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum viele Menschen die Landschaft der südlichen Toskana lieben? Es hängt mit dem Ursprung der Menschheit zusammen. Eine Studie beleuchtet das Phänomen. Der Weltenbummler stellt sie vor.

die südliche Toskana © Copyright Karl-Heinz Haenel

Es ist fast eine Selbstverständlichkeit, viele Menschen, die wir bei unseren alljährlichen Aufenthalten in der Toskana getroffen und gesprochen haben, fühlen sich in der Toskana wohl. Und wenn Du das nicht glauben magst, dann reise selbst in die südliche Toskana und lass Dich auf eine landschaftlich wunderbare Erfahrung ein, deren Ursache seit Menschengedenken in unser aller Unterbewusstsein verborgen zu sein scheint.

Zwar ist die toskanische Landschaft von Menschen gemacht, von Bauern und Schäfern, die über Jahrhunderte versuchten, die Crete, diesen zähen Lehmboden, urbar zu machen. Doch so ganz ist es den Menschen nie gelungen, den einstigen Meeresboden platt zu machen, der heutzutage die typische Landschaft der Toskana ausmacht und Touristen anlockt.

Als wir ein gutes Jahrzehnt Italiens südliche Toskana durchstreiften, um dort die schönsten Landschaftsmotive zu finden und für einen Verlag für einen Landschaftskalender zu fotografieren, war das noch zu einer Zeit, als es weder Google-Maps, noch iPhone und auch noch keine anständigen Reiseführer mit Motiv-Standort-Angaben gab.

Also blieb uns nur übrig, selbst in Büchern, antiquarischen Druckwerken und Zeitschriften zu recherchieren, wo wir vor Ort die spektakulärsten Landschaftsmotive suchen könnten. Denn die Fotografen wollten die Standorte ihrer Fotos nicht verraten, das ganze Gegenteil von heute, wo wir nichts lieber möchten, als unsere Fotos mit dem Rest der Welt zu teilen. Es gab auch noch keine Selfies und so sah man mit eigenen Augen die vor einem liegenden Landschaften unmittelbar.

Damals, auf unserer Motivsuche, stießen wir im Mai 1997 auf einen Artikel in einem Journal, der uns die Toskana plötzlich von einer ganz neuen Perspektive wahrnehmen ließ.

Der Mensch hat seinen Ursprung demnach in den Savannen Afrikas und dieses Landschaftsbild steckt seit Jahrtausenden in unseren Genen. Im dichten Wald lauerte vielleicht der Feind, leicht hügelige Ebenen hingegen gewährten einen Überblick, falls Gefahren auftauchten und einzelne Bäume boten Orientierung. Da fühlte man sich schon immer wohl.

Und die hügelige Toskana hat tatsächlich eine verblüffende Ähnlichkeit mit den Ursavannen Afrikas. Auf einmal hatten wir eine Erklärung dafür, warum unsere Toskanabilder so gut ankamen und aller Welt gefielen. Es lag an den Landschaften selbst.

Dieser hoch interessante Artikel, der dafür eine Erklärung bot, wäre sicher längst in tiefe Vergessenheit geraten, gäbe es nicht die digitalen Medien und in erster Linie das Online-Archiv des betreffenden Verlages. Der dort zitierte Humanethnologe Erich Synek hatte nach Tests mit unbefangenen Schulkindern eine plausible Erklärung dafür gefunden, welche Landschaften der Mensch am liebsten mag, nämlich überschaubare leicht hügelige Ebenen mit einzeln verstreuten Bäumen, um sich zu orientieren und Gefahren rechtzeitig wahrzunehmen.

Erich Synek zeigte jungen Schülern verschiedenste Landschaften am PC-Bildschirm und kam zu dem Ergebnis: „Wo der Mensch seinen Ursprung hat, findet er es am schönsten.“

Der betreffende Artikel liegt nun 20 Jahre zurück, aber zum Glück hat damals der Wissenschaftsjournalist Christian Weber nach seiner Recherche dafür gesorgt, dass die Studie: „Evolutionary Aesthetics“ von Erich Synek und Karl Grammer auch heute noch im Internet zu finden ist, wo sie für die Leserinnen und Leser hoffentlich noch lange zugänglich bleiben möge.

Die hier gezeigten Fotos sind übrigens an der Stelle entstanden, wo im Jahr 2000 Regisseur Ridley Scott für den Film Gladiator den Hauptdarsteller Russell Crowe medienwirksam exakt in dieser Landschaft inszenierte, wo heutzutage Fans und Influencer hinpilgern, um ihr ultimatives Selfie zu schießen.

Karl-Heinz Haenel

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